Osnabrück Festanstellung: Welches Bild von der Arbeit darf es sein?
Festanstellung: Was früher nach einem Statussymbol klang, findet heute nicht mehr jeder erstrebenswert. Das Wort veraltet gerade, weil sich Lebensstile wandeln. Eine Sprachkolumne.
Festanstellung: Was früher nach einem Sehnsuchtsziel klang, nimmt sich heute wie der Begriff für ein Statussymbol aus, dessen Kurswert beständig sinkt. Sicher, das Wort gibt es weiterhin. Auf einschlägigen Portalen wird es so streng definiert, wie es klingt – und wie das Verhältnis ist, das es bezeichnet. Aber gerade für Menschen der jüngeren Generation gehört die Festanstellung in einen Vorstellungskomplex mit dem Bau eines Eigenheims und dem Kauf eines Neuwagens. Das alles klingt nach langer, womöglich lebenslanger Bindung. Und wer will die schon eingehen in einer Zeit, in der sich Identitäten und mit ihnen einst festgefügte Lebensmodelle verflüssigt haben?
Sicher, niemand wird etwas haben gegen sichere und geregelte Arbeitsverhältnisse. Die Festanstellung ist ein sicherer Wert und ein Resultat klarer Verabredungen. Feste Arbeitszeiten, Weisungsverhältnis, geregelter Arbeitsort – die Parameter sind stabil. Die Angehörigen der Generation Praktikum können ein Lied davon singen, was das alles wert ist. Wer heute jung auf den Arbeitsmarkt kommt, will aber anderes: flache Hierarchien, mobiles Arbeiten. Die Festanstellung? Ein Modell, das offenbar viel zu fixiert ist für eine Generation, die in Lebensabschnitten und nicht in Laufbahnen denkt.
Alte Wörter verweisen auf Wahrnehmungen und Hoffnungen, die historisch geworden sind. Boomer wissen noch, wie begehrt eine Festanstellung sein konnte. Kein Wunder bei einer Generation, die damit lebte, dass auf jede offene Stelle Dutzende Bewerber kamen – mindestens. Dieses Verhältnis hat sich längst gedreht. Das Verhältnis zur Arbeit auch. Wer heute sein Notebook in einem Café aufklappt, denkt nicht mehr an die silberne Ehrennadel zum Betriebsjubiläum. Die neue Freiheit hat aber auch ihre Tücken. Ob Scheinselbstständigkeit, Zeit- oder Leiharbeit: Eine Festanstellung hat viel für sich. Vielleicht kommt das Wort ja wieder in Mode. Wer weiß.