Bewirtung im Restaurant Überquellende Teller vom Büfett sind nicht immer ein guter Fang
Ein All-you-can-eat-Restaurant in Rhauderfehn hat für Schlagzeilen gesorgt. Die dortige Praxis, Menschen mit vollbleibenden Tellern zu bestrafen, stößt in der Branche auf herbe Kritik.
Ostfriesland - Grassiert das Suppenkasper-Syndrom in Ostfriesland? Hocken Gäste in All-you-can-eat-Restaurants vor ihren Tellern und essen davon nichts? Vor einigen Tagen machte das Restaurant Fang in Rhauderfehn Schlagzeilen damit, dass bei vollen, nicht angerührten Tellern ein „Bußgeld“ in Höhe von zehn Euro fällig werde. Restaurantchef Da Fang Ye hatte sich darüber geärgert, dass er nach eigenen Angaben jeden Monat im Schnitt Lebensmittel im Wert von 2000 bis 3000 Euro wegwerfen muss. Dabei ist er nicht nur wegen dieser Verschwendung sauer, sondern auch darüber, dass er Geld für die Entsorgung bezahlen muss. Gastronomische Betriebe dürfen sich ihrer Abfälle nämlich nicht konventionell in der Tonne entledigen. Sie müssen damit ein Spezialunternehmen beauftragen, das unterschiedlich große Abfall-Behältnisse zur Verfügung stellt, die in regelmäßigen Abständen abgeholt werden.
Was und warum
Darum geht es: Gastwirt bestraft Gäste, die sich die Teller vollschaufeln und dann nichts essen.
Vor allem interessant für: Männer und Frauen, die All-you-can-eat-Restaurants favorisieren.
Deshalb berichten wir: Leser hatten sich danach erkundigt, wie verbreitet die Praxis der Strafgebühren in Restaurants ist. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Die Redaktion wollte wissen, ob auch andere Restaurants mit dem Suppenkasper-Syndrom zu kämpfen haben. Gerhard Janssen betreibt in Aurich-Middels mehrere Hotels und Gaststätten, darunter die „Alte Post“ und die „Alte Schmiede“. Dazu gehören Saalbetriebe unterschiedlicher Größenordnung. Er unterhält damit mutmaßlich einen der umsatzstärksten Bewirtungsbetriebe in Ostfriesland. Seine Beobachtung hat demnach einen hohen Stellenwert: „Im Schnitt bewirten wir im Jahr 150.000 Gäste. Ich schätze, dass wir lediglich bei 0,5 Prozent das Problem mit vollen Tellern haben, die nicht angerührt werden.“ Das passiere auch nur beim Büfett. Wenn seine Mitarbeiter Essen à la Carte anbieten würden, komme das so gut wie gar nicht vor.
Schlechte Kinderstube bricht durch
Er habe sein Personal angewiesen, Gäste direkt anzusprechen, die volle Teller nicht anrühren. „Es kann immer mal sein, dass das Essen unter Umständen kalt war oder sonst etwas vielleicht nicht in Ordnung war“, sagt Gerhard Janssen. Das werde alles offensiv kommuniziert. In seinen Augen habe es mit einer schlechten Kinderstube zu tun, wenn Gäste sich die Teller vollhäufelten und dann das meiste stehen ließen. In diesem Gebaren könne sich auch eine bestimmte Geisteshaltung ausdrücken. Das soll wohl heißen: „Ich kann es mir leisten.“ Imponiergehabe also, vergleichbar mit dem Aufjaulenlassen des Motors bei PS-starken Autos.
Wer sich im Restaurant Fang sattessen wollte, musste 12,80 Euro bezahlen. Dafür gab es keine Mengenbegrenzung. Nüchtern betrachtet, ist eine Produktkalkulation bei einer solchen Preispolitik nicht möglich. Gäste der Rhauderfehntjer Gaststätte haben dort Männer und Frauen beobachtet, die mit Tupperware-Behältnissen zum Büfett gegangen sind und Speisen abgefüllt haben. Ihr Kommentar: Wir haben das schließlich bezahlt. In den Augen von Erich Wagner ist ein solches Verhalten nicht nachvollziehbar. Der Vorsitzende des ostfriesischen Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sagt, dass er es persönlich dramatisch finde, dass riesige Mengen produziert werden, die dann weggeworfen werden. „Dabei sollte es auch in der Gastronomie um Nachhaltigkeit gehen.“ Es gebe natürlich immer noch Kunden, denen die Menge beim Essen sehr wichtig sei: „Das sind diejenigen, die das Restaurant am liebsten pappsatt verlassen.“ Erich Wagner betreibt in Wiesmoor das Restaurant „Zur Post“. Er sagt, er beobachte, dass sich an dieser Haltung sukzessive etwas ändert: „Immer mehr Gäste legen Wert auf nachhaltige und gesunde Küche. Sie nehmen auch längere Fahrtstrecken in Kauf, um in einem guten Restaurant zu essen.“
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