Grotlüschen im Interview „Es mag bekloppt sein, aber ich liebe diese Truppe“
Die „Dreifach-Belastung“ ist gewollt. Denn Bernd Grotlüschen bekommt vom Fußball nicht genug. Der Firrel-Trainer spricht über die Gegenwart, Zukunft, Familie und Finanzen.
Firrel - Morgens um kurz nach sieben Uhr aus dem Haus, abends nicht vor zehn zurück. Solche Tage gibt es im Leben des Bernd Grotlüschen mehrmals die Woche. Doch der 38-jährige Wahl-Emder möchte es so. Familie, Beruf und Fußball sind die drei Säulen, die Bernd Grotlüschen unter einen Hut bekommen möchte – mit so wenig Abstrichen wie möglich und auch für mindestens ein weiteres Jahr. Denn er hat seinen Vertrag als Trainer bei Landesligist Grün-Weiß Firrel erneut verlängert.
Im Sommer wird Grotlüschen somit in sein achtes Jahr in Doppelfunktion bei den Grün-Weißen gehen. Schließlich bekommt er auch als Spieler nicht genug. Grotlüschen ist der einzige Spielertrainer der Landesliga Weser-Ems. Steht Fußball bei ihm über allem? Nein, wie er in einem Interview mit unserer Zeitung betont. Der zweifache Familienvater und selbstständige Unternehmer – er betreibt die Textilfirma 1a-shirt.de in Emden mit acht Angestellten – spricht unter anderem über seine gewollte „Dreifach-Belastung“, was sich seit seinem Wechsel von Kickers Emden 2015 zu Firrel bei GW verändert hat und wie er sich seine Zukunft und die des Vereins vorstellt.
„Bernd Grotlüschen geht in seine zehnte Saison als Firrel-Trainer“: Wie realistisch ist diese Schlagzeile für Anfang 2025?
Grotlüschen (überlegt): Ich weiß, dass ich dem Ende meiner Karriere entgegen gehe. Dass ich in zwei, drei Jahren selber noch spiele – auf diesem Niveau –, glaube ich eher weniger. Ob ich noch drei weitere Saisons Firrel-Trainer sein werde, ist dagegen ein Blick in die Glaskugel.
Wenn Sie wetten müssten: Coacht Bernd Grotlüschen Grün-Weiß Firrel über den Sommer 2025 hinaus? Ja oder Nein?
Grotlüschen: Dann würde ich wohl ‚Ja‘ sagen. Aber die Entscheidung liegt ja nicht nur bei mir.
Bei wem denn noch?
Grotlüschen: Zum einen natürlich beim Verein, er muss das ja auch wollen. Zum anderen spielt meine Familie eine wichtige, eine immer wichtigere Rolle. Wenn meine Frau möchte, dass ich diesen Aufwand für den Fußball nicht weiter betreibe, dann werde ich dem auch folgen. Meine Frau ist ein Riesenrückhalt, ohne ihre Unterstützung wäre ich schon längst nicht mehr Spielertrainer bei Firrel. Sie und meine beiden Söhne sind auch so gut wie jedem Heimspiel dabei, das freut mich. In diesem Winter hat der Familienrat lange und intensiv getagt, wie es fußballerisch weitergeht.
Letztendlich wurde für ein weiteres Trainerjahr bei Firrel gestimmt.
Grotlüschen: Exakt. Meine Frau weiß, wie viel mir der Fußball bedeutet, und vor allem die jetzige Mannschaft in Firrel. Manch einer sagt mir, dass ich verrückt wäre, als Familienvater und mit so einem zeitintensiven Job einen Fußball-Landesligisten zu trainieren. Vor allem, weil Emden und Firrel ja nicht gerade nebenan liegen. Der Aufwand mag auch bekloppt sein, aber ich liebe diese Truppe einfach. Sie ist mit den Jahren immer weiter zusammengewachsen.
Der Großteil der Mannschaft spielt tatsächlich schon seit dem Aufstieg in die Landesliga 2018 so zusammen. 13 der damals 19 Spieler des Kaders sind auch in diesem Jahr schon für Firrel aufgelaufen.
Grotlüschen: Das zeigt die Kontinuität, die wir in die Mannschaft bekommen haben. Und dass es den Jungs offensichtlich bei uns gefällt. Jetzt in der Winterpause hat die Mannschaft ihr eigenes Reich oben – also ihre neue Kabine – ausgebaut und aufgepeppt, alles eigenständig. Jeder Spieler hat seinen eigenen Platz, ein Tischkicker steht jetzt neu in der Kabine und auch ein Beer-Pong-Tisch soll noch folgen. Die Arbeit machen sich die Jungs ja nicht, wenn sie den Verein bald verlassen wollen.
Fakt ist aber auch, dass Ihr Team den höchsten Altersschnitt aller Landesligisten hat. Fast die Hälfte der Spieler ist über 30 Jahre alt. Davon werden gewiss nicht alle wie Sie mit 37 noch in der Landesliga spielen wollen.
Grotlüschen: Das ist richtig. Wir müssen uns nichts vormachen: Unserem Kader steht in den nächsten Jahren ein gewisser Umbruch bevor. Angst und Bange wird mir da aber nicht. Wir haben uns mittlerweile ein gutes Image aufgebaut, sind auch für junge Spieler eine interessante Adresse. Vor einigen Jahren hieß es: Gehe zu Firrel, wenn du Geld mit dem Fußball verdienen willst. Mittlerweile ist das anders, es geht mehr ums Sportliche, um das Teamgefühl.
Was bekommen Spieler bei GW Firrel denn so finanziell?
Grotlüschen: Auf jeden Fall weniger als vor Corona. Wir haben die Summen angepasst und einander angeglichen. Die Unterschiede zwischen jungen Talenten und erfahrenen Leistungsträgern sind nicht mehr so groß, wie sie mal waren. In der Landesliga gehören wir gewiss zu den Teams, die die geringste Aufwandsentschädigung bezahlen.
Sportlich steht Ihr Team dagegen als Neunter im Liga-Mittelfeld. Was ist die Zielsetzung für die restliche Saison?
Grotlüschen: Wir wollen so früh wie möglich den Klassenerhalt fix machen. Dank einer tollen Serie zum Jahresende haben wir ein Polster von 13 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Das reicht aber noch nicht. Die Liga ist leistungsmäßig sehr ausgeglichen, da kann man in der Tabelle schnell mal klettern oder fallen. Wir wollen den Schwung durch die überragende Hallen-Saison mit vier Titeln aus vier Turnieren mitnehmen. Das Auftaktprogramm in der Landesliga ist mit Partien in Bad Rothenfelde, Schüttorf und Meppen recht anspruchsvoll.
Zum Abschluss noch eine Frage zu Ihnen persönlich. In der Hinrunde haben Sie sich sechsmal selbst eingewechselt. Wieviele Einsatzminuten werden es in der Rückserie?
Grotlüschen: Hoffentlich nicht ganz so viele (lacht). Natürlich spiele ich gerne, aber ich bin froh, wie die Jungs das zuletzt gemacht haben. Da möchte ich niemandem den Platz auf dem Feld wegnehmen. Ich mache jetzt in der Vorbereitung volle Pulle mit, gebe die Trainingsleitung dann gerne mal an meinen Co-Trainer Ralf Potthoff weiter. Das passt sehr gut. Wenn ich im Spiel gebraucht werde, werde ich da sein.