Wintervergnügen In Emden stehen alle Zeichen auf Eiszeit
An diesem Samstag geht die Eiszeit in der Emder Nordseehalle los. Vorher muss aber erst noch alles aufgebaut werden. Wir haben uns umgesehen. Einiges ist neu.
Emden - In kürzester Zeit wurde in der Emder Nordseehalle ein Winterdorf errichtet - und an der Eisfläche wird noch fleißig geschraubt. Am Montagmorgen hatten die Mitarbeiter der Potsdamer Eisbahn-Verleihfirma Icerink und des städtischen Betriebs Kulturevents auf der 25 mal 44 Meter breiten Fläche eine Isolierungsschicht aufgebracht. Die drei Zentimeter dicke Schicht sorgt dafür, dass die Kälte da bleibt, wo sie hin soll: im Eis. „Dadurch können wir bis zu 30 Prozent Energie einsparen“, sagt Icerink-Geschäftsführer Jörg George.
Am Dienstagvormittag waren die Männer damit beschäftigt, 22 Kilometer Rohre auf der Isolierschicht und einer Folie fertig zu verlegen und miteinander zu verschrauben. Gegen Nachmittag rechnet er damit, dass der erste Drucktest gemacht werden kann, so George. Die Rohre müssen dicht sein. Dann kommen erst die 7000 Liter Frostschutzmittel (Glykol) und Wasser in die Leitungen. Durch ein Kälte-Aggregat wird die Flüssigkeit auf bis zu -10 Grad runtergekühlt. Das Aggregat sei modern und entsprechend stromsparender, so George.
Ab Samstag geht das Wintervergnügen los
Wenn ab spätestens morgen früh das erste Wasser auf die Fläche gelassen wird, entsteht Stück für Stück die Eisfläche. Etwa ein Millimeter Eis pro Stunde „wächst“ auf den Rohren heran, erklärt der Experte. Nach 70 Stunden sind die angepeilten sieben Zentimeter Eisschicht erreicht. Am Samstag soll das Wintervergnügen starten. Ab 10 Uhr geht es los. Abends - zur feierlichen Eröffnung - spielt eine Liveband, erklärt Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer. Alle Bands der vergangenen Jahre hätten kurzfristig noch zugesagt. Immer donnerstags wird es somit wieder Livemusik geben können.
Es sei eine sehr sportliche Leistung von ihrem Team und der Firma gewesen, die Eiszeit so kurzfristig auf die Beine zu stellen, betont sie. Auch die Schaustellerfamilie Alberts habe sich „ein Bein ausgerissen“, damit das Winterdorf doch noch aufgebaut werden konnte. Eigentlich ist Anfang des Jahres die Zeit, in der die Schausteller ihren Jahresurlaub machen, erklärt sie. Patrick Alberts habe vieles aus dem Flugzeug in die USA aus managen müssen. Der Aufbau sei nun sogar optimiert: Auf der linken Seite der Eisfläche gibt es nun auch Eisstock-Schieß-Bereiche - und das direkt bei einem vergrößerten Party-Abschnitt mit mehr Sitzmöglichkeiten und einer anderen Bar. Und: Die Beleuchtung sei komplett auf LED umgestellt.
Schultermine sind schon fast alle ausgebucht
Um noch mehr Energie zu sparen und auch, weil es der Eisbahn zuträglich ist, wurden Belüftungssegmente an der Decke der Nordseehalle komplett ausgeschaltet. In den Anfangsjahren hatte man das nicht gemacht und damit teilweise die Eisschicht beschädigt, so Rogge-Mönchmeyer. Nur in den Bereichen, in denen man beim Wintervergnügen gemütlich beisammen sitzen wolle, werde nun noch geheizt. „Bei einer Wintersportart muss es ja auch kalt sein“, meint Jörg George.
Sofort nachdem Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) beim Neujahrsempfang im Stadtgarten erklärt hatte, dass die Eiszeit überraschend doch stattfinden würde, hätten ihre Telefone nicht mehr still gestanden, sagt Kerstin Rogge-Mönchmeyer. Die Vormittagstermine für Schulklassen seien fast alle bereits belegt - unter anderem 160 Kinder von Borkum kommen. Auch einige Eisstock-Mannschaften hätten sich schon gemeldet. Die Veranstaltung soll bis zum 5. März gehen.
Zuletzt wurde die Nordseehalle als Sammelunterkunft für Geflüchtete genutzt. Da der Stadt aber einige Wohnungen für die Ukrainer angeboten wurden und bis März wohl auch keine neuen Geflüchteten der Stadt zugewiesen werden, hatte man sich kurzfristig entschieden, doch die Eiszeit auszutragen. Das sei auch energiesparender als die Sammelunterkunft, die durchgehend über die Belüftungsanlage an der Decke beheizt werden musste. Das Equipment für die Unterkunft - also etwa die Zelte, Betten, Tische und Stellwände - wurde innerhalb kürzester Zeit eingelagert, so Rogge-Mönchmeyer. Tim Kruithoff erklärte beim Neujahrsempfang, dass eine erneute Nutzung der Halle als Unterkunft ab März möglich sein könnte.