Stadt stellt Pläne vor Nadelöhr am Emder Nordertor soll entschärft werden
Der Ausbau des Straßenabschnitts zwischen der Lindenhof-Kreuzung und der Wolthuser Straße beginnt im Sommer. Mehrere Bäume mussten dafür schon jetzt weichen.
Emden - An den Wallaufgängen beim Lindenhof in Emden kreischten am Mittwoch die Kettensägen. Mitarbeiter des Bau- und Entsorgungsbetriebes der Stadt (BEE) fällten dort an beiden Seiten insgesamt vier große Bäume und den Stumpf eines Baumes, der bei einem Sturm abgeknickt war. Das kam überraschend, weil die Stadt diese Arbeiten entgegen ihren Gepflogenheiten im Vorfeld nicht angekündigt hatte.
Was und warum
Darum geht es: ein für Emden wichtiges Straßenbauprojekt
Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer in Emden sowie Anlieger im Bereich Nordertor
Deshalb berichten wir: Die Stadt hat am Dienstag in einer öffentlichen Veranstaltung erstmals Details des Projekts vorgestellt. Unser Reporter nahm daran teil. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die Aktion war erst am Abend zuvor bei einer Informationsveranstaltung der Stadt bekannt geworden. Dabei ging es um den bevorstehenden Ausbau der Nordertorstraße zwischen dem Anfang der Wolthuser Straße und dem Knotenpunkt bei der Tanzschule Astrid Löschen, der im Volksmund auch Lindenhof-Kreuzung genannt wird.
Abschnitt gehört zum Projekt Wolthuser Straße
Die Beseitigung der Bäume an beiden Wallaufgängen steht in Zusammenhang mit diesem Projekt, das die Stadt laut dem zuständigen BEE-Abteilungsleiter Wolfgang Fecht im Juni oder Juli in Angriff nehmen will. Es handelt es sich dabei um einen weiteren Bauabschnitt der Wolthuser Straße und der Uphuser Straße. Die Sanierung dieser wichtigen Einfallstraße ist mittlerweile ins achte Jahr gegangen.
Die Planung für den Abschnitt zwischen der Kreuzung an der Tanzschule und der Einmündung der Straße Außer dem Nordertor ist komplex, zumal es sich um ein Nadelöhr handelt. Die Aufgänge zum Wall, die Bushaltestellen auf beiden Seiten und die Brücke über den Stadtgraben liegen dort auf engstem Raum nebeneinander. Hinzu kommt: Viele Verkehre greifen dort ineinander, zumal sich auch die Integrierte Gesamtschule (IGS) in der Nähe befindet und deshalb morgens und mittags starker Schülerverkehr herrscht.
Mehr Sicherheit für Radfahrer
Es ist aber auch quasi das Eingangstor nach Wolthusen und den anderen östlichen Stadtteilen. Die Stadt hat dort laut Fecht 9600 Kraftfahrzeuge an einem Werktag und 670 Radfahrerbewegungen binnen einer Stunde in alle Richtungen gezählt. Insbesondere an den Aufgängen zum Wall gebe es „ein hohes Konfliktpotenzial“, so der BEE-Mitarbeiter.
Die Situation soll durch den Ausbau entschärft werden. Zudem ist vorgesehen, den Bereich für Radfahrer sicherer zu machen. Das soll unter anderem durch rot eingefärbte Bereiche vor den Ampeln der Lindenhof-Kreuzung, an den Wallaufgängen und auf der Wolthuser Straße an der Einmündung der Straße Außer dem Nordertor erreicht werden. Bei den Planungen hat der BEE ein auf den Radverkehr spezialisiertes Ingenieurbüro hinzugezogen.
Emden bekommt erstmals ein „Doppel-Zebra“
Mehr Sicherheit will die Stadt auch an den Wallaufgängen schaffen. Dort sollen kleine Plätze geschaffen werden, die für mehr Übersicht sorgen. Dafür mussten die Bäume weichen, deren breites Wurzelwerk in den Straßenraum ragt. Gefällt wurden die Bäume schon jetzt, weil das gesetzlich nur noch in diesem Monat erlaubt ist.
Für den Überweg für Fußgänger und Radfahrer, der zwischen den Wallaufgängen über die Straße führt, greift die Stadt auf eine Variante zurück, die es bisher in Emden noch nicht gibt. Bei Verkehrsexperten ist sie als „Göttinger Doppel-Zebra“ bekannt. Dabei wird ein separater Streifen für Radfahrer in der Mitte des Zebrastreifens integriert. Dadurch sollen Radfahrer und Fußgänger gleichzeitig die Straße überqueren können, ohne dass es zu Konflikten kommt.
Auf der Brücke bleibt es eng
Das „Doppel-Zebra“ wurde von der Stadt Göttingen entwickelt und dort erstmals 2004 und 2005 umgesetzt. Damit seien positive Erfahrungen gemacht worden, heißt es. Für Autos soll künftig in dem gesamten Abschnitt durchgängig Tempo 30 gelten.
Auf der Brücke über den Stadtgraben wird es auch künftig eng bleiben. Die Breite der Fahrbahn reiche dort nicht aus, um Schutzstreifen für Radfahrer anzulegen, sagte Hinrich Post von der Verkehrsbehörde der Stadt. Die Brücke lasse sich auch nicht verbreitern, weil das mit hohem Aufwand und Kosten in Millionenhöhe verbunden wäre, so Fecht. Es sei auch überlegt worden, eine parallel verlaufene Brücke für Radfahrer zu bauen. Das sei aber zu kompliziert und ebenfalls zu teuer. Fecht: „Es lässt sich nicht alles perfekt lösen.“
Verkehr wird einspurig an Baustelle vorbei geführt
Eine der wichtigsten Nachrichten für Bewohner von Wolthusen, Uphusen sowie der Nachbargemeinde Ihlow dürfte sein, dass die wichtige Einfallstraße während der Arbeiten im Sommer voraussichtlich nur für ein Wochenende voll gesperrt werden muss. Ansonsten soll die Baustelle aber stets einspurig von Autos passiert werden können, versicherte Fecht am Dienstag während der Info-Veranstaltung in der Aula der IGS. Daran nahmen gut 20 Anliegerinnen und Anlieger teil.
Der Verkehr soll während der Bauphase über eine Baustellenampel geregelt werden. Auf Wolthuser Seite wird eine Ampel vor der Brücke über den Stadtgraben aufgestellt, auf der innerstädtischen Seite soll das über die Ampelschaltung am Knotenpunkt bei der Tanzschule Löschen geregelt werden.
Acht Bauabschnitte sind geplant
Allerdings bleibt die einspurige Abzweigung der Nordertorstraße, die aus Richtung Schule am Wall kommend auf die Tanzschule zuführt, komplett gesperrt. Behinderungen des Verkehrs sowie Unannehmlichkeiten für Anlieger ließen sich nicht vermeiden, so Fecht.
„Es ist ein neuralgischer Punkt“, sagte auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), der wegen der Tragweite des Vorhabens persönlich an der Veranstaltung teilnahm. Der BEE und die Verkehrsbehörde gäben sich aber „ganz viel Mühe, die Einschränkungen möglichst gering zu halten“. Die zuständigen Mitarbeiter seien auch jederzeit für Kritik, Wünsche und Anregungen ansprechbar. „Bislang haben wir immer Lösungen gefunden“, meinte Fecht.
Geplant sind insgesamt acht einzelne Bauabschnitte. Zuletzt soll der komplette Knotenpunkt an der Tanzschule Löschen eine neue Asphaltdecke erhalten. Diese Arbeiten sind für die Herbstferien geplant. Der BEE geht von einer Bauzeit von insgesamt etwa drei Monaten aus. Die Kosten stehen noch nicht fest, zumal die Arbeiten erst im März europaweit ausgeschrieben werden. Vor dem Start des Straßenbaus werden die Stadtwerke in diesem Abschnitt neue Leitungen für die Strom- und Wasserversorgung verlegen lassen.