Gestaltung der Innenstadt  Linden-Verpflanzung bringt Unternehmer auf die Zinne

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 17.02.2023 18:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Teil der Betonummantelung ist auf dem Auricher Marktplatz bereits entfernt worden. Foto: Ortgies
Ein Teil der Betonummantelung ist auf dem Auricher Marktplatz bereits entfernt worden. Foto: Ortgies
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Erneut gibt es in Aurich Ärger wegen Bäumen, die aus dem Stadtbild verschwinden sollen.

Aurich - Erst war es nur eine Art Probebohrung, dann wurde mit großem Krafteinsatz am Mittwoch eine Seite der mächtigen Betoneinfassung für eine Linde am Auricher Marktplatz weggerissen. In den nächsten Tagen weichen die anderen Wände des quadratischen XL-Kübels. „Wir lassen diesen Baum und zwei weitere entfernen“, sagte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß. Sie könnten sich mit ihren Wurzeln in den Kübeln nicht entfalten, wurden behutsam ausgehoben und auf dem Kasernengelände wieder eingepflanzt.

Was und warum

Darum geht es: Die Gestaltung des Marktplatzes in Aurich führt immer wieder zu erbitterten Kontroversen.

Vor allem interessant für: alle, denen das Erscheinungsbild der Innenstadt am Herzen liegt

Deshalb berichten wir: Ein Passant hatte die Redaktion auf die Arbeiten an der Betoneinfassung aufmerksam gemacht.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de

Was und warum

Darum geht es: Die Gestaltung des Marktplatzes in Aurich führt immer wieder zu erbitterten Kontroversen.

Vor allem interessant für: alle, denen das Erscheinungsbild der Innenstadt am Herzen liegt

Deshalb berichten wir: Ein Passant hatte die Redaktion auf die Arbeiten an der Betoneinfassung aufmerksam gemacht.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de

Die Aktivitäten an den Kübeln werden immer wieder von Passanten verfolgt und auch kommentiert. „Was soll das denn eigentlich? Warum können die Linden nicht an diesem Ort bleiben?“ Die Aussagen haben meistens diesen Tenor. Der wird auch von dem Auricher Unternehmer Fritz-Werner Schüt geteilt: „Mir wird schlecht, wenn ich das sehe. Mir blutet das Herz, wenn ich erlebe, was mit unserer Stadt passiert. “ Es werde alles abgeholzt, was in der Innenstadt für Grün sorge. Das Ergebnis sei ein Einheitsbild, wie man es aus zig anderen Städten kenne. Besonders ärgerlich sei in seinen Augen, dass kein Ersatz für die Bäume geplant sei. „Derzeit reißt man in Aurich alles auseinander“, schimpft Fritz-Werner Schüt mit Blick auf die Fußgängerzonensanierung, die gerade den hinteren Teil der Burgstraße erreicht hat. Gerade wegen dieser Beeinträchtigung sei es wichtig, den Passanten möglichst intakte Rückzugsorte anzubieten. Irgendetwas, das Harmonie und Ruhe spendet. Es ist nicht das erste Mal, dass es Ärger wegen Bäumen gibt, die aus dem Stadtbild verschwinden. Vor vier Jahren hat eine Auseinandersetzung um eine kranke Blutbuche am Carolinengang die Auricher beschäftigt.

Marktplatz hätte Kleinod werden können

Schüt erinnert daran, dass sich im vergangenen Jahr ein Interessenkreis aus Auricher Kaufleuten gebildet habe. Anlass waren die Mittel aus dem EU-Förderprogramm Perspektive Innenstadt, die Aurich in Höhe von 1,3 Millionen Euro hätten abrufen können. „Wir waren uns eigentlich einig, dass man diesen Betrag nicht verkleckern darf, indem man hier mal einen Spielplatz und dort eine Info-Tafel aufstellt“, sagt der Unternehmer. Wir hatten angeregt, dass man den Marktplatz zu einem Kleinod macht. In diesem Zusammenhang habe er auch mit einem Architekten aus Jever gesprochen. Der habe nur gesagt: „Der Marktplatz ist schon so gut wie perfekt.“ Man müsse nur etwas Grün hinzufügen. Dann könnte man die Aufenthaltsqualität noch steigern. Es sei schade, dass sich dieses Vorhaben zerschlagen habe. Ein Teil der Mittel aus dem Förderprogramm Perspektive Innenstadt ist indessen tatsächlich für den Marktplatz vorgesehen. Die Mittel für die Umgestaltung des Auricher Marktplatzes sind bereits im September 2022 von der N-Bank bewilligt worden. Näheres wurde bisher nicht bekannt. Zuletzt hieß es, dass XXL-Kunststoffkübel mit Sträuchern oder ähnlichem bepflanzt werden sollen. Das wird der Fall sein, das passiert aber erst, wenn wir mit der Fußgängerzone fertig sind“, sagte Alexandra Busch-Maaß.

Der Marktplatz in Aurich ist seit Jahren ein Zankapfel der Fraktionen. Jeder möchte dort eine andere Gestaltung verwirklicht sehen. Die Linke immer Anstoß an der holprigen Oberfläche genommen und wollte eine fußgängerfreundliche Pflasterung erwirken. Daraus ist nie etwas geworden. Selbst bei der derzeitigen Sanierung der Fußgängerzone bleibt der Marktplatz außen vor. Die Grünen haben vor sieben Jahren mal angeregt, eine grüne Überdachung für den Auricher Marktplatz zu schaffen. Über diesen Vorschlag ist nicht einmal diskutiert worden. Vor fünf Jahren hat sich eine Arbeitsgruppe Markthalle gebildet, die sich auch mit der Frage befassen sollte, wie der Marktplatz und die umliegenden Straßen attraktiver gestaltet werden können. Diese Überlegungen hatten immerhin zur Folge, dass die Eiscafés am Marktplatz sich großflächiger ausbreiten durften. Ansonsten sind keine wegweisenden Ideen bei diesen Zusammenkünften entwickelt worden.

Ein Problem ist sicherlich, dass die Gestaltung immer eng mit der Markthalle verzahnt ist. Das Gebäude ist das Herzstück des Areals. Seine Nutzung zieht ganz klare Vorgaben nach sich. Nach dem Stand der Dinge will die Stadt das Objekt an das Unternehmen CE Immobilien GmbH (Emsdetten) verpachten. Die Firma betreibt unter anderem die Kette Extrablatt. Ob es tatsächlich dazu kommt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Für Ende Februar hat sich Carsten Dreyer deswegen mit Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) verabredet. Der Expansionsleiter und Geschäftsführer von CE Immobilien hatte das Umbau-Projekt der Markthalle vor einigen Wochen im Gespräch mit dieser Zeitung als sehr komplex und aufwendig beschrieben. Es sei nicht damit zu rechnen, dass das Extrablatt in Aurich noch in diesem Jahr eröffnet werde.

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