Hannover  Hundekot-Attacke: Abscheulich, aber es gibt auch die andere Seite

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 16.02.2023 14:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Marco Goecke, Ballettdirektor der Staatsoper Hannover, steht im Foyer der Staatsoper. Goecke ist nach einer Hundekot-Attacke auf eine Journalistin gefeuert worden. Er erhielt auch ein Hausverbot. Foto: Christophe Gateau/dpa
Marco Goecke, Ballettdirektor der Staatsoper Hannover, steht im Foyer der Staatsoper. Goecke ist nach einer Hundekot-Attacke auf eine Journalistin gefeuert worden. Er erhielt auch ein Hausverbot. Foto: Christophe Gateau/dpa
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Die Hundekot-Attacke von Ballettdirektor Marco Goecke in der Staatsoper Hannover war widerlich. Sie hat aber auch eine Vorgeschichte. Das rechtfertigt den Ekel-Angriff nicht, sollte aber eine Debatte über das Miteinander anstoßen. Ein Kommentar.

Mit vielen Künstlern, insbesondere den erfolgreichen, ist das zuweilen ja so eine Sache: Sie leisten Großartiges, werden umjubelt und gefeiert, sind aber häufig auch verletzlich und können mit harscher Kritik nicht immer gut umgehen.

Der Ballettdirektor der Staatsoper Hannover, Marco Goecke, hat sich die teils scharfzüngigen Rezensionen einer Journalistin offenbar so sehr zu Herzen genommen, dass er sich mit einer Tat rächte, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten ist: Der Star-Choreograf pöbelte die Kritikerin in der Oper nicht nur an, sondern zog einen Beutel mit Hundekot aus seiner Jackentasche, drehte die Tüte um und schmierte ihr die Hinterlassenschaft seines Dackels ins Gesicht. Wie ekelhaft und erniedrigend.

Intelligenz und Wahnsinn liegen tatsächlich oft nah beieinander.

Der Ruf der Oper ist dermaßen beschädigt, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Goecke unvorstellbar ist. Der Rauswurf war die einzig richtige Konsequenz. Auch wenn die Oper sich fragen lassen muss, warum sie das Stück von Goecke überhaupt noch aufführen ließ und er sich am Ende auch noch vor dem Publikum verneigen durfte.

Doch wie konnte es überhaupt zu der Attacke kommen? Die Kritiken der FAZ-Journalistin Wiebke Hüster waren zwar nicht unterhalb der Gürtellinie, aber dennoch trafen die Pfeile, wenn sie kürzlich über seinen neuen Ballettabend mit dem virtuosen Nederlands Dans Theater in Den Haag schrieb, dass das Publikum „abwechselnd irre und von Langeweile umgebracht“ werde. Das saß.

Nun sollten Koryphäen wie Goecke, die mit ihren Werken in der Öffentlichkeit präsent sind und sich auf großen Bühnen präsentieren, eigentlich über den Dingen stehen. Ihm sind aber offenbar die Nerven durchgegangen und auch seine Entschuldigung im Nachhinein klang eher halbherzig und wie von seinem Arbeitgeber, der Staatsoper Hannover, erzwungen.

Dennoch sollte der Vorfall auch Anlass geben, über ein menschliches Miteinander nachzudenken, das stets von Respekt geprägt sein sollte. Die Ekel-Attacke ist schlicht irre, aber auch nicht jeder Verriss ist automatisch eine gute Kritik.

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