Kursus in Aurich  Gesünder werden durch Lachyoga

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 09.02.2023 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Petra Frerichs fällt das Lachen leicht. Sie ist bereits das zweite Mal beim Lachyoga in Aurich dabei. Foto: Ortgies
Petra Frerichs fällt das Lachen leicht. Sie ist bereits das zweite Mal beim Lachyoga in Aurich dabei. Foto: Ortgies
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Lachyoga soll die Laune verbessern und Stresshormone abbauen. Sogar für therapeutische Zwecke wird es angewendet. Die Redaktion hat eine Kursstunde in Aurich besucht.

Aurich - Kurz ausgestoßene Vokale hallen laut durch die Cafeteria des Familienzentrums in Aurich. Die Stühle sind im hinteren Teil des langgezogenen verglasten Raumes zur Seite gerückt, draußen ist es bereits dunkel, es ist ein früher Abend unter der Woche. Auf der freigeschobenen Fläche stehen sieben Personen in einem Kreis. Immer kürzer und schneller werden ihre Laute, die sich schließlich in einem schallenden Gelächter entladen. Ein- bis zweimal im Monat wird im Auricher Familienzentrum Lachyoga angeboten.

Was und warum

Darum geht es: Regelmäßig werden in Aurich Kurse im Lachyoga angeboten. Den Teilnehmern erwartet dabei unterschiedliche Atem- und Stimmübungen, die sie zum Lachen anregen sollen.

Vor allem interessant für: Alle, die gerne Neues ausprobieren, Freude an Gruppenaktivitäten haben und sich zurück sehnen nach kindlicher Verspieltheit

Deshalb berichten wir: Die Redaktion wurde auf den Kursus in Aurich aufmerksam gemacht.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de

Lachyoga, auch Hasya Yoga oder Yogalachen genannt, ist eine Form des Yogas, bei der das grundlose Lachen im Vordergrund steht. Lachen stärkt das Immunsystem, reduziert Stresshormone und steigert die gute Laune. Außerdem wird das Herz-Kreislauf-System angeregt und die Muskulatur besser durchblutet. Die meisten Übungen im Lachyoga sind eine Kombination aus Klatsch-, Dehn- und Atemübungen, die zum Lachen anregen sollen.

In den Körper hineinfühlen

Mit imaginären Gymnastikbällen hüpfen die Teilnehmer im Auricher Familienzentrum durch den Raum, dann ziehen sie an Terrabändern, die sie sich ebenfalls nur vorstellen. Die Bewegungen werden mit lauten „Has“, „Hes“ und „Hos“ verbunden. Die Stimmübungen zu Beginn der Stunde sollen unter anderem die Stimmbänder lockern. Immer schneller und in immer kürzeren Abständen werden die Vokale gerufen, bis alle von diesen künstlichen Lachgeräuschen in ein gemeinsames, wirkliches Lachen fallen. Barbara Lindner-Bartlitz leitet an diesem Abend die Übungen an. Die 58-Jährige ließ sich erst im vergangenen Jahr zur Lachyogalehrerin ausbilden. Zuvor besuchte sie als Teilnehmerin Lachyogastunden während eines Reha-Aufenthalts. Vergangenen Sommer gründete sie mit Markus Schulte-Hötzel den Auricher Lachtreff, den „Lachclub in Ostfriesland“. Seitdem bieten die beiden ein bis zweimal im Monat ehrenamtlich Lachyogastunden im Auricher Familienzentrum an. Die Gruppe leiten sie im Wechsel. In der Regel kommen etwa fünf bis 15 Personen zu den Stunden.

Barbara Lindner-Bartlitz bietet seit vergangenem Jahr Kurse im Lachyoga an. Foto: Ortgies
Barbara Lindner-Bartlitz bietet seit vergangenem Jahr Kurse im Lachyoga an. Foto: Ortgies

Nach den ersten Stimmübungen setzen sich die Teilnehmer in einen Stuhlkreis. „Spürt ihr, wie euer Herz schlägt?“, fragt Lindner-Bartlitz mit ruhiger Stimme. Immer wieder sollen die Teilnehmer zwischen den Übungen zur Ruhe kommen, innehalten und spüren, wie sich ihre Körper anfühlen.

Sich selber loben

Die allermeisten Übungen werden im Stehen ausgeführt. Lindner-Bartlitz beginnt eine Übung, in die die Teilnehmer sofort einsteigen. „Wieder alles richtig gemacht“, sprechen sie laut. „Wieder alles richtig gemacht.“ Viele Male wiederholen sie diesen Satz, auf jedes Wort werden die Arme in einer anderen Position vom Körper gestreckt, dann vor der Brust gekreuzt, sodass die Hände schließlich auf den Schultern landen.

Markus Schulte-Hötzel gründete mit Barbara Lindner-Bartlitz den "Lachclub in Ostfriesland". Foto: Ortgies
Markus Schulte-Hötzel gründete mit Barbara Lindner-Bartlitz den "Lachclub in Ostfriesland". Foto: Ortgies

„Wir selber loben uns doch ganz selten“, sagt Lindner-Bartlitz. „Sich selber loben ist eine Übung, die fest im Lachyoga verankert ist“, erklärt sie. Es gehe darum, sich positiv zu konditionieren. „Wenn wir das künstlich machen, wirkt es auf uns genau so, als wenn wir es spontan tun.“ Die Ausschüttung der Endorphine funktioniere, wenn wir uns öfter sagten, „Ich habe das richtig gemacht.“ „Auch, wenn ich vielleicht noch nicht davon überzeugt bin, kommen die Effekte. Und wenn ich die Übung mit Bewegungen verbinde, funktioniert sie noch besser.“

Mit geschlossenen Augen lachen

Beim Lochyoga wird allerdings auch auf Zeit gelacht. Im Sitzen sollen die Teilnehmer eine Minute lang lachen. In der Mitte des Stuhlkreises dreht Barbara Lindner-Bartlitz eine große Sanduhr mit roten Sandkörnern um. Wie auf Knopfdruck lachen die Teilnehmer, manche lauter, andere leiser und verhaltener. Die Lachgeräusche verstärken sich jedoch, sobald einzelne Blicke sich kreuzen. Die Teilnehmer stecken sich gegenseitig an. Nach der Minute schließen alle ihre Augen und spüren wieder in sich hinein. Erneut wird die Sanduhr umgedreht. Nun soll mit geschlossenen Augen gelacht werden. „Wir sind ja eigentlich alle nach außen gerichtet in unserer Wahrnehmung. Von daher tut es gut, auch mal die Augen zu schließen und zu spüren, was innerlich beim Lachen los ist“, erklärt Lindner-Bartlitz im Anschluss. Die Übung leite sie nie zu Beginn einer Kursstunde an, sagt sie. Zuerst müsse gegenseitiges Vertrauen unter den Kursteilnehmern bestehen. „In dem Moment, in dem ich die Augen vertrauensvoll schließen kann, kann ich ganz anders in mich reinfühlen“, erklärt sie. Dann höre ich mein eigenes Lachen ganz anders und kann fühlen, wie weit es durch meinen Körper geht.“

Lachen steckt an: Barbara Lindner-Bartlitz beim Lachyoga in Aurich. Foto: Ortgies
Lachen steckt an: Barbara Lindner-Bartlitz beim Lachyoga in Aurich. Foto: Ortgies

Am liebsten würde sie vor und nach dem Lachyoga die Gesichter der Teilnehmer fotografieren, erzählt die 58-Jährige. Sie kämen aus verschiedenen Alltagssituationen, in denen sich häufig Spannungen aufbauen. Ich habe hier noch niemanden gesehen, der hinterher verkrampfter aussah als vorher“, sagt sie und lächelt. Lachyoga wird mittlerweile auch therapeutisch eingesetzt. Es findet Anwendung in Krebskliniken, aber auch bei depressiv vorbelasteten Menschen oder etwa in der Hospizarbeit.

Nicht alle können sich fallen lassen

„Man lacht im Alltag viel zu wenig. Das Lachen ist einem in der letzten Zeit vergangen“, sagt Petra Frerichs nach der Kursstunde. Die 53-Jährige ist das zweite Mal beim Lachyoga. Ihr fällt das Lachen leicht. „Wen ich in das lachende Gesicht meines Gegenübers gucke, dann lache ich ganz von alleine“, sagt sie. Auch Alida de Vries fiel es nicht schwer, sich fallen zu lassen. Für die 60-Jährige war es die erste Lachyogastunde. Sie habe an den Kursus keine Erwartungen gehabt, sagt sie. Sie sei offen an die Sache herangehen. „Es war eine nette Runde, da fiel es mir leicht, mich zu öffnen. Wenn man gerne lacht, dann ist man hier genau richtig“, sagt die Auricherin. Sie wolle auf jeden Fall wiederkommen. Heike Schmidtke war ebenso zum ersten Mal beim Lachyoga. Ihr seien die Übungen jedoch nicht so leicht gefallen wie ihren Mitstreiterinnen. „Ich konnte nicht so offen lachen wie die anderen. Ich hatte Schwierigkeiten damit, aus mir herauszukommen“, sagt die 57-Jährige nach dem Kurs.

Petra Frerichs erinnert sich daran, wie sie früher im Kinderzimmer mit ihrer Schwester gelacht hat, als die beiden eigentlich schlafen sollten. „Als unsere Mutter uns ermahnte, leise zu sein, mussten wir erst recht lachen. Das waren dann richtige Lachanfälle“, erzählt die 53-Jährige. „Wir sind in unserer Erziehung und in der Gesellschaft total konditioniert“, sagt Lindner-Bartlitz. „Wann lachen wir noch so richtig herzhaft? Wenn wir das tun, gucken wir schnell um uns herum und fragen uns, wie andere uns bewerten.“ Hier in der Lachgruppe wird niemand beurteilt.

Die nächste Lachyogastunde im Familienzentrum in Aurich ist am 21. Februar um 18 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos.

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