Berlin  Hoffnung für Demenz-Erkrankte: Forscher sehen Chance auf Heilung

Anneke Rieterken
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Von Anneke Rieterken
| 24.01.2023 15:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bei einer Demenzerkrankungen verlieren Betroffene nach und nach ihre kognitiven Fähigkeiten Foto: dpa/Sven Hoppe
Bei einer Demenzerkrankungen verlieren Betroffene nach und nach ihre kognitiven Fähigkeiten Foto: dpa/Sven Hoppe
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Mit einer zunehmend alternden Bevölkerung steigt auch die Zahl der Demenzerkrankungen weiter – Heilungschancen gibt es wegen der oftmals zu späten Diagnose kaum. Durch neue Untersuchungen könnte es jedoch bald möglich sein, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen.

Rund 1,8 Millionen Deutsche leben aktuellen Berechnungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge mit einer Demenzerkrankung. Und das ist erst der Anfang: Bis 2050 sollen angesichts der alternden Gesellschaft rund drei Millionen Menschen daran erkranken. Die am häufigsten vertretene Demenzform ist Alzheimer. Da Forscher noch genauer untersuchen müssen, welche schädlichen Prozesse im Gehirn von Alzheimer-Patienten ablaufen, konnten bisher kaum Therapiemöglichkeiten erarbeitet werden.

Im Januar 2023 wurde in den USA ein Alzheimer-Medikament zugelassen, das erstmals an den grundlegenden Mechanismen der Erkrankung, den Eiweißablagerungen, ansetzt. Noch ist jedoch unklar, wie erfolgreich das Medikament in der Praxis sein wird. Bisherige Studien, bei denen Ähnliches versucht wurde, führten zu keinem Erfolg.

Der Neurobiologe und Alzheimerforscher Mathias Jucker vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) setzt daher auf eine möglichst frühzeitige Erkennung und Behandlung von Alzheimer. Gemeinsam mit seinem Forschungsteam hat der Neurobiologe herausgefunden, dass die Prozesse der Nervenzell-Zerstörungen ab einem bestimmten Stadium der Erkrankung auch unabhängig von den Eiweißablagerungen ablaufen. Das geht aus einer Meldung des DZNE hervor.

Bisher war lediglich bekannt, dass bei einer Alzheimer-Erkrankung ein Zusammenhang zwischen Eiweißablagerungen und dem Nervenzell-Sterben besteht. Viele Versuche der Medikamentenentwicklung haben daher an der Reduzierung der Ablagerungen angesetzt. Die Wissenschaftler um Jucker haben nun jedoch herausgefunden, dass es einen Kipppunkt im Krankheitsverlauf gibt, ab dem die Nervenzell-Zerstörung voranschreitet, auch wenn die Eiweißablagerungen reduziert werden.

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Diese Erkenntnis könne den Forschern zufolge erklären, warum Medikamente, die im späteren Stadium einer Alzheimer-Erkrankung die Plaques reduzieren sollen, kaum Wirkung zeigen. Ihre Schlussfolgerung ist daher, dass die Reduzierung der Eiweißablagerungen schon viel früher im Krankheitsverlauf beginnen muss, damit die Therapie wirksam ist.

Jucker zeigt sich optimistisch, dass es schon in naher Zukunft möglich sein könnte, Eiweißablagerungen im Rahmen von Voruntersuchungen im Blut nachzuweisen und einer Alzheimer-Erkrankung dementsprechend frühzeitig mit einer geeigneten Therapie entgegenzuwirken.

Das Forschungsteam sieht gute Chancen, dass Alzheimer in der Zukunft eine heilbare Erkrankung sein wird.

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