Restaurant Fang in Rhauderfehn  Bußgeld für volle Teller auf dem Fehn

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 08.02.2023 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bei Tisch mahnt ein Aufkleber, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.
Bei Tisch mahnt ein Aufkleber, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.
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Ein Gastronom geht gegen Lebensmittelverschwendung vor. Wer zu viele Reste auf seinem Teller lässt, muss ein Bußgeld zahlen. Wie oft hat er schon abkassiert?

Rhauderfehn - Wer nicht aufisst, zahlt Bußgeld: Beim Asia Restaurant Fang in Westrhauderfehn hängt seit November letzten Jahres in einem Glaskasten direkt neben der Eingangstür ein Informationszettel für alle Gäste. Dabei geht es nicht nur um eine Preiserhöhung, sondern auch um ein Bußgeld. Wer seinen Teller nicht leer isst, wird bestraft. Nicht mit schlechtem Wetter, sondern mit bis zu 10 Euro, die neben dem regulären Preis fällig werden. Damit möchte Inhaber Da Fang Ye der zunehmenden Lebensmittelverschwendung in seinem Restaurant entgegenwirken.

Bei diesem Teller droht kein Bußgeld in Höhe von 10 Euro. Foto: Scherzer
Bei diesem Teller droht kein Bußgeld in Höhe von 10 Euro. Foto: Scherzer

Zusätzlich wurden alle Tische mit Aufklebern ausgestattet. In einem rot umrandeten Kreis zeigen sie mit rotem Balken durchgestrichene Messer und Gabeln. Dazu die Aufforderung: „Lieber öfter auftun als verschwenden. Bitte kein Essen verschwenden.“ Ye ließ sich gleich 500 Stück davon aus China schicken. „Im Monat werden hier ungefähr Lebensmittel im Wert von 3000 bis 4000 Euro verschwendet“, schätzt der Inhaber. „Draußen im Schuppen stehen drei Mülltonnen. Die Grünen sind für Lebensmittelreste vorgesehen. Sie fassen 360 Liter. Jede Woche sind sie voll.“ Ihr Inhalt werde dann von einer Firma entsorgt.

Was ist, wenn es nicht schmeckt?

Der größte Anteil an Lebensmittelverschwendung entstehe durch das Buffet, das neben Essen á la carte angeboten wird. Der Gast zahlt eine Pauschale von knapp 21 Euro und kann dafür so viel essen, wie er möchte. Das sorgte bereits seit der Eröffnung für Probleme. Auf den Tellern landeten stapelweise Fleisch, Fisch und Gemüse. „Wenn man einen vollen Teller aus dem Buffet holt, kurz probiert und es dann liegenlässt, das geht gar nicht“, findet der Gastronom. Im Laufe der Zeit habe es immer wieder Ärger rund um Lebensmittelreste gegeben. Bleibt zu viel auf dem Teller zurück, spricht der Chef persönlich mit den Gästen und versucht so, Verschwendungen zu vermeiden. Manchmal helfe das. Dann werde erst einmal gefragt, was mit dem Teller ist.

„Die Soße schmeckt einem nicht, das Fleisch ist nicht so, wie man es möchte. Das kann schon mal passieren, das ist dann unser Problem“, sagte der Inhaber verständnisvoll. Werde nur die Hälfte gegessen, bitte man höflich, beim nächsten Mal weniger zu holen. Dafür haben wiederum einige Gäste kein Verständnis. Sie hätten schließlich bezahlt und dürften auch Essen verschwenden.

Streit wegen zu vieler Törtchen

In einigen Fällen sei man im Streit auseinandergegangen. Wird es zu heftig, spricht Ye auch ein Hausverbot aus. Wie im Falle einer größeren Gesellschaft. „Eine Dame holte Torten vom Buffet. Sie hatte es stehengelassen. Ich bin hin zu ihr und habe gesagt: ‚Probieren Sie es doch einmal.‘ Sie wollte aber nicht“, erinnerte er sich. „Es gab richtig Streit. Ich habe für 45 Personen Hausverbot ausgesprochen. Und habe sie gefragt: ‚Essen Sie zuhause auch so?‘“

Zahlen und Fakten

2020 fielen laut Statistischem Bundesamt rund elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Zwei Prozent der Gesamtmenge (200.000 Tonnen) fallen bei der Produktion von Lebensmitteln an. Bei der Verarbeitung entstehen 15 Prozent (1,6 Mio. Tonnen). Im Handel sind es sieben Prozent (800.000 Tonnen) der Lebensmittelabfälle. Bei der Außer-Haus-Verpflegung werden 17 Prozent (1,9 Mio. Tonnen) verschwendet. Der Großteil der Abfälle entsteht mit 59 Prozent (6,5 Mio. Tonnen) in privaten Haushalten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) legte 2019 eine Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung vor. Ziel ist, die Verschwendung vom Feld bis zum Handel durch verpflichtende Maßnahmen zu reduzieren. Weniger Lebensmittel zu verschwenden, schont Ressourcen und trägt zum Klimaschutz bei. Die Idee, Strafgeld für Essensreste auf dem Teller zu nehmen, stammt nicht vom BMEL.

Einige Kunden seien respektlos. Die werden raus geschickt. Das komme öfter vor, daran habe man sich schon gewöhnt. Vom Tisch der 45-köpfigen Gesellschaft sei eine 50-Liter-Tüte voll mit Essensresten zurück geblieben. Mittlerweile zeigten die drohende Geldstrafe und die Aufkleber Wirkung. Es gebe auch Zuspruch. „Das lesen viele. Viele haben gesagt, es ist hervorragend. Sie finden es auch wichtig.“ Allein durch den Hinweis am Tisch bliebe schon weniger Essen auf den Tellern zurück. Das angedrohte Bußgeld wurde bisher nur zweimal in Rechnung gestellt.

Teller voll, Getränke leer

In einem Fall ließ sich ein Kunde viel Fisch braten, aß ihn aber nicht. „Ich habe 10 Euro zusätzlich berechnet und das Essen dann zum Mitnehmen eingepackt,“ so der Chef. Der Kunde sei trotzdem höflich geblieben. „Wir wollen auch, dass alle Kunden wiederkommen. Das ist nur ein Hinweis auf Verschwendung.“ Die Getränke seien übrigens immer leer, so die Beobachtung.

Die sind nicht im Buffet-Preis enthalten. Neben dem Problem der Lebensmittelverschwendung gebe es immer wieder auch Gäste, die ohne zu zahlen gehen. Eine aktuelle Anzeige wegen Zechprellerei liege der hiesigen Polizei vor. Man habe in diesem Fall noch nichts wieder gehört und auch keine Hoffnung auf Entschädigung.

Heimlich in Tupperdosen gepackt

Auch Lebensmitteldiebstahl sei nicht ungewöhnlich. Einer bringt vom Buffet volle Teller mit, der andere lässt heimlich das Essen in mitgebrachten Tupperdosen verschwinden. Wer dabei erwischt wird, bekomme eine Abmahnung. Beim zweiten Mal werde doppelt berechnet und angezeigt.

Da Fang Ye steht mit dem Problem der Lebensmittelverschwendung nicht alleine da. Auch das Asia Restaurant Meiwe in Leer bietet Buffet an und müsse in großen Mengen Lebensmittelreste entsorgen. Inhaberin Jianfen Zhan bekommt aus Rhauderfehn Unterstützung im Kampf gegen diese Verschwendung. Ye, den sie aus Bremen kennt, schickte ihr den Informationszettel zum Aushang und ein Paket Aufkleber. Bei Meiwe hängt der Zettel seit letztem Jahr aus. „Es ist schon viel besser geworden. Die 10 Euro für zu viele Reste auf dem Teller haben wir aber noch nicht in Rechnung gestellt. Wenn es zu viel ist, packen wir das Essen für sie ein und berechnen dafür 5 Euro“, berichtete Zhan. „Und bitten sie, das nächste Mal nicht mehr so viel zu nehmen, weil auch die Lebensmittel so teuer geworden sind.“

Die Tischaufkleber habe sie noch nicht angebracht.

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