Neues Radkonzept fertig Übergangslösung kann Radfahrer in Wiesmoor verwirren
Das fertige neue Radkonzept für Wiesmoor muss letzte Hürden nehmen. Erste Schritte, die schon angegangen worden sind, können in einem Fall aber verwirren.
Wiesmoor - Das Radverkehrskonzept, das das Vareler Ingenieurbüro Roelcke & Schwerdhelm erarbeitet hat, ist nach Monaten der Vorarbeit fertig. Das bestätigte Geschäftsführer Fabian Roelcke auf Nachfrage. „Wir haben es an die Stadt geschickt, dort wird es jetzt durchgesehen und danach mit dem dazugehörigen Arbeitskreis und auch den politischen Gremien besprochen. Einige Beteiligungsschritte stehen noch aus.“ Ziel sei es, binnen des ersten Halbjahrs das Konzept von der Politik beschließen zu lassen, auf dass die im Konzept enthaltenen Vorschläge in die Umsetzung gelangen können.
Was und warum
Darum geht es: Offenbar unwissentlich fahren Radfahrer auf einem Gehweg in Wiesmoor oft deutlich zu schnell.
Vor allem interessant für: Wiesmoorer und alle, die auch an anderen Orten in Ostfriesland „Radfahrer frei“-Schildern begegnen
Deshalb berichten wir: Eine Anwohnerin hatte uns kontaktiert mit der Bitte zu informieren, weil aus ihrer Sicht viele Radfahrer ein Straßenschild nicht kennen. Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de
Ziel der Stadt, die das Konzept in Auftrag gegeben hatte, ist es, mehr Menschen in Wiesmoor aufs Rad zu bringen und so das Klima zu schonen. Zugleich will man dafür sorgen, dass Radfahrer sicherer, zum Teil auch komfortabler oder auf klüger gestalteten Routen durchs Stadtgebiet gelangen. Dazu sollen neue Ideen und Lösungen für die nicht ungefährlichen Zu- und Ausfahrten zu den Geschäften rund ums Kaufhaus Behrends gehören. „Wir haben konkrete Handlungsvorschläge erarbeitet, die wir für zielführend halten. Da wird es jetzt aber noch ins Gespräch mit den privaten Grundstückseignern gehen, die ihrerseits ja auch aktiv geworden sind, um die Situation zu verbessern“, sagt Roelcke.
Wenn Radfahrer Schilder nicht kennen
Ein Credo, das er schon früh kundgetan hatte, ist es, mehr Radverkehr auf die Straße zu verlagern. Das empfiehlt sich nicht an der Hauptstraße, die zugleich Bundesstraße 436 ist, angesichts der Verkehrsmassen, die täglich darüber rollen. Es ist aber ein Schritt, den die Stadt etwa am südlich davon gelegenen Amselweg schon begonnen hat anzugehen. Dort gibt es einen Geh- und Radweg, streckenweise auch auf beiden Seiten der Fahrbahn. Die Radwegschilder sind inzwischen allerdings verschwunden und ersetzt worden durch „Radfahrer frei“-Schilder.
Wie Anwohnerin Inge Münzberg beobachtet hat, sind sich zahlreiche Radfahrer dieser Änderung indes noch gar nicht bewusst. „Das Schild bedeutet ja, dass man als Radfahrer den Weg zwar benutzen darf, eigentlich aber nur in Schrittgeschwindigkeit“, sagt die Wiesmoorerin. „Daran hält sich kaum jemand. Bei uns fahren sehr viele Radfahrer, auch Touristen, entlang – und wenn ich mit ihnen gesprochen habe, haben ganz viele gesagt, dass sie die neue Regelung noch gar nicht bemerkt haben. Viele wussten auch nicht, was das Schild ,Radfahrer frei‘ bedeutet“, sagt sie. Gerade wochenends seien „Ströme von Radlern hier unterwegs“, sagt Münzberg. Das Schild, offiziell nennt es sich Zusatzzeichen 1022-10, besagt zudem, dass Radfahrer immer Rücksicht zu nehmen haben auf Fußgänger und dass diese weder gefährdet noch behindert werden dürfen. Quer durch Ostfriesland gibt es immer Geschichten, in denen Radfahrer in solchen Fällen etwa auf der Straße angehupt werden, wohin sie eigentlich gehören – oder normal weiter über Nebenanlagen fahren, auf denen sie durch „Radfahrer frei“-Schilder nach solchen Änderungen aber nur noch zu Gast sind, geduldet. Für Autofahrer wie Radler kann hier gelten: „Durch Unwissenheit gerät so manch einer in eine gefährliche Situation“, schreibt die Ergo-Versicherung zum Thema. Unwissenheit schützt hier im Zweifel auch vor Bußgeld nicht.
„Wichtig, dass hier informiert wird“
Nun ist der Versuch, mit dem Rad in Schrittgeschwindigkeit zu fahren, schon gleichgewichtshalber schwierig, wenn nicht riskant. „Da kippt man ja um“, sagte Harm Meinders (Bunde) im vorigen Jahr, der auf einen ähnlichen Fall in Bunde hingewiesen hatte. Auch er schilderte das Phänomen, dass Radfahrer nicht recht wüssten, was das Schild bedeutet – sich zudem nun aber sowohl auf der Straße wie auf dem Gehweg mit Duldung unerwünscht fühlten. Von Hupen, verständnislosen Autofahrern und allzu riskanten Situationen berichtet Münzberg nicht. Nun ist die Überraschung der Radfahrer am Amselweg in Wiesmoor insoweit verständlich, als sich das neue Verkehrskonzept dort gerade noch „im Übergang“ befindet, wie Roelcke es nennt. „Die Straße ist nicht breit genug, dass wir gesonderte Streifen für Radfahrer auf der Fahrbahn ausweisen könnten. Die Idee ist, die Verkehrsteilnehmer über Piktogramme darauf hinzuweisen, dass diese Straße auch für Radfahrer da ist und dass dieser Mischverkehr jetzt schon gewünscht ist. Es ist daher auch verständlich, dass Radfahrern noch nicht klar ist, dass sie auf der Fahrbahn willkommen sind.“
Die Straße zu nutzen solle hier auch Gefahren bei Fahrbahnwechseln entschärfen, wenn Radler von einer Nebenanlage zur anderen wechseln, weil eine eben kürzer ist als die andere. „Die Idee ist, die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße auf Tempo 30 zu senken, um die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen“, schildert der Ingenieur. „Für so eine verkehrsbehördliche Anweisung muss aber eine Gefahrenlage nachgewiesen sein und die Verkehrskommission aus Stadt, Polizei und Landkreis müssen entsprechenden Handlungsbedarf sehen“, erklärt er. Anwohnerin Münzberg sagt: „Mir geht es nicht darum, Radfahrer anzugreifen, die hier auf dem Gehweg fahren. Ich finde nur wichtig, dass hier auch informiert wird – denn bislang fehlt es da offenbar am Wissen. Und die Radfahrer müssen wissen, dass ihnen auf diese Weise ein Bußgeld drohen kann oder sie bei einem Unfall womöglich eine andere Haftungslage haben als gedacht.“