Osnabrück Schauspieler Lenn Kudrjawizki: Dieser Krieg zerreißt mir das Herz
Es wird eine Woche wie auf der Achterbahn für Lenn Kudrjawizki (47): Groß ist seine Vorfreude auf den Donnerstag, wenn er in seiner Rolle als Kommissar Emil Perica zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Sohn Lior im Kroatien-Krimi der ARD zu sehen ist. Einen Tag später aber jährt sich der russische Überfall auf die Ukraine, der den Schauspieler mit russisch-weißrussisch-ukrainischen Wurzeln zutiefst bedrückt.
Seine durch und durch positive und zugewandte Art hat sich der 47-Jährige dennoch erhalten. Bei einem Glas Limetten-Ingwer-Tee unterhalten wir uns in einem Berliner Restaurant über Krieg, Krimi und sein Buch „Familienbande“, das am Mittwoch erscheint:
Frage: Lenn, in Ihrem Buch beschreiben Sie Ihre russisch-weißrussisch-ukrainisch-jüdische Familiengeschichte. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den bevorstehenden 24. Februar?
Antwort: Es ist ein kaum zu ertragendes Gefühl. Abgesehen davon, dass für mich jeder Krieg jeglicher Logik entbehrt, hat dieser Krieg mir ein Stück weit Identität und Seele geraubt, mit denen ich groß geworden bin und die für mich Wurzeln bedeuten. Es zerreißt mir das Herz. Für mich war es immer eine Welt aus vielen Völkern, die Sowjetunion hieß, als ich ein Kind war. Ich habe nicht zwischen Russland und Ukraine unterschieden, mir war es egal, ob mein Vater in der Ukraine geboren wurde und meine Mutter in Russland. Für mich war es ein russischsprachiger Kosmos. Dass das jetzt zwei unabhängige souveräne Staaten sind, ändert nichts an meiner Erinnerung aus der Kindheit.
Frage: Das ist ja der Gedanke, den Putin auch hat.
Antwort: Richtig – allerdings hat sich die Welt mit der Wende verändert, und es gab bestimmte Entscheidungen mit neuen Grenzen und Staaten, die man respektieren muss. Russland, Weißrussland und die Ukraine waren für mich immer die Welt meiner Vorfahren. Jetzt weiß ich, dass Italien und Griechenland auch in meiner DNA stecken. Wir haben Familie in Russland und immer noch in der Ukraine. Sie leben noch in Charkiw, denn sie wollen ihre Männer nicht zurücklassen. Dieser Krieg bringt nur Leid und Tod.
Frage: Erinnern Sie sich an den Tag, als der Krieg ausbrach?
Antwort: Ich war an dem Abend bei einem Freund, einem Drehbuchautor, zum Essen eingeladen. Es war wahnsinnig lecker, wir führen immer tolle Gespräche – aber an diesem Abend lief zum ersten Mal parallel zum Essen der Fernseher mit diesen Bildern vom Krieg, und ich dachte: Was ist das? Ist das aktuell oder sind das Bilder von vor 70 Jahren? Ich persönlich hatte bis zum Schluss gehofft und geglaubt, dass dieser Angriff auf die Ukraine nicht stattfindet.
Frage: Ihre Urgroßeltern sind während des Zweiten Weltkriegs in Charkiw mutmaßlich von Deutschen ermordet worden.
Antwort: Sie sind dort während der Besatzung verschwunden, ihre Spuren haben sich verloren. Die Deutschen sind damals durch die Stadt gelaufen und haben alles umgebracht, was irgendwie jüdisch aussah. Es spricht also einiges dafür.
Frage: Und heute werden wieder Mitglieder Ihrer Familie in Charkiw bedroht – diesmal von den Russen. Was wissen Sie über den Verbleib Ihrer Verwandten?
Antwort: Sie leben noch – in Angst und Schrecken. Und sie erzählen uns, wie das Nachbarhaus getroffen wurde und wie sie beten, dass ihr Haus nicht auch von Raketen getroffen wird. Auf der anderen Seite haben wir russische Freunde, deren Gedanken von der Propaganda so verdreht sind, dass man mit ihnen kaum noch reden kann. Eine Freundin von mir kann sogar mit ihrer Mutter in Russland nicht mehr reden, weil sie ihre jeweiligen Standpunkte nicht mehr nachvollziehen und verstehen können.
Frage: Sie sind ja viel näher dran an der russischen Seele als ich – können Sie diesen Angriff auf die Ukraine nachvollziehen?
Antwort: Ich kann ihn absolut nicht nachvollziehen. Jeder Angriff auf fremdes Territorium ist ein No-Go. Ich denke nur, dass es in der Weltpolitik kein Schwarz-Weiß gibt. Wer wen und wann provoziert und das aus welchen Gründen und Interessen, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Am Ende geht es immer um Macht, Geld und Egos auf Kosten der Menschen.
Frage: Haben Sie eine Idee, wie man diesen Krieg beenden könnte? Es sterben ja immer mehr Menschen, und ein ganzes Land wird in eine riesige Trümmerwüste verwandelt.
Antwort: Ich wünschte, ich wüsste es.
Frage: Sie sind in Leningrad geboren, in Ost-Berlin aufgewachsen und haben Ihre Ferien immer bei Opa Mischa im Kaukasus verbracht. Verspüren Sie so etwas wie eine russische Seele in sich?
Antwort: Ich bin ja schon mit zwei Monaten nach Ostdeutschland gekommen und fühle mich eigentlich als ein DDR-Kind. Mit der kompletten Sozialisierung – Jungpionier, Thälmann-Pionier, sogar noch ein Jahr FDJ. Ich hatte das große Glück, das Schulsystem der DDR zu erleben, war an der Musikschule, was ich als wahnsinniges Geschenk empfinde. Aber zu Hause haben wir Russisch gesprochen und viel musiziert und gesungen, gekocht haben wir Gerichte mit Einflüssen aus dem sowjetischen Vielvölkerstaat. Für mich ist das ein Stück Mentalität, die man aufsaugt mit der Sprache, der Kultur und der Musik. Mit meinen Wurzeln bin ich auf der ganzen Welt zu Hause, aber am liebsten in Europa (lacht).
Frage: Was verstehen wir Westeuropäer denn nicht an der russischen Seele?
Antwort: Bezogen auf den Konflikt, versteht der Westen nicht die Opferungsbereitschaft des russischen Systems. Es gibt in Russland wahrscheinlich keine einzige Familie, die nicht wenigstens ein Opfer hat, das in der stalinistischen Vergangenheit durch die eigene Regierung ums Leben gekommen ist. Allein Stalin hat Millionen seiner eigenen Leute umbringen lassen. Das Volk hat die genetische Information in sich, wenn du den Mund aufmachst und auf die Straße gehst, macht die Regierung wahr, was sie dir angedroht hat. Du glaubst das, weil deine Vorfahren es erlebt haben. Es gibt keine demokratische Tradition mit Demonstrationen und allem anderen, was dazugehört. Auf der anderen Seite sehe ich die Künstler, die den Mund aufmachen und weg sind aus dem Land. Filmproduzenten, die mich auf Whatsapp anschreiben und sich nicht trauen, das Wort Krieg zu benutzen.
Frage: Sie haben ja lange auch in Russland Filme gedreht.
Antwort: Ja, besonders vor Corona. Insgesamt vier Filme. Wir haben in Moskau gedreht, ich war auf Filmfestivals in Odessa und Kiew, wo ich auch vor vielen Jahren meinen ersten Film „Katrin und Wladimir“ vorgestellt habe, der sich als erster Film mit dem Reaktorunglück in Tschernobyl befasst hatte. Die Dreharbeiten waren immer toll, und ich liebe es, auf Russisch zu drehen. Jede Form von Dialog muss aufrechterhalten bleiben. Kunst, Kultur, Film und Musik sind alles Kommunikationsformen die uns vereinen und die wir uns erhalten müssen.
Frage: Welche Bedeutung hat eigentlich Lenin für Sie? Sie sind ja nicht nur im damaligen Leningrad geboren, sondern ihr Vorname lautet ja auch Lenin – unter Fortlassung des Binde-i.
Antwort: Für mich ist Lenin ein Held meiner Kindheit und Jugend – so sind wir damals aufgewachsen. Es fühlte sich immer toll an, in Leningrad geboren zu sein, und auch den Zusammenhang mit meinem Namen fand ich großartig. Dann habe ich mich natürlich mit Lenin befasst und viele Dinge herausgefunden, die ich nicht so toll fand. Schließlich war er der Initiator von KZs und Straflagern. Heute finde ich es schön, dass in meinem Ausweis St. Petersburg und nicht mehr Leningrad steht.
Frage: Ihr Nachname ist für normal begabte Deutsche nicht ganz leicht auszusprechen – und er hat Sie fast die Hochzeit gekostet.
Antwort: Richtig, weil „Kudrjawizki“ nicht nach DIN ins Deutsche übersetzt worden war.
Frage: Ist das ein Witz über die deutsche Gründlichkeit?
Antwort: (lacht) Nein, jeder Buchstabe hat eine nach DIN vorgeschriebene Übersetzungsnorm. In der DDR wurde mein Name Kudrewizki geschrieben, also mit e statt j und a. Beim Wechsel der Staatsangehörigkeit wurde aus dem russischen j im Deutschen ein j und a gemacht. Die Standesbeamtin wollte dann aus meinem Namen ein Ungetüm machen, das ich nicht lesen konnte. Ich war verzweifelt, meine Frau fing fast an zu weinen. Wir wollten doch nur heiraten und nicht bei hundert Filmen den Abspann ändern lassen. Und dann sagte sie plötzlich: „Sie haben Glück, ich muss zum Kindergeburtstag.“ Nur deshalb hat sie uns den Stempel gegeben.
Frage: Man hat Sie auch schon mal Len Colawhysky genannt, stimmt’s?
Antwort: Ich habe mal für Givenchy als Special Guest auf dem Laufsteg Geige gespielt und einen Anzug präsentiert. Anschließend habe ich ein Interview fürs Fernsehen gegeben, die kannten mich vermutlich nicht und haben mich tatsächlich als Len – mit einem n – Colawhisky bezeichnet (lacht).
Frage: Kunst und Musik haben in Ihrer Familie immer eine große Rolle gespielt, Ihr Vater war ein hervorragender Geiger und hat Sie auch zu diesem Instrument gebracht. In Ihrem Buch schreiben Sie: „Musik ist für mich der direkte Weg zu meinen Emotionen, meine Sprache, mein Seelenheil.“ Mehr geht kaum.
Antwort: Richtig, Musik ist ungeheuer wichtig für mich, und damit meine ich nicht nur meine Musik. Es gibt nicht die eine Musikrichtung, von der ich sagen würde, das ist jetzt meine Musik. Ich kann von Klassik bis Rock und Pop alles hören. Wobei ich mit der zunehmenden Digitalisierung auch mal alles ausschalte und nur die Ruhe genieße.
Frage: Durch die Musik haben Sie ja auch Ihre Frau Nora kennengelernt, obwohl Sie damals beide fast noch Kinder waren.
Antwort: Ich war damals 15, sie war zehn und kam mit ihrer Mama in eine Orchesterprobe, in der ich der Konzertmeister war. Der 15-jährige Junge mit den langen dunklen Haaren am ersten Pult war für sie wohl so beeindruckend, dass es irgendwie gefunkt hat. Das hat jahrelang angehalten, bis es viele Jahre später auch bei mir endlich mal gefunkt hat und wir ein Paar geworden sind. Wir waren zusammen auf dem Gymnasium, in der Musikschule, sie hat auch bei meinem Professor studiert – wir haben uns nie aus den Augen verloren, bis wir eine tolle Familienbande gegründet haben.
Frage: Mit einer Tochter, die Ihre Liebe zur Musik teilt, und einem Sohn, der Ihre Liebe zur Schauspielerei teilt.
Antwort: Ja, unsere Tochter hat das musikalische Talent von uns beiden einfach addiert, und Lior ist jetzt am 23. Februar zum ersten Mal mit mir im neuen Kroatien-Krimi zu sehen. Wir haben vor einem Jahr gedreht, und jetzt kommt er endlich ins Fernsehen.
Frage: Es hat aber auch viele tragische Momente in Ihrer Familie gegeben. Ihr Vater starb durch einen Herzinfarkt am Steuer, just zu einem Zeitpunkt, als Ihr Leben in richtig gute Bahnen zu laufen schien. Das hat Sie über viele Jahre sehr bedrückt.
Antwort: Für mich als 19-Jährigen, der ich bei meinem Vater groß geworden und sehr von ihm geprägt bin, war das ein riesiger Verlust, denn er war auch mein bester Freund. Ich wusste damals aber nicht, dass man trauern und Verluste verarbeiten sollte, damit man sie nicht über viele Jahre mit sich rumschleppt. Deshalb habe ich das Gegenteil gemacht, habe mich in Arbeit, Kunst, ins Drehen und Konzertespielen geflüchtet. Dadurch hatte ich das Gefühl, es sei alles gar nicht so schlimm – nur, wenn ich mal stehen geblieben bin, dachte ich: Autsch, da ist ja noch eine ganz schön große Wunde in meiner Seele. Also bin ich weitergerannt und habe erst Jahre später realisiert, dass ich wirklich mal anhalten, innehalten und meine Seele heilen muss. Das ist mir erst mithilfe einer Therapie gelungen.
Frage: Ähnlich tragisch war der Verlust Ihres Halbbruders Jan, der in Berlin in einem Bus erstochen wurde. Was war das eigentlich für ein Typ, der das gemacht hat?
Antwort: Ein sich gut und kultiviert ausdrückender junger Mann im selben Alter wie mein damals 19-jähriger Bruder. Er hatte es sich mit seinen Kumpels zum Sport gemacht, andere Leute abzuziehen. Er hat im Bus die Freundin meines Bruders angemacht, Jan hat als selbstbewusster junger Mann die Jungs aus dem Bus verwiesen, und plötzlich drehte einer von denen sich um und hat zugestochen.
Frage: Ist er verurteilt worden?
Antwort: Ja, er hat sechs Jahre bekommen. Für uns fühlte sich der ganze Prozess schrecklich an, wie ein vorher abgekarteter Deal. Ein Schöffe ist während des Prozesses eingeschlafen, der Täter hat während der Verhandlung immer sein Kreuz geküsst, um allen zu zeigen, dass er reumütig ist – und dabei ständig zu seinen Kumpels geblickt. Ob er jetzt sechs Jahre oder 20 bekommt, hätte am Ende auch nichts geändert. Da überwogen der Schmerz und auch ein furchtbares Hassgefühl, das ich schnell loswerden wollte.
Frage: Überhaupt war die Zeit nach dem Mauerfall für Sie kein Zuckerschlecken. Für alte Kumpels waren Sie plötzlich ein „Russenschwein“ oder eine „Judensau“, von ehemaligen Freunden wurden Sie verprügelt. Wie hat sich das angefühlt?
Antwort: Ich hab die Welt nicht mehr verstanden und konnte einfach nicht kapieren, was da passiert. Zum Glück hatte ich neben den Negativerfahrungen, von Leuten aus meiner alten Clique beschimpft und verprügelt zu werden, noch einen Freundeskreis aus der Kultur, enge Freunde, die mich bis heute begleiten. Aber ich musste als junger Mensch erst einmal verstehen, was diese Wende für viele Menschen bedeutet und auch kaputt gemacht hat. Damals habe ich nicht verstanden, warum mir Kumpels ins Gesicht boxten, mit denen ich gestern noch gefeiert hatte.
Frage: Verstehen Sie es heute?
Antwort: Ich habe eine Ahnung davon, was Angst in Menschen auslösen kann. Ungewissheit und Angst vor der Zukunft, dem eigenen Versagen. Es war ja auf einmal eine Welt, die keiner kannte. Ich kannte sie auch nicht, aber ich hatte wenigstens die Kunst, die Musik und später auch den Film, das ist ja eine internationale Sprache. Aber es gab eben auch Menschen, deren Eltern gerade den Job verloren hatten, das war alles nichts mehr wert. Stellen Sie sich vor, Sie kommen in eine Gesellschaft, in der Sie nichts mehr wert sind, und dann steht da einer mit der Geige neben Ihnen, spielt Konzerte und dreht Filme. Vielleicht waren das ja die Gründe, die das ausgelöst haben.
Frage: Ich habe selten jemanden erlebt, der so viel Verständnis für Menschen aufbringt, die ihm aufs Maul hauen.
Antwort: (lacht) In dem Moment hatte ich auch kein Verständnis, aber mittlerweile versuche ich es wenigstens zu verstehen.
Frage: Sie sprachen gerade vom Beginn Ihrer Filmkarriere – dabei hatten Sie ja eigentlich das Ziel, Geiger zu werden. Wie kam es, dass der Film sich davorgeschoben hat?
Antwort: Der Film kam eher zufällig in mein Leben, und mein Papa hat mir geraten, die Chance zu nutzen. Und dann hat mir das Hineinversetzen in andere Menschen und deren Gefühle so viel Spaß gemacht, dass ich weitergemacht habe. Das Zusammensein mit anderen Menschen hat mich von der Geige etwas abgelenkt. Sich jeden Tag stundenlang mit einem Instrument auseinanderzusetzen bedarf einer besonderen menschlichen Qualität, die ich nicht so ausgeprägt besitze. Ich bin gerne mit Menschen zusammen, ich liebe Menschen.
Frage: Die Geige haben Sie aber meistens dabei, wenn Sie drehen, sonst hätten Sie nicht mit Kevin Costner jammen können.
Antwort: Die Geige kommt immer mit, wenn ich nicht gerade in Berlin drehe – auch wenn sie nicht immer ausgepackt wird (lacht). Kevin hatte damals seine Gitarre dabei, ich kannte sein Album und habe dazu improvisiert, Kevin liebt auch Folk Music und hat Gitarre gespielt, und seine Assistentin hat ab und zu dazu gesungen. Und so haben wir unsere Freizeit beim Dreh von „Jack Ryan: Shadow Recruit“ mit Musikmachen verbracht. Genauso wie mit John Goodman – da haben wir sogar einen ganzen Abend gestaltet, als wir „Die Päpstin“ gedreht haben. Wir spielten Blues Brothers-Songs und Irish Folk.
Frage: Eine klassische Schauspielausbildung haben Sie ja nicht gemacht – dennoch waren Sie im Cast von „Die Fälscher“, einem Film, der 2008 den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewonnen hat.
Antwort: Das war total krass und unrealistisch, wenn ich zurückdenke. Wie ein Traum, eine Blase. Die Arbeit an sich war ja schon so wertvoll, ich war so dankbar, mit diesem Ensemble arbeiten zu dürfen. Und dann noch dieses Gefühl, den Oscar zu gewinnen, das war einfach unglaublich.
Frage: Wie ist das eigentlich – wenn ein Film mit dem Oscar ausgezeichnet wird, bekommt dann jeder Schauspieler auch wenigstens so einen kleinen?
Antwort: Nee, aber wir durften alle mal anfassen und ich hab mir seitdem auch die Hände nicht mehr gewaschen (lacht). Einen Oscar haben nur der Produzent und der Regisseur bekommen. Sie waren auch diejenigen, die in den Saal durften, wir anderen waren zwar auch in Los Angeles, haben die Verleihung aber am Fernseher in der österreichischen Botschaft verfolgt.
Frage: Sie haben ja auch schon mit Leuten wie Jude Law und Keira Knightley gedreht. Bleiben da Verbindungen, oder begegnet man sich für eine gewisse Zeit seines Lebens und geht dann wieder getrennte Wege?
Antwort: Mit Jude schreibe ich gelegentlich, genauso wie mit Kevin, den ich auch im Studio besucht habe, als ich in LA war. Das ist genauso wie mit deutschen Kollegen – da entstehen ja auch nicht immer gleich Freundschaften, das ist ganz normal.
Frage: Bei Hollywood-Produktionen waren Sie ja häufig so etwas wie der Russe vom Dienst. Stört Sie das, oder war es vielleicht sogar ein Karrierebeschleuniger?
Antwort: Es ist ja nichts Negatives, sondern etwas, das ich durch Physiognomie, Sprache oder einen Akzent mitbringe. Seit dem Moment, in dem ich das angenommen habe, wurde es zu etwas, das ich benutzen kann. Ich kann nun mal Russisch – warum soll ich dagegen kämpfen und immer nur den Deutschen spielen wollen?
Frage: Sitzen Sie zu Hause und warten aufs nächste Angebot aus Hollywood?
Antwort: Niemals. Ich warte nie. Ich bin überzeugt, dass wenn man in Bewegung bleibt und sich mit Dingen beschäftigt, die einen interessieren und inspirieren, automatisch das Nächste kommt. Ob es jetzt ein deutscher Arthouse-Film ist, wie ich ihn jetzt gerade in Georgien gedreht habe und bei dem es wenig zu verdienen gab, oder ein Hollywood-Film, eine amerikanische Serie oder etwas von Amazon. Manchmal kommt auch mehr, als man machen kann – ich habe jetzt eine schöne Serie für den Kroatien-Krimi abgesagt. Denn den liebe ich, das Arbeiten mit meinen Kollegen, wir sind eine tolle Filmfamilie geworden und arbeiten in Kroatien mit einem überwiegend kroatischen Team. Das ist eine tolle Lebenszeit – dafür ein anderes Projekt abzusagen, tut nicht weh.