Erfolglose Pächter-Suche  Stadt Wiesmoor will Campingplatz-Kiosk selbst betreiben

| | 08.02.2023 10:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Anita Blöchl, Leiterin des Camping- und Bungalowparks, und Jens Albers, Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste bei der Stadt Wiesmoor, im noch leeren Campingplatz-Kiosk. Foto: Böning
Anita Blöchl, Leiterin des Camping- und Bungalowparks, und Jens Albers, Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste bei der Stadt Wiesmoor, im noch leeren Campingplatz-Kiosk. Foto: Böning
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Nachdem die ehemaligen Pächter des Campingplatz-Kiosks nach zwei Saisons das Handtuch warfen, blieb die Suche nach Ersatz erfolglos. Jetzt springt die Stadt Wiesmoor selbst ein.

Wiesmoor - Knackige Kälte hat die Landschaft am Ottermeer in Wiesmoor verzaubert. Auch der Campingplatz liegt mit seinen 25 Winter- und 71 Dauercampern verträumt und ein wenig schläfrig in der grellen Morgensonne. Auf den 104 freien Plätzen glitzert der Raureif auf den Grashalmen. Anita Blöchl blinzelt gegen das Licht und schließt die Tür zum Campingplatz-Kiosk auf. Auch hier liegt alles im Winterschlaf – erst am 1. April soll der Betrieb wieder losgehen.

Was und warum

Darum geht es: Die Stadt Wiesmoor will den Campingplatz-Kiosk am Ottermeer jetzt selbst betreiben.

Vor allem interessant für: Ausflügler und Camper

Deshalb berichten wir: Die neue Saison steht bevor. Wir haben uns gefragt, wie es am Ottermeer weitergehen soll.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Bis dahin ist noch viel zu tun. Leere Regale stehen in der Mitte des Raumes, die leere Vitrine mit den Brötchenkörben könnte ein wenig Pep vertragen, der durchsichtige Spuckschutz trägt noch immer ein paar Fettflecke der letzten Saison. „Man sieht noch deutlich, dass es ein Imbiss war“, sagt die Leiterin des Camping- und Bungalowparks und lächelt. „Die Wände sind schon gestrichen und wir wollen den Verkaufsraum mit Augenmaß neu einrichten und schöner machen“, sagt Blöchl, die kritisch auf die weißen Blechregale schaut. „Hier wird sich noch ein bisschen was ändern.“

Erst einmal kein Imbissbetrieb

Eines ist schon jetzt klar: Der Imbiss am Ottermeer ist erst einmal Geschichte, denn für Sabaheta Slowik und Mahir Krasniqi, die den Kiosk die letzten zwei Saisons betrieben hatten, war der Aufwand zu groß geworden. Sie hatten nach der letzten Saison erklärt, den Kiosk nicht weiterzuführen. Beide betreiben ebenfalls den Strandkiosk am Ottermeer. Unter ihrer Führung gingen im Kiosk auf dem Zeltplatz um 6 Uhr die Vorbereitungen los und der Imbissbetrieb lief bis nach 20 Uhr durch. „Als es immer schwerer wurde, Mitarbeiter zu bekommen, standen die beiden fast allein da. Das war an zwei Standorten nicht mehr zu machen“, erklärt Blöchl.

Der Platz am Ottermeer ist das ganze Jahr über geöffnet und hat auch im Winter Fans. Foto: Böning
Der Platz am Ottermeer ist das ganze Jahr über geöffnet und hat auch im Winter Fans. Foto: Böning

Deshalb hatte die Stadt Wiesmoor bereits Ende 2022 nach Ersatz gesucht und Anfang Dezember schließlich mit drei interessierten Pächtern Gespräche geführt. „Die Gespräche waren gut, aber niemand wollte das Risiko auf sich nehmen und in das Saisongeschäft einsteigen“, erklärt Jens Albers, Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste bei der Stadt Wiesmoor. Außer dem Saisongeschäft seien auch die unbeständigen Lebensmittelpreise für den Betrieb des Kiosks eine große Herausforderung, fügt Blöchl hinzu.

Ein Team soll den Kiosk führen

Das Ende vom Lied ist, dass die Stadt Wiesmoor den Kiosk jetzt selbst betreiben will oder muss. Dazu soll sich ein Team von mindestens drei Leuten die Arbeit in Teilzeit aufteilen. Die Mitarbeiter werden bei der Luftkurort Wiesmoor Touristik GmbH, einer 100-prozentigen Tochterfirma der Stadt Wiesmoor, angestellt sein. „Eine Person wird die Fäden in der Hand halten und gemeinsam sollen sie schauen, was sie aus diesem Standort machen können“, sagt Blöchl. Denn eines stand von vornherein fest: Einen Campingplatz ohne Kiosk soll es in Wiesmoor nicht geben. „Blöchl: „Das können wir unseren Campern nicht antun.“

Was sich am Ende daraus entwickelt, sei vollkommen offen: „Wir wollen erst einmal mit einer Kernzeit von 8 bis 11 Uhr starten“, sagt Blöchl. Wie bisher soll es morgens frische Brötchen geben und die Gäste des Platzes können sich im Shop mit dem Nötigsten versorgen. Mini-Supermarkt nennt es Blöchl. Die Platzleiterin plant einen langsamen Start: „Das erste Jahr ist unser Testjahr, um die Abläufe zu verinnerlichen und gemeinsam Ideen zu entwickeln.“ Fünf Bewerber haben sich laut Blöchl bereits auf die Anzeige „Kioskmitarbeiter*innen befristet für die Saison 2023“ gemeldet. Eine Bewerberin habe sogar Interesse bekundet, perspektivisch wieder einen Imbissbetrieb einzurichten.

Erstmals wieder Osterfeuer

Die Stadt Wiesmoor möchte am Ende mit diesem Kiosk-Betrieb mindestens mit einer schwarzen Null dastehen. „Uns fallen die Pachteinnahmen weg und wir haben zusätzliche Kosten für Personal, den Betrieb und die Unterhaltung. Das wollen wir wieder reinbekommen“, sagt Albers. Dass der Kiosk auch bei den Einheimischen beliebt ist, zeigt die Anfrage einer Radfahrerin, die die Wintersonne für einen Ausflug ans Ottermeer nutzt. „Wir kommen hier gerne bei unseren Ausflügen ans Meer vorbei“, erklärte sie beim Wegfahren – nachdem sie sich davon vergewissert hatte, dass der Kiosk auf jeden Fall am 1. April wieder öffnen wird. Langsam wird die Zeit allerdings knapp. „In vier Wochen müssen wir mit den Vorbereitungen starten können“, sagt Blöchl. Die Saison endet am 31. Oktober.

Noch eine gute Nachricht: Nach 2019 soll es erstmals nach drei Jahren Pause wieder ein Osterfeuer am Campingplatz geben. „Das war immer gut besucht, deshalb soll es in diesem Jahr wieder losgehen“, sagt Jens Albers. Die von der Jugendfeuerwehr gesammelten Weihnachtsbäume sind bereits eingetroffen und warten auf den großen Tag. Gefeiert werden soll am Ostersamstag, 8. April, ab 17 Uhr. Es gibt ein Rahmenprogramm und alle Einrichtungen am Ottermeer werden in die Veranstaltung eingebunden“, sagt Albers. Dabei sein sollen auch die Betreiber des Cafés „Lüttje Haven“ am Ottermeer. Das neue Team des Kiosks wird ebenfalls mit anpacken.

Die Gemeinde Ihlow hatte übrigens ein ähnliches Problem wie die Wiesmoorer. Der Kiosk direkt am Ihler Meer wurde zunächst von den Betreibern der Gastronomie im Bürgerhaus als Imbiss betrieben. „Auf Dauer war der Aufwand allerdings zu groß, alles doppelt aufrecht zu halten und zusätzliches Personal für den Kiosk einzustellen“, erklärt Ulrich Kubatschek von der gemeindeeigenen Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow mbH. Inzwischen ist der zusätzliche Kiosk seit zehn Jahren geschlossen und zurückgebaut. Die Ihlower haben allerdings zwei Vorteile: An dem Kiosk am Ihler Meer hängt nicht die Versorgung eines Campingplatzes und bis zur Gastronomie sind es nur etwa 60 Meter mehr.

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