Geschichte erlebbar machen  Emder Bunkermuseums-Team hält an Eröffnungstermin fest

| | 29.01.2023 12:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In dem Ladenlokal an der Großen Straße, das der Bunkermuseums-Trägerverein seit Oktober nutzt, werden häufig Gegenstände aus der Weltkriegs-Zeit abgegeben - etwa diese Holzkiste für Sand zum Löschen von Phosphorbomben und eine Wasserpumpe. Roswitha Franke (von links), Wolfram Heidrich und Marten Klose aus dem Vereinsvorstand sprachen über die Zukunft des Museums. Foto: Hanssen
In dem Ladenlokal an der Großen Straße, das der Bunkermuseums-Trägerverein seit Oktober nutzt, werden häufig Gegenstände aus der Weltkriegs-Zeit abgegeben - etwa diese Holzkiste für Sand zum Löschen von Phosphorbomben und eine Wasserpumpe. Roswitha Franke (von links), Wolfram Heidrich und Marten Klose aus dem Vereinsvorstand sprachen über die Zukunft des Museums. Foto: Hanssen
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Am 6. September soll der Weltkriegsbau wieder besucht werden können. Bis dahin ist der Dreh- und Angelpunkt der Laden an der Großen Straße. Dort ist schon ein Event geplant.

Emden - Das Emder Bunkermuseum soll am 6. September wieder eröffnen. Das betont der Vorstand des Trägervereins aktuell in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Demnach will der Verein voraussichtlich im März darüber entscheiden, ob der Bunker an der Holzsägerstraße für einen symbolischen Betrag von der Stadt übernommen werden soll, erklärt Vorsitzende Roswitha Franke. Der Bunker gehört der Stadt, nachdem der Bund ihn abgestoßen hatte. Der Verein hatte den Weltkriegsbau bislang gemietet. Sollte die Entscheidung für den Kauf getroffen werden, könnte es danach schnell gehen, sagt 2. Vorsitzender Wolfram Heidrich.

Was und warum

Darum geht es: einen wichtigen Teil der Museumslandschaft in Emden

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie Gäste der Stadt, die sich für Geschichte interessieren und für Frieden einsetzen

Deshalb berichten wir: Zuletzt war es ruhig um das Bunkermuseum geworden. Wir haben uns gefragt, wie weit die Pläne für die Wiedereröffnung sind und haben uns mit Vorstandsmitgliedern getroffen.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Dann nämlich könnten die Arbeiten unter anderem für die Außentreppe am Bunker, durch die die Brandschutz-Vorgaben erfüllt werden sollen und das Museum wieder öffnen können soll, ausgeschrieben und beauftragt werden können. Die Fördergelder - unter anderem 50.000 Euro vom Land und 350.000 Euro von der Stadt - könnten abgerufen werden. Auch wurden viele Spenden gesammelt. Zuletzt waren beim traditionellen Kaufmannsmahl 11.500 Euro gespendet worden. Wie viel der Treppenbau insgesamt kosten kann, ist noch nicht absehbar, so Heidrich. Vor der Pandemie hatte man mit etwa 650.000 Euro geplant.

Tonnenweise Beton müssen abgetragen werden

Der ehemalige Luftschutzbunker soll einen außenliegenden Treppenturm erhalten, der als Fluchtweg dienen soll. Die Pläne und die Baugenehmigung liegen vor. Demnach müssen in jedem der fünf Stockwerke Ausgänge zur Außentreppe geschaffen werden. Dafür soll die 1,10 Meter starke Stahlbeton mittels Wasserdruck an diesen Stellen aufgeschnitten werden.

Das Bunkermuseum ist schon seit mehr als zwei Jahren wegen Brandschutz-Mängeln geschlossen. Foto: Archiv
Das Bunkermuseum ist schon seit mehr als zwei Jahren wegen Brandschutz-Mängeln geschlossen. Foto: Archiv

In die 1,40 Meter starke Decke des Obergeschosses soll zudem eine Kuppel eingebaut werden, die sich im Brandfall öffnet und Rauch abziehen lässt. „Das sind insgesamt sieben Tonnen Stahlbeton, die rausgenommen werden müssen“, sagt Wolfram Heidrich. Hinzu kämen die Installation einer Brandmeldeanlage, einer Notbeleuchtung und weitere Dinge. Mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Monaten sei zu rechnen, sagt er. Die Arbeiten dürften Straßensperrungen nötig machen und spektakulär aussehen, meint Vorstandsmitglied und Museumssprecher Marten Klose. „Das ist schon ein bisschen mehr als ein Gartenhäuschen aufbauen“, sagt Heidrich. Die letzten großen Bunker-Baustellen hatte es am „Spitzdach“-Bunker am Falderndelft gegeben. Zuvor waren in Barenburg ein Weltkriegsbau zum Kulturbunker geworden und andere zu Wohnhäusern - etwa an der Rudolf-Breitscheid-Straße und an der Brückstraße.

Museum schon mehr als zwei Jahre zu

Das Datum der geplanten Wiedereröffnung ist nicht willkürlich gesetzt. An dem Tag 1944 erlebte die Seehafenstadt den größten Bombenhagel des 2. Weltkriegs und wurde fast vollständig zerstört. Der Verein will mit seinem Museum aufklären, ermahnen und wach halten. „Wir müssen ein Bewusstsein in der Gesellschaft entwickeln, um Stopp sagen zu können“, erklärt Vereinsvorsitzende Roswitha Franke. Dafür müsse man auch erkennen lernen, ab wann eine gesellschaftliche Entwicklung in die falsche Richtung gehe. Die Maßgabe des Vereins sei es klar, Geschichte erlebbar zu machen und die Wichtigkeit des Friedens zu betonen. Im Bunker könne man sich durch die bedrückende Atmosphäre, die Gerüche, die Möbel und Utensilien von damals in die schreckliche Situation zurückversetzen, in denen sich so viele Menschen in Emden tagelang während Bombenflügen befanden.

Im Bunkermuseum werden viele historische Möbel und Gegenstände ausgestellt, die einem einen Eindruck von der damaligen Zeit vermitteln. Foto: Bunkermuseum
Im Bunkermuseum werden viele historische Möbel und Gegenstände ausgestellt, die einem einen Eindruck von der damaligen Zeit vermitteln. Foto: Bunkermuseum

Hatten sie vor dem 24. Februar 2022 geglaubt, hauptsächlich die Erinnerung an den Weltkrieg zu bewahren, sei ihre Arbeit seit dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine anders und umso wichtiger geworden, meint auch Wolfram Heidrich. Der Krieg ist so nah wie nie. Das Interesse an dem Museum scheint auch ungebrochen. Obwohl das Emder Bunkermuseum nun schon seit mehr als zwei Jahren wegen Brandschutz-Mängeln geschlossen ist, seien in der Weihnachtszeit oft Leute zum Ladenlokal an der Großen Straße gekommen, in dem derzeit der Verein untergebracht ist. Auch am 11. Februar in der Zeit von 11 bis 14 Uhr können Interessierte das Geschäft besuchen, Fragen stellen und von eigenen Kriegserfahrungen berichten.

Treffpunkt an der Großen Straße „gutes Signal“

Durch den Treffpunkt an der Großen Straße habe man genau das richtige Signal zur richtigen Zeit gesandt, ist sich Marten Klose sicher. „Es gibt uns noch, wir sind auf dem Weg“, sagt auch Roswitha Franke. Wolfram Heidrich erinnert sich an berührende Gespräche im Laden, etwa ein Gespräch mit einem 95-jährigen Zeitzeugen, der im Krieg von Kopenhagen nach Emden lief. Roswitha Franke hebt hervor, dass im Laden ein neues Mitglied - Bernhard Honefeld - geworben wurde, das seitdem samstags mit einer Vereins-Spendendose durch Emden geht. Auch die Gymnasiastin Hannah Bauerle habe sich schon gemeldet, die gerne mit anpacken möchte, hebt Klose hervor. Junge Menschen anzusprechen und einzubinden, sei ihnen sehr wichtig. Und: Man müsse schon jetzt im Blick haben, dass man eine gute Mannschaft zusammen habe, sobald das Museum wieder öffnet. Derzeit hätten sie etwa 90 Mitglieder.

Marten Klose (von links), Wolfram Heidrich, Roswitha Franke und Dr. Rolf Uphoff stellten im vergangenen Jahr den Bunkermuseums-Treffpunkt an der Großen Straße vor. Foto: Müller/Archiv
Marten Klose (von links), Wolfram Heidrich, Roswitha Franke und Dr. Rolf Uphoff stellten im vergangenen Jahr den Bunkermuseums-Treffpunkt an der Großen Straße vor. Foto: Müller/Archiv

Immer wieder würden auch historische Gegenstände zu ihnen gebracht. Die Familie eines im Krieg gefallenen Soldaten habe erst aktuell den Nachlass des Mannes in ihre Obhut gegeben, sagt Klose. „Das zeigt, wie viel Vertrauen sie in das Museum haben und auch dass fest erwartet wird, dass wir bald wieder aufmachen“, sagt er. Eine Holzkiste, aus der zu Kriegszeiten Sand zum Löschen von Phosphorbomben geschaufelt wurde; ein Kristall-Leuchter, der in der Menso-Alting-Straße in Emden hing und den Krieg überlebte, Feldflaschen und anderes seien zuletzt zu ihnen gebracht worden, so Klose.

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