Hamburg Leopard 1 für die Ukraine: Weder Schrotthaufen noch Heilsbringer
Die Bundesregierung hat die Lieferung von Leopard 1 Kampfpanzern aus Industriebeständen freigegeben. Und jetzt? Was der Panzer aus den Sechzigern der Ukraine bringt.
Die Bundesregierung hat es genehmigt: 29 Panzer vom Typ Leopard 1 wollen Rheinmetall und die Flensburger Fahrzeuggesellschaft den Ukrainern liefern. Der Panzer ist alt und bringt logistische Herausforderungen mit sich, aber er dürfte der Ukraine dennoch massiv helfen. Nach der Entscheidung, mit dem Leopard 2 überhaupt Kampfpanzer zu liefern, ist die heutige nur folgerichtig. Dennoch wurde eine Menge Zeit verschwendet, denn der genehmigte Exportantrag wurde bereits vor Monaten gestellt.
Dass der Leopard 1 technisch nicht auf dem neuesten Stand ist, ist kein Geheimnis. Als er neu war, waren Russland und die Ukraine noch beide Teil der Sowjetunion. Die Bundeswehr nutzt den Leopard 1 seit mittlerweile 20 Jahren nicht mehr. Der Nachfolger Leopard 2 hat mehr Durchschlagskraft, bessere Panzerung und einen stärkeren Motor.
Wie bei jedem für die Ukraine neuen Panzermodell dürfte die Wartung zum Problem werden: Ersatzteile, Personal – alles muss erst organisiert werden.
Zudem ist der Leopard 1 mit einem veralteten 105 Millimeter-Kaliber bewaffnet. Moderne Panzer agieren mit größeren Geschossen. Tatsächlich gibt es noch Munitionsvorräte. Brasilien hat etwa noch Reste, weil das südamerikanische Land den Leopard früher verwendet hat. Diese aufs Schlachtfeld zu bringen, könnte schwer werden. Brasilien sei ein friedliebendes Land, verkündet sein Präsident Lula Inacio da Silva und will die Selbstverteidigung der Ukraine nicht unterstützen.
Der Munitionsmangel ist ein Todesurteil in einer Materialschlacht wie dem russischen Angriff. Schon jetzt müssen Russland und die Ukraine sparsamer sein, als ihnen lieb ist. Russen und Ukrainer schießen trotzdem schneller, als nachproduziert werden kann. Zwar wittern zahlreiche Rüstungskonzerne auf der ganzen Welt bereits ihre Chance, mit der exotischen Munition ein bisschen Geld zu machen, doch die Fabriken sind ausgelastet.
Auch wenn der Leopard alt ist, ist er noch lange nicht nutzlos. Mit modernen Panzern kann er nicht mithalten und ist für die große Panzerschlacht ungeeignet. Er kann als schnelles, mobiles Fahrzeug kampfstarke Aufklärungsmissionen erfüllen, vorrückende Infanterie decken und Flanken sichern. Mit modernen Panzern kann er nicht mithalten, aber das muss er heutzutage auch nicht. Notfalls kann der Leopard 1 auch gegen ältere Panzer antreten, die die Russen noch immer in die Schlacht schicken.
Nicht zu unterschätzen: Wenn irgendjemand etwas mit den alten Panzern anfangen kann, dann sind es die Ukrainer. Aus dem Potpourri an Materiallieferungen des Westens holen die Ukrainer alles raus, was sie können. Seit fast einem Jahr wehrt sie eine der größten Armeen mit einer Kreativität ab, die reif für die Geschichtsbücher ist. Das klappt notfalls auch mit dem Leopard 1.