Montréal, Kanada Kaffeekapseln klimafreundlicher als eine French Press? Das sagen Experten
Einweg-Kaffeekapseln haben einen schlechten Ruf, was die Umweltbilanz angeht. Kanadische Forscher haben genauer hingeschaut und sagen: French Press und Espressokännchen schaden dem Klima mehr. Experten äußern sich kritisch zur Studie.
Sie bestehen aus Aluminium und Plastik und nach einem Getränk wandern sie in den Müll: Kaffeekapseln gelten nicht als besonders umweltfreundlich. Ein Forscherteam der Universität Quebec in Kanada hält jetzt gegen diese Annahme. Im Vergleich zu anderen Zubereitungsarten sehen sie die Einwegkapseln in einer Studie CO2-technisch vorne. Eine Umweltexpertin ist anderer Meinung.
Die Wissenschaftler aus Kanada argumentieren mit der effizienten Arbeitsweise der Kapselmaschinen: Eine definierte Menge Kaffee trifft bei der Zubereitung auf eine exakt passende Menge Wasser und wird in einem vergleichsweise energiesparenden Prozess kombiniert.
Wer eine French Press nutze, wird den Forschern zufolge wahrscheinlich zu viel Wasser aufkochen und zu viel Kaffee verwenden. Bei einem Espressokocher auf der Herdplatte würde zu viel Energie verschwendet: Hier erhitze sich zunächst das Metall der Kanne, bevor der Kaffee überhaupt gebrüht werden könne. Zudem sei die Herdplatte größer als nötig.
Die Kanadier erklären zudem, dass der ganze Weg des Kaffees in die Berechnung der Umweltbilanz der Kapsel mit eingerechnet werden müsse. Sie sagen: Die meisten Emissionen entstehen auf den Plantagen und bei der Zubereitung zu Hause. Die Verpackung spiele eine kleinere Rolle.
Marieke Hoffmann, Expertin für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe, ist gegenüber der „Zeit“ anderer Meinung. „Die Grundannahme, dass Verbraucher immer zu viel Kaffee verwenden, wenn der nicht in einer Kapsel vordosiert wird, halte ich für unrealistisch“, so Hoffmann. Statt den in der Studie angenommenen 25 Gramm Filterkaffee hält sie 15 Gramm für eine passendere Angabe pro Tasse.
Das Müllproblem sieht sie ebenfalls nicht treffend eingeschätzt. Kaffeefilter und Kaffeesatz könne man kompostieren, die Kapseln aus Aluminium und Plastik hingegen nicht. Und obwohl die Kapseln theoretisch recyclebar sind, werde ein Großteil verbrannt, so Hoffmann. Weil das Material im Inneren nass sei, entstehe dabei auch kaum nutzbare Wärme.