Prozess am Landgericht Moormerländerin erwürgt – Mann leidet an Psychose
Der 44-Jährige, der in Moormerland seine Freundin erwürgt haben soll, leidet „ohne Zweifel“ an einer psychiatrischen Erkrankung. Wie geht es jetzt mit ihm weiter?
Aurich/Moormerland - Im Prozess um einen Totschlag in der Gemeinde Moormerland haben am Montag am Auricher Landgericht ein Rechtsmediziner und ein psychiatrischer Sachverständiger ihre Gutachten vorgetragen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 44-jährigen Wilhelmshavener vor, seine 38-jährige Freundin im August vergangenen Jahres im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit erwürgt zu haben. Der Angeklagte, bekannt als Kokain-Konsument, ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, weil er in der Zeit rund um die Tat Stimmen hörte, Zeichen von Verfolgungswahn aufwies und aggressiv war. Das Gericht muss prüfen, ob er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.
Rechtsmediziner Dr. Benedikt Vennemann sagte nun, der Tod der Frau sei durch Ersticken infolge von Würgen, Verlegung der Atemwege und Einatmen von Mageninhalt eingetreten. Er habe „eindeutige Hinweise auf ein Tötungsdelikt“ gefunden. Unter anderem zählte er die „massenhaften“ punktförmigen Einblutungen im Gesicht auf, die auf Würgen hindeuteten. Die Abschürfungen um Mund und Nase des Opfers seien Zeichen für ein Zuhalten der Atemwege. „Sie wurde in Rückenlage gewürgt“, ist der Mediziner sich aufgrund der Verteilung der blauen Flecke am Körper der Frau sicher. Als Todeszeit legte er die Zeit zwischen 11 und 19 Uhr fest.
Keine Erinnerung an Misshandlungen
Der psychiatrische Sachverständige Professor Dr. Here Folkerts sagte bei Gericht, dass der Angeklagte schon vor einigen Jahren wegen einer Persönlichkeitsstörung behandelt worden sei. Zudem habe er bereits drei Jahre im Gefängnis gesessen. Auch in Wilhelmshaven sei er wegen psychotischer Episoden in Behandlung gewesen. Der Angeklagte hatte zuletzt gesagt, seine Freundin leblos aufgefunden zu haben und eine andere Person aus der Drogenszene beschuldigt. Folkerts berichtete, der Angeklagte habe ihm erklärt, er habe aus Angst vor der Polizei beim Auffinden seiner Freundin keinen Notruf abgesetzt.
Daran, dass er gegenüber seiner Freundin ziemlich aggressiv gewesen war, habe er keine Erinnerung gehabt, so Folkerts.. Aktenkundig geworden waren zwei Vorfälle: einer im Mai, als er der Angeklagte der Frau die Nase gebrochen hatte, sowie einer im Juli, als er ihr eine Decke auf den Kopf und ein Messer an den Hals gedrückt hatte. Beides Mal hatte die Moormerländerin keinen Strafantrag gegen ihren Lebensgefährten gestellt.
„Kein Zweifel an einer Psychose“
„Ich habe keine Zweifel, dass von einer schizophrenen Psychose auszugehen ist“, erklärte der Psychiater. Zusätzlich diagnostizierte er den Missbrauch von Alkohol, Drogen und Medikamenten. Der Gutachter geht von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten aus.
Zur Gefährlichkeitsprognose erklärte Folkerts: „Unbehandelte Schizophrene haben ein erhöhtes Risiko für Gewaltstraftaten.“ Dies sei insbesondere beim Absetzen der Medikamente der Fall – „und da kommt noch der Drogenkonsum obendrauf“, so der Psychiater. Es gebe Hinweise, dass der Angeklagte mindestens ein halbes Jahr lang seine Tabletten nicht mehr genommen habe. Eine ambulante Behandlung kommt für den Psychiater keinesfalls in Betracht. Er empfahl die dauerhafte Unterbringung des 44-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik.
Der Prozess soll am Donnerstag, 2. März, ab 9 Uhr in Saal 003 des Auricher Landgerichts beendet werden.
Moormerländerin erwürgt – Angeklagter bestreitet die Tat
Mann soll Lebensgefährtin aus Moormerland erwürgt haben
Frau in Moormerland erwürgt – Verhandlung gegen 44-Jährigen beginnt
Psychotischer Sohn soll Mutter attackiert haben