Lebensmittel aus der Nähe Einkauf von regionalen Produkten wird leichter gemacht
Eine neue Online-Plattform bündelt Angebote von Direktvermarktern zwischen Emden und Papenburg. Bald soll es auch eine „Marktschwärmerei“ in Ostfriesland geben.
Ostfriesland - Honig, Eier, oder Steckrüben direkt vom Imker oder Hof: Der Einkauf von regionalen Erzeugnissen aus Ostfriesland soll bald einfacher werden. Mitte Februar geht eine neue Plattform online, die eine Übersicht über regionale Abokisten-Systeme, Wochenmärkte, Hofläden und -cafés, Milchtankstellen, Eierautomaten und ähnliche Angebote entlang der Ems zwischen Emden und Papenburg gibt, Sie soll stetig wachsen und weiterentwickelt werden.
Was und warum
Darum geht es: regionale Produkte aus der Landwirtschaft, deren Einkauf sowie deren Vermarktung
Vor allem interessant für: Verbraucherinnen und Verbraucher, die regionale Erzeugnisse bevorzugen, sowie Direktvermarkter oder die, die es noch werden wollen
Deshalb berichten wir: In der Region gibt es neue Projekte, die den Einkauf regionaler Erzeugnisse leichter machen. Wir haben mit den Initiatorinnen gesprochen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Initiiert haben dieses Projekt die Bildungsreferentin Wiebke Tuitjer und die Küchenmeisterin Renate Müller-Lücht von der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte Emsland (HÖB) in Papenburg. Beide starteten vor etwa zwei Jahren eine Offensive für regionale Produkte. In dem Anschlussprojekt „Regio-Marktplatz“ suchen sie jetzt nach neuen Wegen der Vermarktung. Gefördert wird dieses Vorhaben mit Geld von der Europäischen Union (EU). Diese Mittel kommen aus einem Topf für die nachhaltige Entwicklung in ländlichen Gebieten, „Leader-Region östlich der Ems“ genannt.
Die Plattform heißt „Emsglück“
Daraus leitet sich auch der Name für die neue Plattform im Internet ab. Sie heißt „Emsglück“. „Wir wollen damit eine Lücke schließen“, sagt Müller-Lücht. Denn eine Bündelung aller Angebote rund um Lebensmittel aus der Region gebe es bislang noch nicht. Die beiden Initiatorinnen haben in den vergangenen zwei Jahren schon eine Reihe von Anbietern gesammelt, sind aber auf der Suche nach weiteren Erzeugern und Direktvermarktern, die sich auf der Plattform präsentieren wollen.
Die beiden Frauen erhoffen sich laut Tuitjer davon auch „einen Motivationsschub für Landwirte oder andere Erzeuger, die noch überlegen oder vorsichtig sind, in die Direktvermarktung einzusteigen“. Den offiziellen Startschuss für die Plattform „Emsglück“ will die HÖB am 16. Februar bei einem Akademie-Abend in ihren Räumen in Papenburg geben.
„Marktschwärmerei“ kommt nach Leer
Die beiden Mitarbeiterinnen der Bildungsstätte haben weitere Pläne. Sie haben sich der europaweiten Initiative „Marktschwärmer“ (marktschwaermer.de) angeschlossen und wollen eine „Marktschwärmerei“ in Leer ins Leben rufen. Mit einer Kombination aus Online-Shop und Bauernmarkt bringt „Marktschwärmer“ Verbraucher und Erzeuger regionaler Lebensmittel auf einem neuen Weg zusammen. Die Kundinnen und Kunden bestellen und bezahlen online. Ihre Waren können sie dann einmal pro Woche bei einem kleinen Regionalmarkt - „Marktschwärmerei“ genannt - in der Nähe abholen.
„Marktschwärmer“ stellt die Online-Plattform zur Verfügung. Sie sei ein direkter und fairer Vertriebsweg für kleine Erzeugerinnen und Erzeuger, heißt es in einer Mitteilung dieses sozialen Unternehmens mit Sitz in Berlin. Zugleich werde Verbraucherinnen und Verbrauchern ein transparenter Zugang zu hochwertigen, regionalen Produkten sowie der direkte Kontakt zu den Erzeugerinnen und Erzeugern ermöglicht.
Im Mai soll‘s losgehen
Das Netzwerk ist dezentral organisiert. Es sorgt dafür, dass sich die lokalen Gemeinschaften ganz selbständig entwickeln können. Nach Angaben des Unternehmens gibt es in Deutschland 150 solcher „Marktschwärmereien“, weitere 25 sind im Aufbau. Mehr als 2500 Erzeugerinnen und Erzeuger gehören zum Netzwerk. Aktuelle zählt die Plattform mehr als 210.000 Nutzerinnen und Nutzer. Im vergangenen Jahr belegte „Marktschwärmer“ den ersten Platz des Bundespreises „Zu gut für die Tonne“ in der Kategorie Handel.
Die von Renate Müller-Lücht und Wiebke Tuitjer geplante „Marktschwärmerei“ soll als erste im Weser-Ems-Gebiet im Mai im Zollhaus in Leer an den Start gehen. Offizieller Auftakt soll dort am 5. Mai sein. Die Initiatorinnen suchen derzeit noch Landwirte, die Interesse daran haben, ihre Produkte online zu verkaufen und über den Pop-up-Markt zu vertreiben. Der Markt wird - Stand jetzt - donnerstags von 17 bis 19 Uhr öffnen.
Auch ein Direktvermarktertag ist geplant
Für den 9. März organisiert die HÖB den 2. Direktvermarktertag in der Mühle Neermoor. In der Zeit von 9 bis 12 Uhr soll es dort Vorträge sowie einen kleinen Markt geben, auf dem Leckereien aus der Region probiert und gekauft werden können.
Während der Corona-Pandemie habe die Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen einen Aufschwung erlebt, sagt Sabine Hoppe. Sie ist Beraterin für Direktvermarktung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg. Denn weil viele Kantinen und Mensen geschlossen und Homeoffice und Homeschooling angesagt waren, sei mehr zu Hause gekocht worden. Zudem hätten einige Verbraucher große Einkaufsstätten aus Angst vor einer Ansteckung gemieden.
Landwirtschaftskammer sieht gute Chancen
Mit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und den folgenden Preissteigerungen seien die Umsätze bei Direktvermarktern aber teilweise stark eingebrochen, weil Verbraucher vermehrt in Discountern einkauften, so Hoppe. Nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer haben sich die Umsätze von Direktvermarktern inzwischen wieder auf das Vor-Corona-Niveau eingependelt. „Genauere Aussagen wird man aber erst Ende 2023 machen können“, so die Expertin.
Grundsätzlich geht die Kammer von guten Chancen für direktvermarktende landwirtschaftliche Betriebe aus. Denn der fortschreitende Klimawandel und die politischen Ereignisse befeuerten das Thema Regionalität weiterhin und gäben guten Betrieben Raum für Entwicklungen.