Teures Pflegeheim Ostfriesen müssen für Eigenbeträge tiefer in die Tasche greifen
Wenn es Zuhause immer schwieriger wird, ist der Umzug ins Heim für alte Menschen ein teurer Weg. In Niedersachsen haben die monatlichen Kosten kräftig zugelegt.
Ostfriesland - Der Umzug ins Pflegeheim ist mit zunehmendem Alter für viele Senioren der letzte Ausweg. Doch die Pflege im Heim wird immer teurer. Trotz der neuen Entlastungszuschläge sind die Eigenbeträge im vergangenen Jahr in Niedersachsen deutlich gestiegen. Einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen zufolge mussten Heimbewohner in ihrem ersten Jahr im Pflegeheim pro Monat für durchschnittlich 2193 Euro in die eigene Tasche greifen. Das waren 381 Euro mehr als am 1. Januar 2022. Bundesweit müssen Pflegebedürftige im Schnitt 2411 Euro pro Monat aus eigener Tasche zuzahlen – 278 Euro mehr als Anfang 2022.
Die steigenden Zuzahlungen machen vielen Pflegebedürftigen zu schaffen. „Die Renten reichen zwar schon lange nicht mehr aus, um die Pflegekosten aus eigener Tasche zu bezahlen. Aber das haut jetzt noch mal richtig rein“, sagte Meike Gerhard, Sozialberaterin beim Sozialverband Deutschland (SoVD) in Westerstede im Gespräch mit unserer Redaktion. Natürlich seien auch die Heimbetreiber mit steigenden Nahrungsmittelpreisen und Energiekosten konfrontiert, aber bei ihr habe sich das Gefühl verstetigt, dass die Heime die aktuelle Situation ausnutzten, um die Eigenbeträge weiter in die Höhe zu treiben. „Manches, was ich sehe, ist schon recht unverfroren“, sagte die in Uplengen wohnende Ostfriesin.
20 Prozent für Instandhaltung und Ausstattung
In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen dann noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen hinzu. Seit dem 1. Januar 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse einen Entlastungszuschlag, der mit der Pflegedauer steigt. Den Eigenanteil nur für die reine Pflege drückt das im ersten Jahr im Heim um fünf Prozent, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent. Auch mit dem höchsten Zuschlag, den es ab dem vierten Jahr im Heim gibt, stieg die Zuzahlung in Niedersachsen um 195 auf nun 1549 Euro pro Monat.
„Wir haben bei der Beratung vermehrt mit Angehörigen zu tun, für die sich die Kosten drastisch erhöht haben“, berichtete auch Hildegard Hinderks, Vorsitzende des Kreisverbands Leer-Emden des SoVD. Eine gemeinsame Lösung müsse gefunden werden. Dabei sieht Hinderks auch das Land Niedersachsen gefordert. „Früher hat das Land die Investitionskosten der Betreiber getragen. Heute machen diese Kosten gut 20 Prozent der Unterbringungskosten aus.“ Damit sind die Kosten gemeint, die durch die Instandhaltung der Gebäude und für die Ausstattung entstehen. Sie betragen derzeit im Durchschnitt für jeden Heimbewohner in Niedersachsen 507 Euro pro Monat. Auch die Diskussion über eine Pflegevollversicherung, die analog zur Krankenversicherung alle Kosten übernimmt, dürfe angesichts der gestiegenen Kosten kein Tabu mehr sein, betonte Hinderks.
Die Möglichkeiten sind begrenzt
„Die Menschen sind entsetzt, wenn sie sehen, dass für das Pflegeheim ihre ganzen Ersparnisse draufgehen“, berichtete Heike Schaffland, Vorsitzende beim Ortsverband Emden und Borssum des Sozialverbandes VdK. Oft bleibe Bewohnern nur noch ein Taschengeld. Dabei sei in vielen Pflegeheimen weder die personelle Ausstattung besonders gut, noch der Zeitaufwand für die Bewohner. „Und das bei den Kosten“, ärgerte sich Schaffland.
Geschockt seien auch Angehörige, wenn sie sehen würden, dass auch sie für Kosten geradestehen müssten. Doch Alternativen zum Pflegeheim gebe es in den meisten Fällen ja nicht. „Die Möglichkeiten etwa mit betreutem Wohnen oder in Senioren-WGs sind einfach begrenzt.“
Mit Material von DPA