Essen  Aus für Billig-Fleisch im Kühlregal: Was Aldi bei Wurstwaren plant

afp, mma
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Von afp, mma
| 09.02.2023 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Aldi stellt sein Sortiment um und verbannt Billig-Fleisch auch aus dem Kühlregal. Worauf der Discounter künftig setzt und was das für Verbraucher bedeutet.

Weitreichende Änderung im Aldi-Sortiment: Nach Frischfleisch geht der Discounter den nächsten Schritt bei der Tierhaltung und will auch gekühlte Fleisch- und Wurstwaren vollständig auf die beiden höchsten Haltungsformen umstellen.

Bis 2030 will der Discounter diese Waren vollständig auf die Formen drei und vier umstellen, wie er am Donnerstag mitteilte. Aldi hatte die Umstellung bei Frischfleisch 2021 angekündigt, nun kommen verarbeitete Waren wie Salami und Würstchen hinzu.

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Fast die Hälfte des jährlichen Fleischkonsums entfalle auf Fleisch- und Wurstwaren, erklärte Aldi zur Begründung. Daher komme dem Absatz dieser Ware eine "große Bedeutung beim tierwohlgerechteren Umbau der Nutztierhaltung" zu. Die Neuerung gilt gleichermaßen für Aldi Süd wie Aldi Nord.

Vorgesehen ist dem Unternehmen zufolge ein Stufenplan, wonach Aldi bis 2025 vollständig auf Ware aus Haltungsform eins verzichten will – das bedeutet "Stallhaltung" und entspricht den gesetzlichen Mindeststandards in der Tierhaltung.

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Bis 2026 soll dann ein Drittel der Fleisch- und Wurstwaren aus Haltungsform drei und vier stammen, bis 2030 soll vollständig auf Ware aus den beiden höheren Haltungsformen umgestellt werden.

Bei diesen Haltungsformen handelt es sich um "Außenklima" und "Premium". Dabei sind mehr Platz für die Tiere, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten, Zugang zu frischer Luft sowie verbessertes Futter vorgesehen.

Greenpeace begrüßte, dass mit der Ankündigung durch Aldi Billig-Fleisch im Supermarkt nun "mehr und mehr zum Auslaufmodell wird". Billig-Fleisch auch in diesem Segment aus den Regalen zu nehmen, "bedeutet weniger Tierleid und mehr Schutz fürs Klima", erklärte die Umweltschutzorganisation. Für die Landwirte und Landwirtinnen bedeute dieser Schritt zudem mehr Planungssicherheit.

Auch beim Frischfleisch soll die stufenweise Umstellung auf die höheren Haltungsformen bis 2030 abgeschlossen sein. Bei der Ankündigung hatte unter anderem der Bauernverband zu bedenken gegeben, dass es sich bei den Haltungsstufen drei und vier noch um Marktnischen handle.

Wenn das Angebot in diesem Segment weiterentwickelt werden solle, seien in der Tierhaltung massive Investitionen und langfristige und verlässliche Liefervereinbarungen erforderlich, hieß es damals.

Und was macht die Aldi-Konkurrenz? Zuletzt hatte Discounter Lidl angekündigt, bis 2025 in seinen Märkten den Anteil an Fleischprodukten zurückfahren und stattdessen mehr pflanzenbasierte Produkte anbieten. Bei Fleischprodukten solle künftig mehr auf das Tierwohl geachtet werden, Nutri Score und Haltungsformlabel sollten dabei helfen. Letztlich müsse das Fleisch jedoch weniger werden, ein Wandel sei „alternativlos“, sagte Chefeinkäufer Christoph Graf gegenüber der „Lebensmittelzeitung“. Bundesernährungsminister Cem Özdemir (Grüne) hat angekündigte Umstellungen im Handel hin zu Fleischwaren aus besserer Tierhaltung und mehr pflanzlichen Produkten begrüßt. Der Fleischkonsum sinke beständig, gleichzeitig wollten Verbraucherinnen und Verbraucher, dass Tiere besser gehalten werden, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag. „Darauf zu reagieren, ist Marktwirtschaft, nix anderes.“

Özdemir sagte, der Lebensmitteleinzelhandel sende ein wichtiges Signal an die Landwirtinnen und Landwirte, dass die Nachfrage nach Produkten aus tiergerechterer Haltung steige und sich damit Geld verdienen lasse. Dies gebe heimischen Höfen eine planungssichere Perspektive. Der Markt verändere sich. „Wer jetzt so tut, als könne alles so bleiben, wie es ist, setzt die Tierhaltung in Deutschland, viele Höfe, an denen Familien hängen, aufs Spiel.“

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