Sparkasse Leer-Wittmund Möhlenwarf, Loga, Esens: So will die Sparkasse mit den Standorten umgehen
Die Sparkasse Leer-Wittmund blickt auf ein anspruchsvolles Jahr zurück. Gleichzeitig will man die Zukunft gestalten.
Leer - Wenn jemand eine turbulente Woche hinter sich hat, dann die Sparkasse Leer-Wittmund. Nachdem am Montag der Geldautomat bei Multi Nord zerstört wurde, hieß es, schnell zu handeln.
Was und warum
Darum geht es: Die Sparkasse Leer-Wittmund legte die Bilanz vor. Dabei ging es um viele Themen aus dem Alltag des Instituts.
Vor allem interessant für: Kunden der Sparkasse
Deshalb berichten wir: Die Sparkasse lud zum Gespräch. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Bereits am Donnerstag wurde die Filiale an der Heisfelder Straße als SB-Standort wieder eröffnet. Eigentlich war man davon ausgegangen, es in dieser Woche nicht mehr zu schaffen. Entsprechend erleichtert wirkten der Vorstandsvorsitzende Carsten Rinne und sein Stellvertreter Ingo Fortkamp am Freitag bei der Vorstellung der Bilanz.
Das Jahr der Sparkasse
„Es war ein ungewöhnliches Jahr. Aber auch ein erfolgreiches Jahr“, so Rinne im Rückblick. Dabei könne man 2022 quasi zweiteilen. „Wir sind richtig gut gestartet. Bis Mai/Juni lief es“, fasst Ingo Fortkamp zusammen. Dann schlug der Krieg in der Ukraine durch. „Die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt ist beispielsweise in erheblichem Maß eingebrochen“, so Fortkamp.
Doch auch diejenigen, die schon ein Haus haben, haben Fragen. Dabei geht es meist um eine Anschlussfinanzierung in einer Zeit, in der alles teurer wird. Da beruhigte Fortkamp: „Wir befürchten keine größeren Probleme. Es wird aber wahrscheinlich so sein, dass man beim Zins mehr zahlen muss“, sagt er. Anders sieht das bei denjenigen aus, die nun bauen wollen. Die allgemeinen Preissteigerungen in Kombination mit den steigenden Zinsen könnten dafür sorgen, dass ein Leben in den eigenen vier Wänden immer unerschwinglicher wird. Dass das Eigenheim für viele ein Traum bleibt, sieht man bei der Sparkasse vor allem an einer Entwicklung.
Bausparvertrag ist zurück
Der Bausparvertrag ist zurück. Die Kunden haben Verträge mit einem Volumen von rund 99 Millionen Euro abgeschlossen. Das ist ein Wachstum von 34 Prozent. Hinzu kommt, dass die Sparkasse über 300 Millionen Euro an privaten Wohnungsbaukrediten vergeben hat. Ein Plus von 18,6 Prozent.
Doch auch in den eigenen Bestand investiert die Sparkasse. „Wir wollen bis 2023 klimaneutral sein und befinden uns auf einem guten Weg“, sagt Rinne. Am geplanten Sparkassen-Neubau in Loga kann man schon sehen, was die Sparkasse damit meint. „Hier bauen wir neu, aber kleiner“, erklärt er. Zudem sollen zwölf Wohnungen entstehen, die seniorengerecht sein werden. „Vielleicht werden so zwölf Einfamilienhäuser für junge Familien frei“, sagt er. Die Wohnungen würden auf neuestem Stand sein und so den Senioren eine ideale Alternative bieten. Aber Loga ist nicht die einzige Baustelle.
Bauen und modernisieren
Gleichzeitig passiert auch bei den Sparkassengebäuden in Westerholt, Möhlenwarf und Esens etwas. „In Westerholt werden wir die Fläche dem Bedarf anpassen. Aber Beratung und Service werden bleiben“, betont Rinne. Die Immobilie an sich wurde zudem verkauft. Man sei jetzt Mieter von dem Teil, den man noch bräuchte. Auch die Filiale in Esens wird bleiben, soll aber deutlich modernisiert werden.
Neben den besetzen Filialen verfügt die Sparkasse auch über zahlreiche Standorte, an denen ausschließlich Automaten stehen. Dazu gehörten auch die Standorte am Ems-Park und im Multi Nord. Klar ist nun: Der Standort Ems-Park wird gänzlich aufgegeben, der SB-Standort im Multi soll so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. Allerdings werde das noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da die Schäden doch beträchtlich seien. Auch sei noch nicht klar, wann Ersatzgeräte wieder verfügbar sind.
Bautätigkeit der Sparkasse
Eine große Baustelle ist derzeit in Möhlenwarf. Dort will die Sparkasse neu bauen. „Der Bauantrag ist gestellt“, sagt Fortkamp. Wann es genau losgeht, könne er allerdings nicht sagen. Dass in Möhlenwarf investiert werde, solle allerdings keine Auswirkungen auf die übrigen Rheiderländer Standorte haben. „Weener, Bunde und Jemgum sind wichtig. Es wird sich nichts ändern. Wenn, dann geht es um energetische Sanierungen“, betont Rinne. Einige Standorte befänden sich derzeit ohnehin in der Winterruhe.
„Es ist richtig, dass man Energie spart“, sagt der Vorsitzende. Das habe sich ausgezahlt. „Wir haben 24,9 Prozent Strom und 29,6 Prozent Gas eingespart“, sagt er. Dass es so viel ist, liege allerdings nicht nur an den winterlichen Schließungen, sondern auch daran, dass man generell an der Temperatur geschraubt habe. 19 Grad herrsche in den Büros. „Wir haben eine tolle Truppe. Alle haben mitgezogen und niemand hat sich beschwert“, sagt Ingo Fortkamp. Insgesamt 479 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Sparkasse. Und diese seien im vergangenen Jahr nicht untätig gewesen, was ein Blick auf die Zahlen zeigt.
Die Zahlen der Sparkasse
Unter dem Strich ist die Bilanz um fünf Prozent auf 2,92 Milliarden Euro gestiegen. An Unternehmen und Selbstständige richtete die Sparkasse im vergangenen Jahr 276 Millionen Euro an Krediten aus. Im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum um 13 Prozent. „Wir sind besonders stolz darauf, dass es Firmenkunden aus der Region sind“, sagt Rinne. Die Kreditbestände sind ebenfalls um zwölf Prozent auf nun rund 1,1 Milliarden Euro angestiegen. „Die Zahlen zeigen, dass unsere mittelständischen Kunden besser als erwartet durch die Krisen gekommen sind“, sagt Ingo Fortkamp. Gleichzeitig bemerke man eine Vorsicht bei den Unternehmen. Sie wollten das Geld erst einmal zusammenhalten. „Das ist auch vernünftig“, betont Carsten Rinne.
Auch im privaten Sektor war die Sparkasse aktiv. Hier wurden neue Kredite in Höhe von 46 Millionen Euro vergeben. Ein Plus von 23 Prozent. Der Trend der steigenden Kundeneinlagen reduzierte sich im Jahr 2022 erstmals wieder etwas. Die Einlagen wuchsen zwar um weitere 163 Millionen Euro auf ein Rekordhoch von knapp 2,38 Milliarden Euro an – mit einer Steigerung von 7,36 Prozent ist das jedoch im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlich geringeres Wachstum. Nun schaut man auf das Jahr 2023.
Ausblick auf dieses Jahr
„Trotz guter Zahlen haben wir einen etwas sorgenvollen Blick auf die Zukunft“, resümiert Carsten Rinne. Etliche Menschen wüssten schon heute nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Verfestige sich die Inflation und stiegen die Energiepreise noch weiter, würden viele in Schwierigkeiten kommen. Das gelte auch für Betriebe und Selbstständige.
„Am Ende des Tages muss die Politik weiterhin gezielt Entlastungen schaffen, die vor allem die Menschen und Betriebe erreichen, die durch den Preisauftrieb am stärksten betroffen sind“, sagt Fortkamp. Man wolle jedoch optimistisch bleiben und fühle sich für die Herausforderungen gut aufgestellt. „Es wird anspruchsvoll. Aber, wir kriegen das hin“, sagt Rinne. Und meint dabei seine Sparkasse in Kombination mit den Menschen und Betrieben der Region.