Kolumne „Alles Kultur“ „Rauchen, saufen, Oberhausen“
Endlich wieder andere Künstler treffen, freut sich unsere Kolumnistin – auch wenn es nicht immer so ganz korrekt zugeht.
„Börse ist nur einmal im Jaaaaahr!“, sang ich gestern vorfreudig unter der Dusche. Und damit meinte ich nicht etwa die in Frankfurt, sondern in Freiburg. Und zwar die Internationale Kulturbörse. Drei Jahre konnte sie nun nicht stattfinden, heute ist es endlich soweit.
Es ist das wuseligste und lauteste Branchen-Klassentreffen, das man sich vorstellen kann. Schließlich sind in der Messehalle so viele Menschen aus Comedy, Kabarett, Musik und Straßentheater, die in dieser hohen Konzentration auf kleiner Fläche einmalig ist. Diese Messe mag vielleicht für den ein oder anderen überholt wirken, denn man könnte doch auch einfach eine Mail schreiben oder den Hörer in die Hand nehmen. Warum müssen so viele Menschen aus der Veranstaltungs- und Kulturbranche sich aus der ganzen Republik (und darüber hinaus) in Bewegung setzen, das ist doch nicht mehr zeitgemäß.
Ich genieße es ganz einfach, weil nichts so schön und bereichernd ist wie eine echte Begegnung – live und in Farbe. Die Wiedersehensfreude wird groß sein und vielleicht weht auch ein bisschen der Wind der Ehrleichterung und Dankbarkeit durch die Gänge. Denn wir haben als Branche anstrengende Zeiten hinter uns und sind noch aus der Krise nicht raus.
Auch unsere Messeparties habe skurril anmutende Namen wie „Rauchen – Saufen – Oberhausen“ und da steht die Crème de la Crème der Kabarettszene am Bierfass beziehungsweise an der Sektflasche. Aber wir feiern natürlich nicht nur, es gibt in Theatersälen und auf Performanceflächen Auftritte im 20 Minutentakt. Das ist übrigens etwas, das ich nicht könnte: Auftreten vor ausschließlich Veranstaltenden und Kolleg*innen. Wir Nordlichter halten zusammen, unser Stand ist guter Dreh- und Angelpunkt für die Veranstalter-Nordkurve und mit Slam-Poetin Annika Blanke vertreten wir eine waschechte Ostfriesin.
Es gibt ein Seminarangebot, sehr wenig Schlaf und „Wer sich an Vertragsabschlüsse erinnert, war nicht dabei.“ HAPPY BÖRSE!
Kontakt: kolumne@zgo.de
Zur Person
Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.
Wär das Leben doch ein Wunschkonzert
Toi, toi, toi
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