Hamburg  Wo Schleswig-Holstein bei der Windenergie Nachholbedarf hat

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 16.01.2023 13:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schleswig-Holstein ist zwar schon gut davor, muss aber trotz allem noch am Windkraftausbau arbeiten, wenn die Bundesziele erreicht werden sollen. Foto: Finn Fischer
Schleswig-Holstein ist zwar schon gut davor, muss aber trotz allem noch am Windkraftausbau arbeiten, wenn die Bundesziele erreicht werden sollen. Foto: Finn Fischer
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Deutschland möchte in Sachen Windkraft ordentlich nachlegen. Schleswig-Holstein ist schon gut davor, wenn es um die Ausweisung von Flächen für die Windenergie geht. Warum das Land zwischen den Meeren sich dennoch weiter anstrengen muss.

Strom aus Wind als saubere Alternative: Das Wind-an-Land-Gesetz, das am 1. Februar in Kraft tritt, soll Deutschland einen Schritt weiter in Richtung Unabhängigkeit von Kohle und Gas bringen. Wie es um den Ausbau in Schleswig-Holstein steht und was noch zu tun ist, lesen Sie hier.

Geregelt wird in dem neuen Gesetz, dass bundesweit bis 2032 zwei Prozent der Fläche Deutschlands als Vorrangfläche für Windkraftprojekte ausgewiesen sein müssen. Nach Angaben der Bundesregierung liegt der Anteil derzeit bei 0,8 Prozent.

Da der Ausbau der Flächen in den Bundesländern bislang sehr unterschiedlich vorangeht, müssen die Länder dementsprechend auch unterschiedlich stark nachjustieren. Schleswig-Holstein soll laut Gesetz bis 2032 zwei Prozent seiner Fläche ausweisen, um beim Erreichen des Bundesziels zu helfen.

Nach eigener Rechnung der Landesregierung ist dieses Ziel bereits erreicht. Zum Vergleich: In Niedersachsen sind 2,2 Prozent der Landesfläche gefordert, Mecklenburg-Vorpommern soll 2,1 Prozent ausweisen.

Obwohl Schleswig-Holstein sich allerdings das Erreichen des Ziels selbst bereits attestiert hat, muss es laut Bund noch weiter am Ausbau der Windenergie arbeiten. Aber warum?

Zwar kommt das Land nach eigener Rechnung jetzt schon auf eine ausgewiesene Fläche von etwas mehr als zwei Prozent. Der Bund kommt allerdings auf andere Zahlen, denn für die Regierung in Kiel zählten in die zwei Prozent Fläche bislang auch die Rotorblätter hinein.

Für die Bundesziele zählen diese Fläche allerdings nicht mit. Schleswig-Holstein überprüft daher zurzeit die bestehende Windplanung. Eine Planung soll nun vorbereitet werden, um die vom Bund gesetzten Flächenziele zu erreichen. Die Vorgaben sollen dann aus Kiel auf die kommunale Ebene durchgereicht werden.

Die Windkraftanlagen verteilen sich sehr ungleich über Deutschland. Im Nachbarbundesland Niedersachsen steht etwa jedes fünfte Windrad in Deutschland: Mit 6277 Anlagen führt das Land die Liste mit großem Vorsprung an. Nach Brandenburg und Nordrhein-Westfalen folgt dann jedoch an vierter Stelle das flächenmäßig deutlich kleinere Schleswig-Holstein mit 3361 Anlagen.

Obwohl Schleswig-Holstein nicht die meisten Windkraftanlagen hat, verzeichnete das Bundesland aber den größten Anlagen-Zubau im vergangenen Jahr 2022. Laut Bundesnetzagentur gingen hier bis einschließlich November 117 Windräder ans Netz. An zweiter Stelle folgt Nordrhein-Westfalen mit 89 Anlagen, kurz dahinter Niedersachsen mit 86 und Brandenburg mit 84 Anlagen.

Diese Zahlen zeigen, dass die Bundesländer, die ohnehin schon vermehrt auf Windkraft setzen, den Ausbau auch vermehrt vorantreiben – und umgekehrt. Mecklenburg-Vorpommern kam nach den Zahlen der Bundesnetzagentur demnach nur auf zwölf Anlagen, Bayern auf elf, in Berlin ging keine einzige ans Netz. Hier muss also nach Möglichkeit ordentlich nachgesteuert werden, wenn das Bundesziel rechtzeitig erreicht werden soll.

Sollten die Zielvorgaben aus dem Wind-an-Land-Gesetz von einem Bundesland nicht umgesetzt werden, verfallen landeseigene Vorgaben zum Ausbau der Windkraft.

Das könnten beispielsweise Abstandsregeln zur Wohnbebauung sein, wie in Bayern, die im bundesweiten Vergleich sehr streng sind. Ohne entsprechende Vorgaben würden dann nur noch grundlegende Regeln greifen für den Bau neuer Anlagen.

Mit der derzeitigen Ausbaugeschwindigkeit besteht diese Gefahr in Schleswig-Holstein aber vorerst nicht.

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