Gastronomie in Greetsiel Neuer Käufer für Poppingas Alte Bäckerei gesucht
Aus dem Verkauf von Poppingas Alter Bäckerei in Greetsiel wird nun doch erst einmal nichts. Allerdings soll ein weiterer Versuch unternommen werden.
Greetsiel - Bis zu ihrer Schließung vor gut zwei Jahren zählte Poppingas Alte Bäckerei zu den bekanntesten Teestuben Ostfrieslands, in der auch schon Prominente wie Thomas Gottschalk, Peter Maffay und Henri Nannen zu Besuch waren. Dann begann die lange Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für das Greetsieler Traditionshaus, was zuletzt erfolgversprechend wirkte. Nun heißt es jedoch: Alles wieder auf Anfang. Darauf weist Fritz Harders, Sprecher der Gemeinde Krummhörn, in einer Pressemitteilung hin.
Was und warum
Darum geht es: um die Zukunft eines denkmalgeschützten und beliebten Traditionshauses mitten im Greetsieler Ortskern
Vor allem interessant für: Kultur- und Geschichtsbewusste
Deshalb berichten wir: Die Gemeinde hat uns jetzt über die geplatzten Verkaufspläne informiert. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
„Der Verkauf des gemeindeeigenen Gebäudes Poppingas Alte Bäckerei in Greetsiel kommt nicht zustande“, teilt er mit. Das habe Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) jetzt im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss des Rates verkündet. „Ein Angebot, für das es den Zuschlag gab, ist überraschend zurückgezogen worden.“
Neue Verkaufsbedingungen noch unklar
Nachdem die bisherige Pächterin Inge Ysker-Cornelius nach 38 Jahren aufgehört hatte, wurde das denkmalgeschützte Gebäude 2022 zum Verkauf ausgeschrieben. Allerdings mussten Interessenten ein Nutzungskonzept vorlegen und gewährleisten, dass das Haus auch in Zukunft öffentlich zugänglich bleibt, erinnert Harders jetzt. „Die Gemeinde will Poppingas Alte Bäckerei nun erneut anbieten. Zu welchen Konditionen, muss noch abgestimmt werden.“
Wie lange dieser Prozess dauern wird beziehungsweise wann die Politik erstmals öffentlich über neue Verkaufskonditionen berät, konnte er auf Nachfrage jedoch noch nicht sagen. „Der zuständige Fachbereich bereitet jetzt zunächst die Sitzungsvorlage vor“, kündigt der Sprecher an.
Bisherige Betreiberin kritisiert hohen Verkaufspreis
Alfred Jacobsen ist der Fraktionsvorsitzende der SPD, die im Krummhörner Rat die Mehrheit bildet. Auf die Frage, wie er sich den jetzigen Rückzug vom Verkauf erklärt, vermutet er einen Zusammenhang mit der Bedingung, das Gebäude weiterhin öffentlich zugänglich zu machen. Auch der Denkmalschutz, der Umbauten erschwere beziehungsweise verhindere, schrecke womöglich ab – zumal hier einst von einem Mindestgebot in Höhe von 600.000 Euro die Rede war. Allerdings hatte Gemeindesprecher Harders unserer Zeitung schon im September versichert, dass die Teestube trotz der Forderung nach öffentlicher Zugänglichkeit nicht zwangsläufig barrierefrei umgebaut werden muss. Auch schreibe man nicht vor, die gastronomische Tradition fortzuführen. Das sei nur wünschenswert.
So hofft auch Inge Ysker-Cornelius darauf, dass es mit einem „alten oder neuen Investor“ in ähnlicher Form weitergeht und dadurch ein Stück „alte Gewerbekultur“ erhalten bleibt. Das sei umso wichtiger, da auch schon weitere Geschäfte im Ortskern leer stünden, sagt sie jetzt gegenüber unserer Zeitung. Ein zu hoher Verkaufspreis für Poppingas Alte Bäckerei sei aber abschreckend. Sie wisse ja selbst noch aus Erfahrung, wie gut sie wirtschaften musste, damit der Betrieb lief, erinnert sie sich zurück.
Altes Inventar steht zum Verkauf
Wenn sich eine neue Käuferin oder ein neuer Käufer findet, hofft Ysker-Cornelius zudem weiter darauf, dass diese Person auch möglichst viel von dem Inventar übernimmt, das sie für die Teestube im Laufe der Jahre aus eigener Tasche angeschafft habe. Viel davon habe sie schon ausgeräumt, aber viele Gegenstände stünden auch noch in dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gebäude, das auch ein Mini-Handwerksmuseum beheimatet hatte.
Derzeit kümmere sich der Bauhof der Gemeinde um die Immobilie. Sie selbst habe keinen Schlüssel mehr, sagt sie und beklagt den Zustand, in dem sich das Haus befindet. Es muss saniert werden, wie auch die Gemeinde bestätigt. Die bislang unbekannten Kosten dafür soll der Käufer übernehmen, hieß es bis zuletzt.
Manche wollen Verkauf verhindern
Auf das Thema öffentliche Zugänglichkeit und auf die Frage angesprochen, ob damit regelmäßige feste Öffnungszeiten oder nur Öffnungen nach vorheriger Absprache gemeint sind, sagt Harders, dass „nicht genau definiert“ sei, was mit öffentlich zugänglich gemeint sei. So eine Definition war bislang auch nicht notwendig gewesen, da die bisherige Interessentin geplant hatte, an das alte Konzept anzuknüpfen. So sagte Bürgermeisterin Looden Ende November gegenüber unserer Zeitung: „Das Gebäude wird nach dem vorgelegten Konzept ähnlich der Öffentlichkeit zugänglich sein wie zuvor.“
Weil man laut ihr auf der „Zielgeraden“ war, hatte auch die Politik schon darüber nachgedacht, was man mit dem Geld aus dem geplanten Verkauf machen könnte. So schlug beispielsweise die SPD im Dezember vor, davon Vereinen Coronahilfen zur Verfügung zu stellen oder die Einnahmen für Spielplätze zu investieren.
Ebenso gab es jedoch auch Kritiker, die befürchteten, dass die Gemeinde durch den Verkauf eine Chance vertue, unter eigener Regie etwas für die Einheimischen zu tun. Der ehemalige FBL-Ratsherr Henning Paulsen-Jacobs wandte sich im September in einem Brief an Rat und Verwaltung und regte an, das Gebäude stattdessen zu einem symbolischen Preis an einen gemeinnützigen Verein zu verkaufen. „Ein gemeinnütziger Verein kann sowohl öffentliche Fördermittel einwerben als auch private Spenden einsammeln“, hieß es zur Begründung.