Von wegen Pendlergemeinde  So verdient man in Ihlow seine Brötchen

| | 20.01.2023 15:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Unternehmen Landguth ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Ihlow - aber längst nicht der einzige. Foto: Landguth
Das Unternehmen Landguth ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Ihlow - aber längst nicht der einzige. Foto: Landguth
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Die Gemeinde Ihlow hat mehr zu bieten als lauschige Häuschen am Kanal. Sogar während der Pandemie ist die Wirtschaft gewachsen – und die Gemeinde will noch mehr.

Ihlow - Selbst wenn das beschauliche Ihlow mit seinen Wohnlagen an idyllischen Kanälen im Herzen eine Pendlergemeinde ist: Auch die ländliche Wirtschaft muss sich hier nicht verstecken. Und sie entwickelt sich. Vor allem der rege Lieferverkehr im Industriegebiet Riepe Leegmoor zeigt: hier tut sich was. Die Gemeinde ist momentan sogar dabei, es zu erweitern.

Was und warum

Darum geht es: Ihlow gilt als Pendlergemeinde – dabei tut sich auch bei den Arbeitgebern in der Gemeinde viel. Ein zweites Industriegebiet ist ebenfalls geplant.

Vor allem interessant für: alle, die in Ihlow nicht nur wohnen, sondern auch arbeiten wollen

Deshalb berichten wir: Ein Kollege hatte sich mit Ihlow als Pendlergemeinde beschäftigt, da wollten wir einmal wissen, was die dortige Wirtschaft zu bieten hat.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Insgesamt 5,5 Hektar landwirtschaftliche Fläche sollen hier für eine Erweiterung des Heimtiernahrungsproduzenten Landguth erschlossen werden. Das Unternehmen ist mit etwa 1200 Mitarbeitern bereits der größte Arbeitgeber der Gemeinde – und will weiter wachsen. „Gerade die Industrie in der Gemeinde hat sich trotz der Corona-Pandemie gut entwickelt“, sagt Arno Ulrichs, Bürgermeister der Gemeinde (parteilos).

Die Gewerbeeinnahmen explodieren

Die Gewerbeanmeldungen aus dem Jahr 2022 sprechen eine deutliche Sprache: Insgesamt 80 (63 in 2021) verzeichnete die Gemeinde. Ein großer Sprung nach oben. Die Abmeldungen fielen dagegen mit 51 gering aus und lagen deutlich unter dem Vorjahr mit 73 Abmeldungen. Das Resultat: Statt der erwarteten Gewerbesteuer von 8,1 Millionen Euro für das Jahr 2022 kamen im Jahresverlauf zwei Millionen dazu und die Gemeinde landete bei über 10 Millionen Euro. Auch die Gemeindeanteile aus der Einkommensteuer haben sich um 249.000 Euro auf 5.5 Millionen verbessert. Fazit: Nicht nur Landguth ist gut durch die Pandemie gekommen.

Auch der im gleichen Industriegebiet ansässige Hersteller von Tiefkühlfisch-Produkten Pickenpack Seafoods und der Hersteller von Stahlkonstruktionen Pilling sind „stabile Unternehmen“, wie Ulrichs betont. „Wir profitieren ganz klar von einer im Landkreis Aurich einmaligen Anbindung an die Autobahn 31“, so der Bürgermeister.

Neues Industriegebiet könnte 2025 kommen

Die Industrie soll sich weiter entwickeln. Ein neues Projekt der Gemeinde geisterte bereits während der Planung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen durch den Gemeinderat: das Industriegebiet Simonswolde zwischen der A 31 und der Oldersumer Straße. Bis zu 40 Hektar Gewerbefläche könnten hier entstehen, sagt Ulrichs. Die Planungen dafür stehen allerdings noch ganz am Anfang. „Die Planreife könnten wir bis Anfang 2025 erreichen, dann könnte bereits im Laufe des Jahres angefangen werden zu bauen.“

Die Verwaltung setzt vor allem auf die Ansiedlung neuer Firmen aus den Bereich der Erneuerbaren Energien. Ulrichs denkt dabei an Zulieferer für die Umsetzung der Energiewende durch den Ausbau der Offshore-Windkraft sowie den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur. Die Nutzung von Wasserstoff sei auch für Firmen in der Gemeinde selbst interessant. „Vor allem als Treibstoff für die Flotten“, so Ulrichs. Die Gemeinde bemühe sich deshalb ebenfalls um den Bau einer Wasserstofftankstelle.

74 Prozent der Fläche gehört der Landwirtschaft

Eine Konkurrenz des geplanten Industriegebietes in Simonswolde zu einem weiteren wirtschaftlich wichtigen Standbein, der Landwirtschaft, sieht Ulrichs nicht. „Für die Landwirtschaft sind diese Fläche nicht sehr interessant“, sagt er. Das geplante Industriegebiet könnte vor allem deshalb für grüne Energie-Unternehmen und deren Zulieferer interessant sein, „weil in Emden, wo sich solche Unternehmen bisher überwiegend angesiedelt haben, der Platz nicht unendlich verfügbar ist“, so Ulrichs.

Von der Fläche her ist die Landwirtschaft der größte Wirtschaftszweig mit gut 74 Prozent der 12.310 Hektar umfassenden Gemeindefläche. Bei der letzten Landwirtschaftszählung im Jahr 2020 wiesen die Zahlen des Landesamts für Statistik in Niedersachsen 149 landwirtschaftliche Betriebe in Ihlow aus. Hier ist ein anderer Trend erkennbar: Zwar stieg die landwirtschaftlich genutzte Fläche in zehn Jahren von 8705 Hektar (2010) auf 9066 Hektar (2020) – aber 26 Betriebe gaben in dieser Zeit auf. Dafür ist die Zahl der großen Betriebe zwischen 100 und 200 Hektar von einem auf fünf gestiegen.

Auch die Gemeinde ist ein Arbeitgeber

„Was man nicht vergessen darf“, sagt Ulrichs, „sind Unternehmen, die sich direkt an die Verbraucher wenden.“ Dazu zählt der Bürgermeister angestammte Fachgeschäfte wie den Land- und Gartengerätehersteller Birkoben in Ochtelbur und das Möbelhaus Frühling in Ostersander. „Solchen Unternehmen bieten wir als Gemeinde ebenfalls eine Plattform“, so Ulrichs. Besonders die jährlich zwei verkaufsoffenen Sonntage hätten sich bewährt. „Dabei wollen wir auch bleiben.“

Nicht zuletzt ist die Gemeinde selbst ein wichtiger Arbeitgeber. In der Verwaltung in Ihlowerfehn sind zwar nur 35 Menschen beschäftigt, mit den angeschlossenen gemeindlichen Einrichtungen wie dem Bauhof, den Kindertagesstätten und den Grundschulen kommt die Verwaltung aber auf mehr als 200 Arbeitsplätze.

Angst, dass Ihlow einmal ein Industriestandort wird, muss niemand haben. Trotz der Aussicht auf weitere Industrie im Grenzgebiet mit Moormerland und darüber hinaus, will sich die Gemeinde vor allem darauf besinnen, ein gefragter Wohnort zu bleiben. „Deshalb ist es wichtig, die Baugebiete, die Infrastruktur und die Kita-Versorgung weiterzuentwickeln“, sagt Ulrichs. Dass der Bedarf weiterhin da ist, zeigt sich im neuen Baugebiet in Riepe an der Fennenstraße. Dort sind trotz der hohen Grundstückskosten von 112 Euro pro Quadratmeter für die 42 dort geplanten Bauplätze bereits 63 Bewerbungen eingegangen. „Damit hätten viele bei den gestiegenen Bau- und Grundstückskosten nicht gerechnet“, so Ulrichs.

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