Berlin  Trans Schauspieler Perleth: Wieso das Wort „Mensch mit Uterus“ sinnvoll ist

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 14.02.2023 08:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Anneke Kim Sarnau, Jonathan Perleth und Lina Beckmann im Rostocker „Polizeiruf 110: Daniel A.“ Foto: Christine Schröder/NDR
Anneke Kim Sarnau, Jonathan Perleth und Lina Beckmann im Rostocker „Polizeiruf 110: Daniel A.“ Foto: Christine Schröder/NDR
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Für das Wort „Menschen mit Uterus“ ist Pro Familia gerade heftig beschimpft worden. Jonathan Perleth findet es sinnvoll: Der Schauspieler aus dem Rostocker „Polizeiruf“ ist eine trans Person und erklärt die Gründe der geschlechtergerechten Sprache.

Wo gegendert wird, ist die Polemik nicht fern. Schon das Sternchen und seine gesprochene Version, der Glottisschlag, stehen unter erhöhtem Rechtfertigungsdruck. Und als Pro Familia kürzlich statt von Frauen von „Menschen mit Uterus“ bzw. von „Menschen mit Vulva/Vagina“ sprach, ergoss sich eine Flut an Beschimpfungen über den Verband.

Dabei soll die Formulierung eigentlich nur sensibel machen. Denn zwar die allermeisten, aber eben nicht alle Menschen mit Vagina sind eine Frau. Und andersrum hat nicht jede Frau eine Vagina – bei trans Personen kann es schließlich andersrum sein. Doch auch wer geschlechtergerechte Sprache deshalb sinnvoll findet, kann ins Straucheln kommen.

Wie sagt man es also richtig? Wir haben einen gefragt, der es wissen muss: Jonathan Perleth. Der Schauspieler ist im Rostocker „Polizeiruf 110: Daniel A.“ (ARD, 19. Februar 2013, 20.15 Uhr) nicht nur als trans Mann zu sehen – er ist wirklich einer. Beim Interview über den Krimi haben wir ihn auch zur Gender-Sprache befragt.

Frage: Herr Perleth, die Pressemitteilung zum „Polizeiruf“ weist darauf hin, dass das Wort „trans“ auf Ihren Wunsch als Adjektiv verwendet wird, also „trans Darsteller“ und nicht „Trans-Darsteller“. Warum ist das wichtig?

Antwort: Es ist einfach ein Adjektiv. Das war‘s auch schon. (Lacht.)

Frage: Noch so eine Frage: Welches Wort ist besser – Transsexualität oder trans Identität?

Antwort: Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Im Deutschen taucht das Wort „transsexuell“ oft in psychiatrischen, pathologisierenden Kontexten auf, in Schriften, die Trans-Sein als Krankheit abstempeln. Und natürlich hat eine Identität als trans Person nichts mit sexueller Orientierung zu tun.

Antwort: Gleichzeitig gibt es viele ältere trans Personen, die den Begriff immer gebraucht haben und beibehalten wollen. Und junge, die ihn sich bewusst wieder aneignen. Ich benutze den Begriff Transsexualität nicht und ich wäre auch vorsichtig damit, ihn für andere zu gebrauchen.

Frage: Eine letzte sprachliche Debatte rankt sich um das Wort „Frau“, das manche durch „Mensch mit Gebärmutter“ oder „menstruierende Person“ ersetzen wollen. Ist das sinnvoll oder umständlich?

Antwort: Ich finde es sehr sinnvoll, präzise zu sagen, wovon man spricht. Es ist aber ein Trugschluss, dass „Frauen“ und „menstruierende Person“ gleichgesetzt werden sollen. Im Gegenteil. Es geht auch nicht darum, das Wort „Frau“ nicht mehr zu benutzen. Wenn man über die Menstruation spricht, sind bestimmte Frauen nicht betroffen – zum Beispiel, weil sie die Wechseljahre hinter sich haben oder weil sie trans Frauen sind. Und es gibt Menschen, die menstruieren, aber keine Frauen sind – trans Männer zum Beispiel. Genauso haben nicht alle Frauen eine Gebärmutter – zum Beispiel, weil sie sie durch eine Krankheit verloren haben, und nicht alle Menschen mit Gebärmutter sind Frauen.

Antwort: Und wenn man von „Frauen“ spricht, gehören da trans Frauen eben auch dazu. Wenn dann gesagt wird: Für „Menschen mit Gebärmutter“ gibt es ein Wort und das lautet „Frau“, ist das einfach falsch und kann verletzten. Und zwar nicht nur trans Personen. Da wundere ich mich manchmal auch über die mangelnde Solidarität unter cis Frauen. Es soll nicht der eine Begriff abgeschafft und durch einen neuen ersetzt werden. Es geht nur darum, präzise auszudrücken, worüber man gerade spricht.

Hier können Sie in den Trailer zum „Polizeiruf 110: Daniel A.“ reingucken:

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