Hamburg 90 Prozent seines Körpers sind tätowiert: Marco Apfler eröffnet Studio in Hamburg
Aus Ostfriesland ins Hamburger Rotlichtviertel: Marco Apfler ist auf dem Kiez mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Im Januar hat der 46-Jährige sein neues Tattoo-Studio in Stellingen eröffnet. Auch im TV ist er derzeit zu sehen.
Bereits als 13-Jähriger tätowierte sich Marco Apfler zum ersten Mal. Mit einem Pelikan-Füller stach er sich als Junge ein Kreuz auf den Arm. 33 Jahre und unzählige Tattoos später ist er von Kopf bis Fuß mit Tinte überzogen – selbst Ohren, Lippen und Augäpfel sind tätowiert. „Ich habe noch etwa zehn Prozent freie Stellen“, sagt der 46-Jährige, der mit Körperkunst sein Geld verdient – bis vor Kurzem noch im ostfriesischen Jever und seit Anfang des Jahres in seiner Wahl-Heimat Hamburg.
Dass er auf dem Kiez mittlerweile bekannt ist wie ein bunter Hund, damit hatte Marco Apfler vor einem Jahr selbst nicht gerechnet. „Mit einem Kumpel war ich damals zum Feiern nach Hamburg gefahren“, sagt der Tätowierer. In der Kultkneipe „Zur Ritze“ wurde dann eine Mitarbeiterin auf den Mann mit dem ungewöhnlichen Aussehen aufmerksam. Im Mai 2022 durfte er bereits in „Susis Show Bar“ am Wochenende willige Gäste tätowieren. Urgestein Klaus Barkowsky, besser bekannt als der „Schöne Klaus“ oder „Lamborghini-Klaus“, nahm den Kiez-Neuling unter seine Fittiche.
Seither tätowiert Apfler sogar vor laufenden Fernsehkameras. Aktuell ist er Teil der Doku-Reihe „Reeperbahn privat“ auf RTL2. Zu sehen ist unter anderem, wie der Neu-Hamburger im Sommer vergangenen Jahres versucht, auf dem Kiez Fuß zu fassen.
„Ich habe selber gar nicht eingeschaltet“, sagt er und lacht. „Ein paar Folgen sind noch in Arbeit und werden später ausgestrahlt.“ Seit 2017 blickt das Format hinter die Kulissen von Hamburgs Amüsiermeile und gibt einen Einblick in den Alltag der Menschen, die dort leben und arbeiten. Begleitet werden neben dem voll-tätowierten Künstler unter anderem Stripperinnen, Prostituierte und Dragqueens.
Apfler hat das Sprungbrett genutzt. Anfang Januar hat er in den Räumlichkeiten des Streetwear-Labels „Respect Hamburg“ in der Kieler Straße 271 in Hamburg-Stellingen sein eigenes Tattoo-Studio eröffnet. „Tief unter deine Haut“ heißt es.
Und auch seinen Lebensmittelpunkt hat der Mann mit den spektakulären Tattoos von der Nordsee an die Alster verlagert. Gemeinsam mit Lebensgefährtin Anneliese und deren Sohn Lasse ist Apfler im Oktober ins Hamburger Umland gezogen. Wenig später erblickte mit Baby Tyler der jüngste Spross der Familie das Licht der Welt.
Das Tätowieren ist allerdings längst nicht mehr das einzige Standbein des 46-Jährigen. Für den ebenfalls voll-tätowierten Rapper Daniel Gun stand er kürzlich für ein Musikvideo vor der Kamera, auch erste Nebenrollen in Kino-Produktionen laufen an.
Künftig führt Apfler dann sogar Touristen über den Kiez. Für die Königin der Dragqueens, Olivia Jones, bietet er gemeinsam mit dem Rotlicht-Experten Olli Zeriadkte „Kult-Kieztouren“ an. „Ab März geht es los“, verrät Zeriadkte. Sechs bis sieben Mal pro Woche sind die beiden dann gemeinsam im Einsatz auf der Amüsiermeile.
Schon seit vergangenem Jahr ist Apfler bei den Reeperbahn-Führungen als Tourenbegleiter dabei. Künftig gibt er dann auch sein Wissen rund um die Tattoo-Szene des Hamburger Rotlichtviertels zum Besten. Zum Beispiel über den als Meistertätowierer von St. Pauli bekanntgewordenen Künstler Herbert Hoffmann, der in den 60er Jahren das einzige professionelle Tattoo-Geschäft in Hamburg führte, dem er den Namen „Älteste Tätowierstube in Deutschland“ gab.
Ob Apfler dabei überhaupt noch Zeit zum Tätowieren bleibt? Der Terminkalender sei zwar schon gut gefüllt, „aber es sind noch genügend Plätze frei – einfach melden und dann finden wir schon was“, versichert er.