Trotz Verzögerungen Freibad Borssum soll noch im Sommer eröffnen
Eigentlich hätten Emder schon ab Mai wieder im Bad ihre Bahnen ziehen sollen können. Aus mehreren Gründen ist der Termin nicht haltbar.
Emden - Es war ein ambitioniertes Vorhaben: Das Freibad Borssum sollte nach einer Generalüberholung schon zu Pfingsten eröffnen. Daraus wird aber nichts. Den aktuellen Stand erklärten Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) und Lydia Reimann vom Fachdienst Schule und Sport bei der Stadt Emden bei einer Ortsbegehung beim Festspielhaus am Wall. Beim Freibad will Kruithoff vorerst keinen Starttermin nennen. Aber: „Wir eröffnen auf jeden Fall in diesem Sommer.“
Man wolle kein Freibad „hinstellen“ lassen, das man nicht direkt testet. Notfalls öffne man nur für ein paar Wochen, um die Systeme und Abläufe einmal durchzuspielen. „Wir wollen den Druck weiter hochhalten, damit alle sachgerecht abliefern“, betont er. Dass es zu der Verzögerung kommt, hat auch damit zu tun, dass zuvor nicht fehlerfrei gearbeitet wurde.
Firma hatte Rohre fehlerhaft eingebaut
Zum einen war beim Rückbau der Becken deutlich geworden, dass die tatsächlichen Begebenheiten nicht mit den vorhandenen Zeichnungen übereinstimmten, so Lydia Reimann. Bei der Becken-Innen-Verrohrung hatte es einen teilweise fehlerhaften Einbau gegeben. Statt in die vorgegebenen Schlitze hatte die Fachfirma die Rohre an anderer Stelle montiert, erklärt Kruithoff. So hätten die Rohre aber nicht an die Außen-Verrohrung angeschlossen werden können. Weil es schon über längere Zeit zu kalt ist, um die Rohre richtig zu verlegen, ruhen die Arbeiten. Es werden für den verwendeten Kleber stabile Temperaturen zwischen fünf und sieben Grad gebraucht, so Reimann.
Durch die Verzögerung bei den Arbeiten hätten sich andere Schritte weiter nach hinten verschoben – etwa der Aufbau des Beckenbodens und die Verlegung der Folie, so Kruithoff. Es gebe aber im Schwimmbäder-Sanierungsbereich nicht so viele Fachfirmen. Die wenigen, die es gibt, kämen meist von sehr weit weg und hätten volle Kalender. „Viel Flexibilität gibt es hier nicht“, sagt er. Mitunter müsse man dann vier Wochen auf die nächsten Schritte warten. Wann die Rohre verlegt und die Folgearbeiten angegangen werden können, könne derzeit nicht fest terminiert werden.
Betreiberkonzept steht fest
Während im Außenbereich deswegen derzeit die Arbeiten ruhen, konnte beim Umkleide- und Sanitärgebäude schon einiges erledigt werden, so Reimann. Die Dachsanierung sei abgeschlossen. Die neue Raumaufteilung wurde erstellt. Auch Fenster und Türen wurden größtenteils schon eingebaut. Derzeit werde noch die Gestaltung der Fassade geplant, für die Bürgerinnen und Bürger über Vorschläge abstimmen konnten, sowie Elektro-, Heizungs- und Sanitärarbeiten durchgeführt. Für die Badewasser-Technik sei außerdem die Ausschreibung erfolgreich gewesen und die Arbeiten konnten schon beginnen.
Gemeinsam wurde bereits ein Betreiberkonzept zwischen der Stadt Emden als Eigentümerin des Bades, den städtischen Wirtschaftsbetrieben als Pächter, der GMF als Betriebsleitung sowie dem Förderverein Freibad Borssum, dem Stadtsportbund und dem Schwimmverein Neptun erstellt. Darin werde definiert, was wo untergebracht ist, wer welche Tätigkeiten ausführt, was der Verein Neptun braucht und anderes, so Kruithoff.
Friesentherme schließt dann auch erst später
Bislang soll alles im finanziellen Rahmen sein. Aber: Es sind noch nicht alle Arbeiten ausgeschrieben. Die Gesamtkosten für beauftragte Leistungen belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 3,6 Millionen Euro. Mehr als 1,8 Millionen Euro zahlt die Stadt selbst, der Rest kommt vom Bund.
Weil die Eröffnung sich nach hinten verschiebt, ist auch noch nicht klar, ab wann die Friesentherme schließen könnte. Denn: Weil die Personalnot bei der Bäderaufsicht so groß ist, hatte die Stadt schon früh angekündigt, dass die Friesentherme wohl schließen müsste, damit die dortigen Mitarbeiter im Freibad Borssum arbeiten können. Man sei parallel aber auch auf der Suche nach anderen Alternativen – etwa einer Kamera-Überwachung beziehungsweise Ertrinkungs-Erkennungs-Systemen wie der sogenannten „Angel Eyes“, die Bäder von oben „im Blick“ haben. „Vielleicht könnte man so etwas später nachrüsten“, sagt Kruithoff.
Im Februar vergangenen Jahres wurde die Baustelle beim Freibad eröffnet, nachdem die Anlage ab 2016 geschlossen war und zusehends verwilderte. Immer wieder gibt es Kritik, dass eine Stadt in der Größe Emdens drei Bäder haben soll. Die Stadt aber argumentiert unter anderem, dass der bevölkerungs- und kinderreiche Stadtteil Borssum dringend das Freibad braucht, um die Lebensqualität dort zu verbessern. Der Stadtteil soll durch ein Förderprogramm insgesamt in den nächsten Jahren aufgewertet werden.
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