Berlin  „Knock at the Cabin“: Klima-Kleber als Horrorfilm?

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 07.02.2023 11:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Religiöser Killer in M. Night Shyamalans „Knock at the Cabin“: Leonard (Dave Bautista), Adriane (Abby Quinn) and Sabrina (Nikki Amuka-Bird) Foto: Universal
Religiöser Killer in M. Night Shyamalans „Knock at the Cabin“: Leonard (Dave Bautista), Adriane (Abby Quinn) and Sabrina (Nikki Amuka-Bird) Foto: Universal
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Darf man die Regeln brechen, wenn andernfalls die Welt untergeht? Das ist nicht nur die Frage der Klimakleber, sondern auch der Ausgangspunkt für M. Night Shyamalans Horrorfilm „Knock at the Cabin”.

Das Böse klopft an die Tür: Eben noch genießen Eric und Andrew den Naturausflug mit ihrer Tochter. Dann dringen vier Fremde ein, fesseln das schwule Paar und drohen: Sie gehen erst, wenn eines ihrer Opfer sich freiwillig töten lässt. Und zwar von einem seiner Verwandten. Der Belagerungshorror von M. Night Shyamalans „Knock at the Cabin“ folgt vertrauten Mustern; die Killer unterscheiden sich allerdings in einem entscheidenden Punkt: Sie wollen das Gute. Alle vier glauben an die bevorstehende Apokalypse, die nur ein blutiges Selbstopfer noch verhüten kann.

Entweder brechen wir das Gesetz – oder die Welt geht unter: Mit der Logik seiner Täter ist Regisseur M. Night Shyamalan verblüffend nah an den Straßenblockaden der Klima-Kleber. Alles, worüber wir gerade in der realen Debatte diskutieren, berührt dieser Film – bis hin zu den Katastrophenszenarien. Immer wieder zeigt „Knock at the Cabin” neue Nachrichtenbilder von Tsunamis und Überschwemmungen, von tödlichen Pandemien, Waldbränden und abstürzenden Passagiermaschinen.

Der deutsche Trailer zu „Knock at the Cabin“:

Der Horrorfilm entwickelt seine Fantasien aus der Realität – wenn auch mit der Sensibilität jener mittelalterlichen Mordwerkzeuge, mit denen die religiösen Fanatiker hier zuschlagen. Der realen Notwendigkeit, für das Klima Opfer zu bringen, entspricht im Film nicht weniger als der Suizid. Wo es in der Wirklichkeit um zivilen Ungehorsam geht, steht hier das Mordkomplott. Und die wissenschaftliche Debatte um die Klimakatastrophe wird auf einmal religiös. Normalerweise tun Horrorfilme mit ihren Bildern weh. Und auch hier ist das so. Noch schmerzhafter sind diesmal allerdings die Schrecken der Metapher.

Seit „The Sixth Sense” (1999) steht der Regisseur M. Night Shyamalan für ein Kino des Überraschungseffekts. Atemlos sitzt man also auch diesmal im Kino und wartet, wie der Regisseur seine provokative Geschichte wohl auflöst – und vor allem wie er aus seinen gewagten Analogien wieder herausfindet. Auf die Lektüre von Paul Tremblays Romanvorlage kann man sich dabei jedenfalls nicht verlassen. Ein Film von M. Night Shyamalan weicht davon selbstverständlich ab.

„Knock at the Cabin“. Regie: M. Night Shyamalan, Darsteller: Dave Bautista, Jonathan Groff, Ben Aldridge, Nikki Amuka-Bird, Kristen Cui, Abby Quinn, Rupert Grint. FSK ab 16 Jahren. Filmstart: 9. Februar 2023.

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