Frühling erwacht Zwei neue Händler beleben den Emder Wochenmarkt
Die Lücken, die im Winter zwischen den Ständen auf dem Neuen Markt klafften, füllen sich nach und nach wieder. Ein neuer Beschicker bietet Exotisches an.
Emden - Frühlingserwachen auf dem Emder Wochenmarkt: Auf dem Neuen Markt im Zentrum der Stadt wird es dienstags, freitags und sonnabends langsam wieder bunter. Nachdem in den ersten Wochen dieses Jahres zeitweise Lücken zwischen den Ständen klafften, kehrt an den drei Markttagen der Woche dort nach und nach wieder mehr Leben ein.
Was und warum
Darum geht es: neue Entwicklungen auf dem Emder Wochenmarkt
Vor allem interessant für: alle, die gerne auf dem Wochenmarkt einkaufen oder dort bummeln gehen
Deshalb berichten wir: Auf dem Markt schließen sich wieder die Lücken, die dort während des Winters zeitweise klafften. Es gibt auch zwei Neuzugänge. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Für erste Farbtupfer sorgt zumindest sonnabends der Blumenhändler Hayo de Wall, der den Emder Markt seit Jahrzehnten beschickt. Er sorgt seit einigen Wochen unter anderem mit einem großen Angebot an Tulpen in verschiedenen Farben für erste Frühlingsgefühle. Die Saison für Tulpen aus den Niederlanden geht von Dezember bis Mai, in den Wintermonaten wachsen die Tulpen in Gewächshäusern. Auch die übrigen Blumen- und Pflanzenhändler kehren in den kommenden Wochen aus der Winterpause zurück.
Jetzt gibt es auch Straußeneier & Co.
Unterdessen gibt es zwei Neuzugänge auf dem Wochenmarkt. Beide kommen aus der Region. Einer von ihnen ist Henry Wegener, der einen Straußen-Hof in Rechtsupweg betreibt und seit zwei Wochen seine Erzeugnisse in Emden anbietet. Sein Stand zieht viele neugierige Blicke auf sich und er muss auch viele Fragen zu seinen Produkten beantworten.
Zum Angebot von Wegener gehören Eier sowie Fleisch- und Wurstwaren von dem großen Laufvogel, der eigentlich in den Steppen Afrikas und Vorderasiens beheimatet ist. Ein Straußenei ist laut Wegener etwa 15 bis 20 Zentimeter lang und wiegt zwischen 1300 und 1800 Gramm. Der Inhalt entspricht etwa 25 bis 30 Hühnereiern. „Von einem Rührei können circa acht Personen satt werden“, sagt Wegener. Bei ihm kostet ein Straußenei derzeit 27 Euro.
Liköre in 15 Geschmacksrichtungen
Spezialisiert haben er und seine Frau Ines Wegener auch auf die Herstellung von Eierlikören aus Straußeneiern, die es mittlerweile in 15 Geschmacksrichtungen gibt, beispielsweise Kaffee, Marzipan oder Nuss-Nougat. Den Straußen-Hof in Rechtsupweg betreiben die Wegeners seit fünf Jahren. Gegenwärtig halten sie dort insgesamt 18 Strauße, die in Gruppen von jeweils einem Hahn und fünf Hennen gehalten werden.
Der Stand wird zunächst bis Ende März jeweils dienstags und freitags auf dem Emder Wochenmarkt sein. Danach kommt Wegener vorläufig nur noch dienstags, weil er vom Frühjahr bis zum Herbst auch den saisonalen Markt in Neuharlingersiel beschickt.
Zunächst hatte es nur Absagen gegeben
Nach eigenen Angaben hatte der Händler bereits drei vergebliche Anläufe gemacht, einen Standplatz in Emden zu bekommen. „Es hieß aber jedes Mal, dass es keinen Platz gibt“, schildert er. Erst auf Betreiben von Marktmeister Heinrich Boomgaarden, der dieses Amt im Sommer 2022 übernahm, habe es jetzt geklappt.
Ähnliche Erfahrungen hat auch Jann Meyerhoff aus Ugant-Schott gemacht. „Ich habe mich schon länger um einen Platz bemüht, vorher aber immer Absagen bekommen“, sagt der 67-Jährige. Die Zusage habe er dem Emder Marktmeister zu verdanken, der ihn in Norden angesprochen habe.
Käse, Wurst und Honig von Direkterzeugern
In seinem mobilen Bauernladen verkauft Meyerhoff Wurst, Käse und Honig von Direktvermarktern aus der Region. Im Angebot hat er unter anderem Produkte vom Käse-Hof in Pilsum sowie ostfriesische Pümmelwurst. Meyerhoff baut seinen Stand dienstags auf dem Neuen Markt in Emden auf und war in dieser Woche das dritte Mal dort. „Mit dem Zulauf bin ich zufrieden“, sagt er. An anderen Wochentagen ist der Händler in Norden, Neuharlingersiel und anderen Küstenorten unterwegs.
Die Zahl der bei der Stadt registrierten Markthändler ist damit seit dem Herbst auf 28 gestiegen, drei davon sind allerdings rein saisonale Anbieter, die zum Beispiel im Frühjahr nur Spargel verkaufen. Im vergangenen Jahr hatten innerhalb von vier Monaten zwei Obst- und Gemüsehändler den Wochenmarkt nach Jahrzehnten verlassen. Im August gab der Spargel- und Gemüsehof von Ludger und Maria Holtvogt aus Nikolausdorf seinen großen Stand in Emden auf, im November folgte der Bio-Bauer Karl-Heinz Kehl vom Hof am Dollart in Wybelsum.
Stadt ist mit weiteren Händlern im Gespräch
Die Stadt versucht, die Abgänge zu kompensieren. „Um ein reichhaltiges Angebot auf dem Wochenmarkt auch auf Dauer zu sichern, sind wir aktuell mit weiteren Händlern in den Bereichen Blumen, Obst und Bio-Gemüse im Gespräch“, teilte Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage mit.
Oberstes Ziel sei es, „nachhaltig einen attraktiven Wochenmarkt in Emden anbieten zu können“. Allerdings müssten dabei Größe, Angebot und Zeitpunkt passen, so der Sprecher. Dem städtischen Marktmeister bescheinigt er, dieses Amt „mit großem Engagement und lösungsorientiert“ wahrzunehmen.
Händlern fehlen Nachfolger und Personal
Aber die Stadt weiß, dass es nicht einfacher wird, neue Stände zu gewinnen. In der Verwaltung gehen sie davon aus, dass in den nächsten Jahren weitere Händler vor allem altersbedingt aufhören werden. Hinzu kommt, dass die Marktbeschicker seit langem über Personalmangel klagen und aufgrund der Preissteigerungen für Lebensmittel „nicht mehr ausreichende Gewinnaussichten“ haben, wie es eine Sprecherin schon im November formulierte. Die Entwicklung ist nicht nur in Emden so. In Deutschland haben gegenwärtig viele Wochenmärkte mit Rückgängen von Händlern zu kämpfen.
Umso glücklicher ist man in Emden über die jüngsten Neuzugänge. In den nächsten Wochen werden weitere Lücken geschlossen mit Händlern, die aus der Winterpause zurückkehren. Dazu gehören laut Stadt der Gemüsehof „Lütje Plaats“ der gemeinnützigen Gesellschaft Agilio und ein Händler mit Artikeln aus Olivenholz. Zudem wird ein Messerschleifer wieder an einigen Markttagen seine Dienste anbieten. Von vielen Stammbesuchern schon sehnsüchtig zurück erwartet wird das Kaffeeauto von Heidemarie Heyer, das in den wärmeren Jahreszeiten ein beliebter Treffpunkt ist.
Einkauf von regionalen Produkten wird leichter gemacht
Bio-Landwirt Karl-Heinz Kehl verlässt den Emder Wochenmarkt
Der Wochenmarkt kommt langsam aus der Winterpause