Berlin  „Menschen mit Uterus“ statt „Frauen“: Twitter-Nutzer regen sich über Pro Familia auf

Eva Dorothée Schmid
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Von Eva Dorothée Schmid
| 08.02.2023 14:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Frauen wollen nicht auf ihre Gebärmutter oder ihre Vagina reduziert werden - und stören sich an den Formulierungen „Menschen mit Uterus“ und „Menschen mit Vagina“, die Pro Familia im Zusammenhang mit Genitalverstümmelung verwendet. Foto: Imago Images/Panthermedia/Andrey Popov
Viele Frauen wollen nicht auf ihre Gebärmutter oder ihre Vagina reduziert werden - und stören sich an den Formulierungen „Menschen mit Uterus“ und „Menschen mit Vagina“, die Pro Familia im Zusammenhang mit Genitalverstümmelung verwendet. Foto: Imago Images/Panthermedia/Andrey Popov
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Der Pro Familia Bundesverband hat auf Twitter auf das Thema Genitalverstümmelung aufmerksam gemacht – und dabei von „Menschen mit Uterus“ statt von Frauen gesprochen. Dafür hat er sich entschuldigt. Es müsse „Menschen mit Vulva/Vagina“ heißen. Daraufhin hagelt es noch mehr Kritik.

Der 6. Februar ist der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmlung. Auf dieses wichtige Thema macht der Pro Familia Bundesverband via Twitter aufmerksam. Er zitierte dabei einen Satz von Beate Scharfenstein, die bei Pro Familia zu den Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung und Beschneidung (international auch FGM_C genannt) aufklärt und zeigte ein Bild dazu.

„Es handelt sich bei FGM_C um eine massive Verletzung der Menschenrechte von Frauen und Mädchen“, wird Scharfenstein zitiert. Auf dem Bild darunter ist zu lesen, das etwa 100.000 von Genitalverstümmelung betroffene Mädchen und Frauen aktuell in Deutschland leben. Und groß darunter: „Genitalverstümmelung oder -beschneidung bei Menschen mit Uterus ist eine Menschenrechtsverletzung!“

Daraufhin hagelt es von mehreren Nutzern Kritik an der Formulierung „Menschen mit Uterus“ statt „Frauen“. Ein Nutzer merkt an, dass Genitalverstümmelung nichts mit dem Uterus, also der Gebärmutter, zu tun hat:

Einen Tag später entschuldigt sich Pro Familia für die Formulierung „Menschen mit Uterus“: „Die Formulierung im Sharepic ist tatsächlich falsch und müsste heißen: Menschen mit Vulva/Vagina“, schreibt der Bundesverband. Es tue ihnen leid, so die Organisation weiter.

Mehr zum Thema: Trans Schauspieler Jonathan Perleth erklärt, warum es „Mensch mit Uterus“ heißt

Doch was dann von Pro Familia folgt, sorgt für noch mehr Empörung und einen Shitstorm: Die Organisation schreibt, dass sie in diesem Kontext nicht von Mädchen und Frauen sprechen wolle, weil es Personen mit Vulva/Vagina gebe, die sich nicht als Frau identifizierten.

Die rund 850 Kommentare auf den Entschuldigungs-Tweet sind fast alle kritisch. Eine Auswahl:

Bereits im August 2022 hatte ein Satz in einem Tweet von Pro Familia Bayern für Aufregung gesorgt. „Menschen mit Uterus sollten bei Menstruations-Apps also genau hinsehen“, schrieb die Organisation damals in einem Post, in dem es um mangelnden Datenschutz bei Zyklus-Apps geht. Auch damals hagelte es Protest.

Wir haben Pro Familia um eine Stellungnahme gebeten. Sprecherin Regine Wlassitschau sagt, man spreche „von Frauen, von schwangeren/gebärfähigen Menschen und immer öfter auch von Menschen mit Uterus. Letzteres, um zu zeigen, dass es oft nicht nur um cis Frauen, sondern auch trans*Männer, non-binäre oder intersex Personen geht.“ Man schließe diese Personen mit ein und trage dazu bei, dass sie weniger diskriminiert und gesellschaftlich akzeptierter würden.

Bei dem zweiten Twitter-Post um Genitalverstümmelung habe es sich nicht um eine Entschuldigung, sondern um eine Präzisierung gehandelt. Man habe „Menschen mit Uterus“ themenbezogen korrigiert in Menschen mit Vulva/Vagina, um präziser zu sein.

Es gebe viele Menschen, die eine gendersensible Sprache sehr befürworteten und benutzten – und es gebe Gegner, die dies teilweise heftig kritisieren. „Dies ist die gesellschaftliche Realität – und die Diskussion über Sprache und Diskriminierung muss weiter geführt werden“, so Wlassitschau.

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