Hamburg  Warum manche EU-Staaten ihr Gas immer noch aus Russland beziehen

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 21.02.2023 16:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Trotz des Ukraine-Krieges beziehen weiterhin einige EU-Staaten ihr Gas aus Russland. Foto: dpa/Jens Büttner
Trotz des Ukraine-Krieges beziehen weiterhin einige EU-Staaten ihr Gas aus Russland. Foto: dpa/Jens Büttner
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Die Europäische Union möchte Russland sowohl politisch als auch wirtschaftlich isolieren. Dazu verzichten viele Staaten auf russisches Gas – allerdings längst nicht alle. Ein EU-Mitglied importiert sogar mehr Gas aus Russland als vor dem Ukraine-Krieg.

Im Gegensatz zu russischem Öl hat die Europäische Union das Gas aus Russland nicht sanktioniert. Daher beziehen noch immer einige EU-Staaten trotz des Ukraine-Krieges ihre Gaslieferungen von dort. Anders sieht es in Deutschland aus. Die Bundesrepublik bekommt ihr Gas mittlerweile vor allem aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden.

Ähnlich verhält es sich in anderen EU-Ländern, wo Russland die Gaslieferungen entweder eingestellt hat oder die Staaten aus eigenen Stücken die Lieferverträge gekündigt haben. Doch manche EU-Mitglieder können oder möchten sich nicht von den russischen Gaslieferungen trennen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, kamen im November des vergangenen Jahres immerhin noch 13 Prozent der Gasversorgung in der EU aus Russland.

Sehen Sie in der Statista-Grafik die Zahl der aktiven Sanktionen gegen Russland:

Zwar sind die Lieferungen seit der russischen Invasion deutlich gesunken – im November 2021 betrug der Wert noch 40 Prozent. Allerdings gehörte Russland zwischen Januar und November 2022 mit gut 25 Prozent weiterhin zu den wichtigsten Gaslieferanten für die EU.

Doch warum genau beziehen manche EU-Staaten ihr Gas weiterhin aus Russland? Dafür gibt es mehrere Gründe. So gelingt es beispielsweise Österreich schlichtweg nicht, sich von den bestehenden Lieferverträgen zu lösen. Die österreichischen Energie- und Petrochemiefirma OMV unterhält eine Vereinbarung mit dem russischen Gaskonzern Gazprom bis zum Jahr 2040.

Nach Angaben des „Handelsblatt“ kamen in Österreich allein im Dezember des vergangenen Jahres 70 Prozent des importierten Erdgases aus Russland – und das, obwohl der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) im selben Monat erklärt hatte, dass das Land den Anteil des russischen Gases deutlich reduziert habe.

Ein weiteres Beispiel für die Abhängigkeit von russischem Gas ist Italien. Zwar will das Land künftig auf Importe aus Algerien, Libyen und Aserbaidschan setzen. Allerdings dürfte Italien noch mindestens das gesamte Jahr 2023 sein Gas aus Russland beziehen, um seinen kompletten Bedarf an Energie decken zu können.

Sehen Sie in der Statista-Grafik den europäischen Gasimport aus Russland durch die Pipelines Nord Stream, Ukraine Transit, Yamal und Turkstream von 2022 bis 2023:

Bevor der Krieg in der Ukraine ausbrach, erhielt Italien rund 40 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. 2022 sank der Anteil auf 19,3 Prozent. Dennoch schafft es das Land noch nicht ganz, auf die russische Energie zu verzichten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten hat Spanien seine Importe von russischem Gas seit dem Ukraine-Krieg sogar noch gesteigert – obwohl das Land vergleichsweise unabhängig von derartigen Lieferungen ist. Im vergangenen Jahr stiegen die Importe von russischem Gas um 45 Prozent, wie das „Handelsblatt“ berichtet.

Lesen Sie auch: Putin: Antirussische Sanktionen verfehlen ihr Ziel

Zwar habe die Regierung den spanischen Energiehändlern empfohlen, „die Herkunft des russischen Gases zu minimieren und alle Verträge, die sie bisher hatten, zu diversifizieren.“ Allerdings ist eine solche Empfehlung längst keine Verpflichtung.

Darüber hinaus musste Spanien nach eigenen Angaben mehr Gas importieren, um andere EU-Länder zu versorgen. Zudem habe das Land selbst mehr Gas für die Stromproduktion gebraucht und mehr Strom nach Frankreich sowie Portugal exportiert.

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