Prozessbeginn in Oldenburg 24-Jähriger würgt in Bad Zwischenahn zwei Mitpatientinnen
Weil seine tote Großmutter es ihm befohlen hat, soll ein 24-Jähriger versucht haben, zwei Frauen zu erwürgen. Jetzt steht er vor Gericht.
Bad Zwischenahn/Oldenburg - Wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen muss sich seit Dienstag ein 24-Jähriger in einem Sicherungsverfahren vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Der Mann aus Vechta soll versuchte haben, in der Karl-Jaspers-Klinik in Bad Zwischenahn zwei Mitpatientinnen zu erwürgen.
Ein Sicherungsverfahren, in dem er nur Beschuldigte gibt, zielt in der Regel auf die zeitlich unbegrenzte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie ab. Die droht dem 24-Jährigen, denn nach Ansicht der Staatsanwaltschaft stellt er ohne Behandlung und Genesung eine große Gefahr für die Allgemeinheit dar.
Der Beschuldigte hört Stimmen
Aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung soll der Mann zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sein. „Ein erkrankter Mensch handelt nicht schuldhaft“, erklärte am Dienstag der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann. Das Problem des Beschuldigten: Er hört Stimmen von Gott, dem Teufel und von seiner toten Oma.
Seine verstorbene Großmutter habe ihm befohlen, die Mitpatientinnen zu töten, sagte der 24-Jährige. Andernfalls werde sein Tod das endgültige Ende sein und er komme in die Hölle. „Ich wollte nach dem Tod aber nicht für immer tot sein.“
Befehl von der toten Großmutter
Also brachte er im Mai vergangenen Jahres in der Karl-Jaspers-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik eine Mitpatientin zu Boden und würgte sie, bis das Pflegepersonal einschritt. Wenig später schubste er eine zweite Mitpatientin aus dem Rollstuhl und würgte die Frau bis zur Bewusstlosigkeit. Auch in diesem Fall verhinderte das Personal Schlimmeres. „Greif sie an“, habe ihm seine Oma befohlen, sagte der Mann. „Das war ein Zeichen von Gott.“ Heute wisse er, dass der Befehl nichts mit der Wirklichkeit zu tun habe.
Die Situation damals erklärt er sich und dem Gericht mit seiner Psychose. Vor den Angriffen hatte der Beschuldigte seine Medikamente abgesetzt. Mittlerweile ist der 24-Jährige wieder medikamentös gut eingestellt. Deshalb konnte er dem Verfahren auch teilweise folgen. Früher will der Mann aus Vechta seine Erkrankung mit dem Konsum von Rauschgift bekämpft haben. Das habe die Sache aber noch viel schlimmer gemacht, so die Erkenntnis des 24-Jährigen.
Das Verfahren wird am 23. Februar mit einer Zeugenbefragung fortgesetzt.