Reiseführer mit 111 Orten  Wie kinderfreundlich ist Ostfriesland?

Dorothee Hoppe
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Von Dorothee Hoppe
| 30.01.2023 15:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Energie-Erlebniszentrum (EEZ) in Aurich ist einer von 111 Orten für Kinder in Ostfriesland. Bettina Jansen (links) und ihre dreijährige Tochter Felia aus Aurich waren dort erst kürzlich zum Entdecken. Foto: Ortgies
Das Energie-Erlebniszentrum (EEZ) in Aurich ist einer von 111 Orten für Kinder in Ostfriesland. Bettina Jansen (links) und ihre dreijährige Tochter Felia aus Aurich waren dort erst kürzlich zum Entdecken. Foto: Ortgies
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„111 Orte für Kinder in Ostfriesland, die man gesehen haben muss“, verspricht ein Autorenpaar mit seinem Familien-Reiseführer. Ist Ostfriesland besonders kinderfreundlich?

Ostfriesland - „111 Orte für Kinder in Ostfriesland, die man gesehen haben muss“, so lautet der Titel eines etwas anderen Reiseführers. Der ist nämlich vor allem für Familien mit Kindern gedacht. Aber wie kommt man darauf, so ein Buch zu schreiben? Und ist Ostfriesland bei so vielen Orten besonders kinderfreundlich?

Meike Spanner und Stephan Hollich finden, das ist so. Deswegen haben sie die 111 Orte zusammengestellt. „Es war Stephans Idee“, sagt Spanner. „Er kennt sich in Ostfriesland perfekt aus, weil er dort 30 Jahre gewohnt hat.“ Sie habe ihn dann immer an den Wochenenden dort besucht. Die beiden sind nämlich ein Paar. Inzwischen wohnt keiner von ihnen mehr in Ostfriesland, sie fühlen sich aber immer noch mit der Gegend verbunden. „Meine vier Kinder sind dort geboren und aufgewachsen“, sagt Hollich. Die haben auch bei der Zusammenstellung der 111 Orte geholfen: „Ich habe meine Kinder gefragt, und ihre Freunde, was sie in Ostfriesland so am besten finden“, erzählt der Autor, der seit 2019 unter anderem auch in einer Kita arbeitet.

Auch Benny (12) und Clinton (11) aus Schortens haben Spaß im EEZ in Aurich. Foto: Ortgies
Auch Benny (12) und Clinton (11) aus Schortens haben Spaß im EEZ in Aurich. Foto: Ortgies

Noch viel mehr Ideen und einige Kriterien

„Wir hatten noch viel mehr Orte. Eigentlich könnten wir einen zweiten Band rausbringen“, meint Spanner und lacht. Bei den vielen Ideen für das Buch hatten sie auch bestimmte Kriterien. Diese mussten die Plätze erfüllen, um in das Buch aufgenommen zu werden. So sollten die Orte ein bisschen originell sein. „Das war gar nicht so einfach, da schon so viel touristisch erfasst ist“, erklärt Spanner. „Wir brauchten einen anderen Blickwinkel und mussten es aus Kinderaugen sehen.“ Außerdem sollten es nicht zu viele Museen werden, meint ihr Partner.

Ein wichtiger Fokus im Buch liegt zudem auf dem Natur- und Küstenschutz. „Es hat sich ergeben, dass das ein großer Teil wurde“, sagt Spanner. „Es war uns wichtig, Naturerlebnisse miteinzubringen und so das Naturverständnis zu fördern.“ Besonders toll fand sie zum Beispiel die Moorerlebnispfade „und alles, was mit Watt zu tun hat“, wirft die Autorin schmunzelnd ein. „Gerade, wenn mal nicht die Sonne scheint, sondern Nebel da ist, hat es etwas Verwunschenes“, findet Meike Spanner.

Meike Spanner (links) und Stephan Hollich haben zusammen das Buch geschrieben. Fotos: Hollich
Meike Spanner (links) und Stephan Hollich haben zusammen das Buch geschrieben. Fotos: Hollich

Erinnerungen an Kinderreaktionen

Bei der Recherche haben sie auch immer Kinder getroffen. „Die Reaktion war total lustig, als das Moor geblubbert hat und dann ein Kind meinte: ‚Da kommt gleich einer raus‘“, erinnert sich die Autorin. Die beiden waren nämlich selbst an fast allen der 111 Orte. Nur bei einem nicht: „Das Puppentheater fand in der Pandemie nicht statt. Sonst haben wir alles abgeklappert“, erklärt Spanner.

Das Buch ist im Jahr 2021 erschienen. Von der Idee bis zum fertigen Familienreiseführer hat es rund zwei Jahre gedauert, wie Hollich verrät. Er hat nicht nur die meisten Fotos selbst geschossen, sondern auch einige der Zeichnungen auf den Seiten gemalt. Ein neunjähriger Junge ist dem Autor noch gut im Gedächtnis geblieben. Sie trafen ihn in der alten Dampflok am Emder Bahnhof: „Er stellte fest, dass der Lokführer hier nur ein kleines Fenster hatte, um in Fahrtrichtung zu gucken. Er schaute nochmal in allen Ecken, ob es nicht doch irgendwo mehr Blick nach draußen gibt. Das war nicht der Fall. ‚Das war ja früher echt fast ein Blindflug‘, grübelte er.“

Ostfriesland hat viel für Kinder zu bieten

Dass es für Kinder hier viel zu sehen gibt, weiß auch Wiebke Leverenz von der Ostfriesland Tourismus GmbH. „Für Kinder gibt es unzählige Erlebnismöglichkeiten in Ostfriesland – für unterschiedliche Altersklassen, für unterschiedliche Interessen und bei jeder Wetterlage“, findet sie. Von verschiedenen Bädern, über Abenteuer-Spielplätze, Museen, bis hin zu Natur- und Tiererlebnissen, Kino, Lasertag und Mini-Golf, zählt die Tourismus-Sprecherin einiges auf. „Es müssen nicht immer Einrichtungen sein, sondern auch gemeinsame Erlebnisse: riesige Sandburgen am Strand bauen, eine Wattwanderung für Kinder oder eine gemeinsame Bootstour auf dem Kanal“, findet Leverenz.

Dabei weiß sie, worauf es ankommt: „Idealerweise laden die Attraktionen zum aktiven Erleben und Erkunden ein. Ansonsten kommt schnell Langeweile auf“, meint die Tourismus-Fachfrau. „Um das perfekte Angebot handelt es sich wohl dann, wenn Kinder und Erwachsene gleichermaßen glücklich gemacht werden“, vermutet Leverenz. Bei den Orten, die Meike Spanner und Stephan Hollich – teilweise mit den Kindern – besucht haben, scheint das zu stimmen. „Wir stehen hinter jedem der 111 Orte“, sagt Spanner.

Reiseführer für Urlauber und Einheimische

„Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Reiseführer insbesondere für einheimische Familien eine gute Quelle ist, um die nächsten Ausflugsziele zu planen und vielleicht Plätze zu entdecken, die man noch nicht kennt“, bewertet Leverenz die Idee des Autorenpaars. „Für Urlauber-Familien ist das sicherlich auch eine schöne Inspirationsquelle für einzelne Ziele in der Nähe des Urlaubsortes.“

Sie vermutet allerdings, dass alle 111 Orte in einem Urlaub eher nicht zu schaffen seien, da „Familien mit kleinen Kindern sicherlich nicht jeden Urlaubstag längere Strecken zurücklegen“. Sie glaubt: „Hier wird eher der jeweilige Urlaubsort mit seinen verschiedenen Erlebnismöglichkeiten erkundet – weniger die gesamte Urlaubsregion.“

Aber dann haben regelmäßige Ostfriesland-Urlauber vielleicht etwas Inspiration, auch mal eine andere Insel oder einen anderen Ort zu besuchen. So wird es auch für die Kinder nicht langweilig.

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