Kiew  „Bin in Behandlung“: Olena Selenska spricht über Leben im Ukraine-Krieg

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 16.02.2023 14:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In einem Interview hat sich die ukrainische First Lady Olena Selenska zu ihren Erfahrungen im Krieg geäußert. Foto: dpa/AP/Markus Schreiber
In einem Interview hat sich die ukrainische First Lady Olena Selenska zu ihren Erfahrungen im Krieg geäußert. Foto: dpa/AP/Markus Schreiber
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Täglich steht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Öffentlichkeit. Doch auch das Leben seiner Frau Olena Selenska hat sich seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges grundlegend verändert. In einem Interview erklärte sie nun, wie es ihr geht und was sie nach dem Krieg als Erstes machen möchte.

Einst arbeiteten Wolodymyr Selenskyj und Olena Selenska gemeinsam in der Filmbranche. Er spielte die Hauptrolle in der Fernsehserie „Diener des Volkes“, während sie als Produzentin tätig war. Mehr als drei Jahre nach Ausstrahlung der letzten Staffel hat sich einiges geändert. Selenskyj ist nun tatsächlich der Präsident der Ukraine, seine Frau Olena steht ihm als First Lady zur Seite.

Mehr noch, seit fast einem Jahr befindet sich das Land im Krieg, am 24. Februar 2022 befahl der russische Präsident Wladimir Putin den Einmarsch in die Ukraine. Seitdem steht Selenskyj im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, trifft sich mit zahlreichen Politikern und richtet sich täglich mit einer Videoansprache an sein Volk.

Währenddessen kümmert sich Selenska um die beiden gemeinsamen Kinder im Alter von 18 und zehn Jahren, wie die 45-Jährige im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ verriet. Ihren Mann bekomme sie „vielleicht einmal die Woche“ zu Gesicht, dann meistens zum Mittagessen. „Ich wünschte, es wäre häufiger, aber es geht nicht – aus Sicherheitsgründen“, so Selenska. „Und weil mein Mann ununterbrochen arbeitet.“

Der Ukraine-Krieg habe „absolut alles“ verändert, erklärte die Präsidentengattin. „Meine Gedanken von früher kommen mir heute lächerlich vor. Seit Februar vergangenen Jahres geht es eigentlich nur noch um Rettung. Das klingt vielleicht pathetisch, aber mein Leben dreht sich darum, anderen Menschen zu helfen.“

Das Paar, das seit 2003 miteinander verheiratet ist, versuche, sich so gut es geht gegenseitig zu unterstützen. „Ich fürchte, er hilft mir mehr als ich ihm“, sagte Selenska im Interview. „Er gibt mir Kraft, wenn ich Angst habe oder nervös werde. Dann sagt er zu mir: ‚Olena, du schaffst das schon. Wir schaffen das.‘“

Trotzdem würden ihr die Umstände des Krieges schwer zu schaffen machen. „Dieser andauernde Druck macht alle in unserem Land seelisch und körperlich krank“, so die ukrainische First Lady. Sie sei Patin eines Therapieprogramms für traumatisierte Kinder im ganzen Land. „Wir kümmern uns um Menschen, die nicht mehr essen oder irgendetwas fühlen können. Aber mir selbst geht es auch nicht viel besser.“

Auf die Frage, ob sie sich in psychologischer Betreuung befinde, antwortete Selenska: „Ja, auch ich bin in Behandlung. Ich finde nicht, dass ich das verheimlichen muss.“ So falle ihr beispielsweise das Schlafen schwer. „Wenn ich nachts mal wieder wach im Bett liege, dann sehe ich mein Kind an, das neben mir schläft. Am Morgen bin ich manchmal todmüde, aber ich muss wieder Energie ausstrahlen, arbeiten, andere mitreißen.“

Ihr Ehemann Wolodymyr hatte kürzlich erklärt, erst einmal ein kühles Bier am Meer zu trinken, wenn der Ukraine-Krieg zu Ende sein sollte. Und seine Frau? „Ich möchte ins Auto steigen, ohne meine Bodyguards, ohne all die Menschen, die mich ständig begleiten. Dann werde ich anhalten, irgendwo an einem schönen Ort, und einfach in die Landschaft starren“, so Selenska. Ihr Mann würde dann später dazu kommen.

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