Selbstbestimmungsgesetz Das ist doch ein absolutes Unding
Das neue Selbstbestimmungsgesetz soll es Transmenschen erleichtern, beim Standesamt ihr Geschlecht zu ändern. Kritiker sehen das als Schlupfloch für Missbrauch – zu Unrecht.
Ein Outing bringt viel Unsicherheit mit sich – man macht sich angreifbar. Homophobie, Transfeindlichkeit und Ablehnung jedweder Art sind ein alltägliches Problem. Doch Transmenschen kämpfen nicht nur im Alltag mit Vorurteilen, auch auf dem Amt sind sie Schikanen ausgesetzt, bevor Name und Geschlecht geändert werden können. In einem modernen Staat ein Unding. Nun soll ebenjener langwierige Prozess für bisher diskriminierte Menschen zwar nicht abgeschafft, aber immerhin abgekürzt werden. Doch bevor das passiert, werden im Bundestag, auf Twitter und in vielen Verbänden völlig unbegründete Befürchtungen laut. Die seltsamste Argumentation gegen das Gesetz: Männer könnten sich im Amt kurzerhand das weibliche Geschlecht eintragen lassen, dann würden sie in eine Frauensauna marschieren und Übergriffe begehen.
Warum werden Transpersonen, die haufenweise Diskriminierung erfahren, in dieser Diskussion so oft zu potenziellen Tätern erklärt? Weil Menschen, die sich in ihrem angeborenen Geschlecht wohlfühlen, viel zu oft ihre Privilegien und das Leid vergessen, das Transmenschen erleben. Und sich Schreckensszenarien ausmalen, die vom Gesetzgeber mitgedacht und durch das künftige Gesetz mit dem Hausrecht ausgeschlossen werden sollen. Das zu formulieren liegt nun in den Händen der Ministerien.
Die Autorin erreichen Sie unter mantel@zgo.de