Osnabrück Mehr junge Besucher: So erneuern sich die Osnabrücker Friedensgespräche
Vor allem für viele ältere Osnabrücker ist das Friedensgespräch ein fester Termin im Kalender. Nun erfindet sich das Format neu.
Ende Januar ist die Aula im Osnabrücker Schloss bis in die letzte Reihe gefüllt; Studentinnen sitzen hier zusammen, Senioren, die regelmäßig kommen, Menschen im mittleren Alter. Dabei sitzen heute keine Promis auf der Bühne, sondern drei Frauen, die aus eigener Anschauung und Expertise über die Lage im Iran berichten. Einen Abend lang machen sie den Kontrast zwischen norddeutschen Friedenszeiten, Gewalt im Iran und Leben im Exil fühlbar. Das Format – ein Erfolg. Wie repräsentativ ist dieser Abend? Wie verändert sich gerade die Ausrichtung der Friedensgespräche und welche Rolle spielen sie für Osnabrück?
Eine Frau, die über die Veranstaltungsreihe so viel weiß wie kaum eine andere, ist Prof. Martina Blasberg-Kuhnke. Die Theologin ist Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates der Friedensgespräche. Zwar wird das Format von Stadt und Universität getragen. Für die Programmgestaltung sei aber der Rat verantwortlich.
Im Gespräch betont Blasberg-Kuhnke, dass die Friedensgespräche ein traditionelles Format wissenschaftlichen Transfers seien. Also: Wissenschaftliche Inhalte werden hier für normale Bürger übersetzt und vermittelt. Die Reihe startete 1986 – damals noch im Osnabrücker Rathaus. Noch heute kommen Wissenschaftler, Politiker und Bürger dabei zusammen. Uni-Präsidentin Prof. Susanne Menzel-Riedl verweist darauf, dass die Friedensgespräche grundsätzlicher Ausdruck der Friedenskultur in der Stadt seien.
Seit mehr als einem Jahr wird das klassische, wissenschaftliche Friedensgespräch ergänzt um Themen mit besonders aktuellem Bezug – wie zuletzt den Termin zum Thema Iran. „Da kommt ein breiteres Publikum als bei manchen Themen, die länger vorbereitet sind”, sagt Blasberg-Kuhnke. „Wir haben ein Stammpublikum. Diese Menschen sind häufig friedensbewegt. Die schätzen wir sehr. Wir wünschen uns aber auch mehr Studierende, Angehörige der Hochschulen und der kritischen Öffentlichkeit.”
Letztere ziehe man mit den Ad-hoc-Formaten eher an, ergänzt Menzel-Riedl. Diese böten einen Kompass bei besonders aktuellen Themen. „Die Zukunft wird aus einer Mischung aus Ad-hoc-Themen und detaillierter vorbereiten Themen bestehen.” Das zweite Format habe sich aber nicht überholt.
Laut Universität variieren die Besucherzahlen. In der Regel nähmen 130 bis 200 Menschen teil, bei Großveranstaltungen seien es schon mal bis zu 800. Mittlerweile kann man sich die Gespräche im Nachhinein auch online ansehen. Hier seien die Zugriffszahlen drei- bis vierstellig.
Und was ist mit den großen Namen? Zum letzten Friedensjubiläum waren Henry Kissinger und Johannes Rau in Osnabrück. In den vergangenen Jahrzehnten kamen Bundespräsidenten, amtierende Minister, Kirchenvertreter. Im Programm für dieses Jahr finden sich dagegen vor allem Gesprächspartner mit ehemaligen Zuständigkeiten – Politiker a.D. „Die ganz wichtigen Promis für dieses Jahr haben sich oft auserbeten, nicht zu weit im Vorfeld kommuniziert zu werden. Da bitten wir um etwas Geduld”, sagt Blasberg-Kuhnke.
Finanziert wird das Format durch Stadt, Universität, das Unternehmen Sievert SE und einen Förderverein. „Im Schnitt kostet ein normales Friedensgespräch zwischen 3000 und 4000 Euro für Honorare, Reisekosten und Vorbereitung. Ab und an wird es teurer, wenn wir in die Osnabrückhalle gehen. Da geht es ohne die Mittel aus dem Förderverein nicht. Das kostet 8000 bis 10.000 Euro.” Der größte Posten sei allerdings die Zeit der Wissenschaftler, die sich ehrenamtlich einbrächten.