Stadtentwicklung  Emder Festspielhaus – das ist der Stand der Arbeiten

| | 26.01.2023 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer und Oberbürgermeister Tim Kruithoff klärten über den aktuellen Baustand beim Festspielhaus auf.
Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer und Oberbürgermeister Tim Kruithoff klärten über den aktuellen Baustand beim Festspielhaus auf.
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Die Emder Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer klärte über die aktuelle Situation auf. Es gibt Verzögerungen, die auch Auswirkungen auf das Filmfest haben.

Emden - Das Emder Festspielhaus am Wall wird voraussichtlich erst zur Herbstsaison eröffnen. Das erklärt Kerstin Rogge-Mönchmeyer, Geschäftsführerin des städtischen Betriebs Kulturevents, bei einem Pressetermin vor Ort. Der im vergangenen Sommer angekündigte Starttermin im März sei nicht zu halten. Entsprechend müsste auch die Premiere des Theaterstücks zum Untergang des in Emden gebauten Frachters „Melanie Schulte“ verschoben werden. Auch das Internationale Filmfest Emden/Norderney, das vom 7. bis 14. Juni stattfinden soll, kann das Festspielhaus in diesem Jahr nicht als Spiel- und Austragungsort nutzen.

Das Neue Theater wird zum Festspielhaus am Wall umgebaut. Die Fertigstellung aber verzögert sich um ein paar Monate. Fotos: Hanssen
Das Neue Theater wird zum Festspielhaus am Wall umgebaut. Die Fertigstellung aber verzögert sich um ein paar Monate. Fotos: Hanssen

Mit Filmfest-Geschäftsführerin Nora Dreyer habe sie schon gesprochen, so Rogge-Mönchmeyer. Das Filmfest werde auf jeden Fall stattfinden, betonte auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) vor Ort. Gemeinsam werde man bis März eine Lösung finden, wo Filmfest-Eröffnung, Preisverleihungen und Filmvorführungen stattfinden können. Ab dann müssten nämlich die Programme feststehen und zeitnah mit allen Spielorten gedruckt werden. Es müsse beispielsweise geschaut werden, ob die Nordseehalle genutzt werden könnte. Dort beginnt am 4. Februar die Eiszeit. Vier Wochen später ziehen dann womöglich wieder Geflüchtete dort ein. Das sei nicht absehbar, so der Oberbürgermeister.

Die Treppe ist schon eingebaut. Auch sonst ist schon viel getan worden.
Die Treppe ist schon eingebaut. Auch sonst ist schon viel getan worden.

Glasflächen kommen nächste Woche

Bis zum Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine seien sie gut im Zeitplan gewesen, erklärt die Kultur-events-Chefin. Doch dann musste die Dachkonstruktion neu gedacht werden, weil Holzleimbinder, die das Dach tragen, nicht zu bekommen waren. Stahlträger vom Neuen Theater wurden revitalisiert, dadurch war die Traglast aber eine ganz andere. Weil im vergangenen Jahr die Industrie viel Gas sparen musste, wurde die Glasproduktion heruntergefahren. Das Foyer des Festspielhaues soll aber verglast sein. Der Lieferant sprang ab. Die Fassadentechnik-Firma habe sehr kurzfristig einen neuen finden können. Ab kommender Woche werde das Spezialglas nun per Kran in „Riesenflächen“ zwischen Gerüst und Fassade gesetzt, so Rogge-Mönchmeyer. Nach 14 Tagen sei die Fassade dann zu, sagt Architekt Peter Müller.

„Ständig haben sich die Bedingungen verändert“, so Rogge-Mönchmeyer. Die hauptsächlich regionalen Firmen hätten aber schnell und flexibel umplanen können. Auch sei bis Weihnachten und zwischen den Jahren durchgearbeitet worden – zum Teil mit einer Ölheizung. Dennoch hätten sich die Folgearbeiten im Foyer durch das Fehlen der Glasfassade nach hinten verschoben. Eine Fußbodenheizung und Estrich-Arbeiten müssen noch warten. Wenn alles abgeschlossen ist, müsse auch noch ein Prüfer das energetisch sanierte Gebäude abnehmen. Auf den muss man auch bis zu 16 Wochen warten.

In der kommenden Woche sollen die großen Glasflächen für die Fassade kommen.
In der kommenden Woche sollen die großen Glasflächen für die Fassade kommen.

Festspielhaus soll neue Maßstäbe setzen

Bislang ist das Festspielhaus noch voll eingerüstet, aber dennoch schon in der Grundform erkennbar. Durch die Säulen ähnelt es ein wenig einem Gebäude aus der Antike. Die Treppe laufen schon zu beiden Seiten des Foyers zum ersten Stockwerk hoch. Dort befindet sich auch der Technik-Turm. Der Saal ist komplett entkernt und wird später 600 Gäste fassen können. Als Sitzmöbel hat man sich für die breiteste Variante entschieden, so die Kulturevents-Chefin. Auch viel Beinfreiheit sollen Gäste haben können. Für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wird es oben und unten Plätze geben.

Noch stehen Gerüste vor der Bühne. Ab dem Herbst sollen im Saal aber viele Theaterstücke, Opern, Filme und anderes gezeigt werden.
Noch stehen Gerüste vor der Bühne. Ab dem Herbst sollen im Saal aber viele Theaterstücke, Opern, Filme und anderes gezeigt werden.

Auch soll man Möbel ausbauen können, damit sie eine flexible Platzwahl haben. Insgesamt soll das Haus barrierefrei sein - auch durch einen Fahrstuhl im Foyer. Mehr Toiletten, Möglichkeiten für Sektbars auch oben, flexible Nutzung der unterschiedlichen Räume wie Saal, Foyer, Garderobe: Das Haus soll modern, multifunktional und „schick“ werden. Mit der Möglichkeit für Tagungen, Filmvorführungen, Hochzeiten, Feiern oder die Oper sollen ganz unterschiedliche Personengruppen angesprochen werden.

Der hintere Bereich des Festspielhauses ist schon mit Holz verkleidet.
Der hintere Bereich des Festspielhauses ist schon mit Holz verkleidet.

„Das Festspielhaus wird über die Region hinaus neue Maßstäbe setzen“, sagt Tim Kruithoff. Bei der Akustik etwa werde man die modernsten Dolby-Atmo-Standards bedienen, die es bislang nur in Hamburg und anderen Großstädten gebe, so Kerstin Rogge-Mönchmeyer. Man sei froh, dass man trotz der widrigen Umstände schon so weit sei, betonen beide. Preislich sei das Bauvorhaben bislang noch im Rahmen. 4,7 Millionen Euro sind eingeplant. Aber: Einige Arbeiten müssen auch noch ausgeschrieben werden. Eine Verteuerung wäre möglich. Allein der Fahrstuhl koste plötzlich doppelt so viel. Das Glas sei ebenfalls teurer geworden.

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