Klimapreis für Bauernhof Mehr Ventilatoren für Milchkühe – und eine größere Solaranlage
Klimaschutz kann sich rechnen, sagt ein Landwirt der Westrup-Koch Milch GbR, die einen Klimapreis gewonnen hat. Mit Kühen, die ihren CO2-Fußabdruck verkleinern, indem sie besonders viel Milch geben.
Bissendorf - Der Klimwandel beschäftigt Landwirte auf vielfältige Weise: Um ihren Milchkühen die sommerliche Hitze erträglicher zu machen, hat die Westrup-Koch Milch GbR in Bissendorf bei Osnabrück zuletzt die Zahl ihrer Ventilatoren im Stall um rund ein Drittel erhöht, wie Ulrich Westrup berichtet – und aus diesem Grund die Photovoltaikanlage vergrößert. Sie produziere eine Strommenge, die rechnerisch dem Verbrauch von rund 500 Haushalten entspreche, sagt Westrup. Ungefähr ein Viertel der Produktion nutze der landwirtschaftliche Betrieb.
Die Westrup-Koch Milch GbR ist im Dezember als bester Milcherzeuger des Jahres in Niedersachsen ausgezeichnet worden – mit der „Goldenen Olga“. Der Betrieb hat gleichzeitig den erstmals verliehenen Klima-Sonderpreis erhalten. Sind wirtschaftlicher Erfolg und Klimaschutz also miteinander vereinbar? Ulrich Westrup zufolge kann sich Klimaschutz rechnen.
Reste aus Biogasanlage werden in den Boden injiziert
Er erklärt das am Beispiel des Gärsubstrats, das in der betriebseigenen Biogasanlage übrigbleibt. Es werde güllegleich mit einem Spezialgerät in den Boden injiziert. Vereinfacht ausgedrückt, handelt sich um ein Tankfahrzeug, das eine Scheibenegge hinter sich herzieht. Jeweils zwei Scheiben öffnen den Boden ein Spalt weit, so der Landwirt – „damit das direkt reinfließt“. Diese Rinne werde anschließend wieder geschlossen. Soweit dadurch eine Verdunstung verhindert werden kann, geht weniger Gärsubstrat in die Luft, was nicht nur die Geruchtsbelästigung mindert „Wir sparen dadurch Dünger.“
Der Betrieb bei Osnabrück verfügt über 600 Milchkühe und 600 Tiere an weiblicher Nachzucht, wie der Landwirt erzählt. Bewirtschaftet werden demnach 720 Hektar, davon 145 Hektar Grünland. Kann das, was sein Betrieb macht, Vorbildcharakter für kleinere Milchbauernhöfe wie in Ostfriesland haben? Westrup sagt, dass Klimaschutz keine Frage der Betriebsgröße sei, aber individuell für jeden Betrieb konzipiert werden müsse. Und er relativiert die eigene Größe: In dem jetzt preisgekrönten Unternehmen hätten sich fünf Landwirte zusammengeschlossen. Damit seien es letztlich nur 120 Milchkühe pro Landwirt.
Landwirt Westrup: „Wir merken, dass wir an Grenzen kommen“
Seit rund zwölf Jahren beschäftige sich das Unternehmen mit Klimaschutz, sagt Westrup – und es fungiere als Versuchsbetrieb der Hochschule Osnabrück. In den vergangenen fünf Jahren habe das Thema eine „ganz große Bedeutung“ bekommen. „Wir arbeiten in der Natur und mit der Natur“, sagt er. „Und wir merken, dass wir an Grenzen kommen.“ Als Beispiel nennt er die Hitzeprobleme der Kühe, die zu den Ventilatorenkäufen geführt haben.
Bei der Produktion von einem Liter Milch entstehen bei Westrup-Koch 668 Gramm an Kohlenstoffdioxid-Äquivalenten, berichtet der Landwirt. Das sei deutlich besser als der Branchen-Durchschnitt, der bei 964 Gramm liege. Als „größten Hebel“, den CO2-Fußabdruck einer Milchkuh zu reduzieren, bezeichnet Westrup die Milchleistung. Da liege sein Betrieb bei rund 13.000 Litern pro Tier und Jahr. Das klimaschädliche Gas Methan, das in CO2-Äquivalente umgerechnet wird, stoße jede Kuh aus – fast egal, wie viel Milch sie gebe. Folglich sei die Klimabilanz seiner Tiere, die rund 35 Liter am Tag geben, weit besser als beispielsweise die Klimabilanz indischer Kühe, die nur auf zweieinhalb Liter kämen.
Weidehaltung versus Klimaschutz in der Milchproduktion?
Die Berechnung des CO2-Fußabdrucks hat laut Westrup ergeben, dass die große Milchmenge seiner Kühe die Kohlenstoffdioxid-Bilanz um 92 Gramm verbessere – dafür verschlechtere das Kraftfutter, das für diese Milchemenge erforderlich sei, die Bilanz um 14 Gramm. Beim Futter könnte es aus Sicht des Landwirts noch Möglichkeiten geben, die Klimabilanz zu verbessern. Nämlich dann, wenn es gelänge, das Futter so zusammenzustellen oder so zu ergänzen, dass die Tiere weniger Methan ausstoßen. Dazu werde geforscht.
Um 13 Gramm habe sich der CO2-Fußabdruck seiner Tiere dadurch verschlechtert, dass sie nicht auf der Weide gehalten würden, ergänzt Westrup. Die schnelle Ableitung der Gülle und ihre gasdichte Lagerung und Nutzung in der Biogasanlage sei jedoch nur aufgrund der Stallhaltung möglich – was die Klima-Bilanz wiederum um 88 Gramm an CO2-Äquivalenten verbessert habe. Die Gesellschaft müsse daher langfristig entscheiden: „Ist es wichtiger, dass Kühe auf der Weide sind? Oder ist es wichtiger, dass wir möglichst klimaschonend Milch produzieren?“
Strom für 1500 Haushalte, der aus Gülle und Mist entsteht
Die Biogasanlage arbeite übrigens zu 93 Prozent mit Gülle, Mist und Futterresten, sagt Westrup. Der Strom, den sie produziere, werde zu 100 Prozent ins Netz eingespeist. Damit könnten rund 1500 Haushalte versorgt werden. Und die Wärmeenergie aus der Anlage werde zur Warmwassererzeugung genutzt – genauso die Wärme, welche der Milch entzogen werde. Als kleinere Klimaschutzmaßnahme erwähnt Westrup die stromsparende LED-Beleuchtung, die in den Stall eingebaut worden sei.
Zur Berechnung der Klimabilanz hat der landwirtschaftliche Betrieb aufwändigere und weniger aufwändige Modelle ausprobiert, sagt Westrup. Die Ergebnisse hätten keine großen Unterschiede aufgewiesen. Folglich können aus seiner Sicht Verfahren angewandt werden, bei denen die Landwirte weniger Fragen beantworten müssen. Entscheidend ist aus Sicht von Ulrich Westrup: „Sobald ich anfange, zu messen, fange ich an, mir Gedanken zu machen.“ Und dann stelle sich die Frage: „Wie kann ich besser werden?“