Aurich leitet Planverfahren ein  Wieder ein Schritt zum Bestattungswald

| | 23.02.2023 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Namensschilder stehen am Stamm eines Baumes. Die Zahl der Bestattungswälder wächst. Foto: Frey/dpa
Namensschilder stehen am Stamm eines Baumes. Die Zahl der Bestattungswälder wächst. Foto: Frey/dpa
Artikel teilen:

Aurich plant einen Bestattungswald. Im Popenser Gehölz sollen Urnen mit der Asche Verstorbener unter Bäumen beigesetzt werden. Doch der Weg dorthin gestaltet sich kompliziert.

Aurich - Eine weitere Hürde auf dem Weg zum Bestattungswald in Aurich ist genommen: Der Auricher Rat hat das Bauleitplanverfahren eingeleitet. Der Bauausschuss befürwortete am Mittwochabend einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans. Im Popenser Gehölz sollen demnächst Urnen mit der Asche Verstorbener an Baumwurzeln beigesetzt werden. Diese Bestattungsform, die in Deutschland seit 2001 möglich ist, wird immer beliebter.

Der künftige Bestattungswald liegt rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
Der künftige Bestattungswald liegt rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Das 8,5 Hektar große Gelände in Popens liegt etwa zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und gehört der JJ Krematorium Ostfriesland GmbH mit Sitz in Schirum. Die Stadt will das Grundstück pachten. Der Pachtvertrag sei so gut wie unterschriftsreif und werde in etwa zwei Wochen unterzeichnet, teilte Fachbereichsleiterin Laura Rothe am Donnerstag auf Anfrage mit. Krematoriums-Geschäftsführer Jakob Janssen bestätigte, dass er sich mit der Stadt weitgehend einig sei.

„Das ist für die Stadt ein Großprojekt“

Es dürfte jedoch noch einige Zeit dauern, bis die ersten Baumbestattungen in Popens stattfinden können. Das Bauleitplanverfahren werde sich womöglich bis ins kommende Jahr hinziehen, sagte Rothe. „Das ist für die Stadt ein Großprojekt. Wir ändern die Nutzung von Wald in Friedhof.“ Dabei seien etliche planungsrechtliche Fragen zu klären.

„Bei uns steht das in der Priorität ganz oben“, sagte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß auf Anfrage. Doch es hänge nicht von der Stadt allein ab, wie lange sich das Verfahren hinzieht. Das Popenser Gehölz ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes. Daher bedarf es einer Ausnahmegenehmigung des Landkreises. Südöstlich grenzt ein Wasserschutzgebiet für das Wasserwerk Aurich-Egels an. Fragen des Natur- und Umweltschutzes müssen geprüft werden. Bürger und Behörden sind zu beteiligen. Gutachten müssen verfasst werden. Das alles braucht Zeit.

Idee verschwand in der Schublade

Sobald ein gültiger Bebauungsplan vorliegt – voraussichtlich erst im kommenden Jahr –, wird die Stadt den Betrieb des Bestattungswaldes europaweit ausschreiben. „Da erhoffe ich mir einige Bewerber“, sagt Rothe. Die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH lässt offen, ob sie sich bewerben wird. „Wir warten die Ausschreibung ab“, sagte Janssen. Grundsätzlich habe er Interesse.

In Aurich wurde 2009 das erste Mal über einen Bestattungswald diskutiert. Die Idee verschwand zunächst in der Schublade. 2019 klopfte die Firma Friedwald bei der Stadt an. Sie wollte in Zusammenarbeit mit den Landesforsten im Sandhorster Wald auf einer Fläche von 31 Hektar Baumbestattungen anbieten. Weil damit Eingriffe in die Natur verbunden gewesen wären – unter anderem Baumfällungen im großen Stil –, stieß die Idee auf Skepsis. Daraufhin schlug die Gedächtniswald Logabirum GmbH vor, im Eschener Gehölz einen 6,7 Hektar großen Gedächtniswald anzulegen, ähnlich der Einrichtung in Leer-Logabirum. 2020 meldete sich schließlich ein dritter Interessent: die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH. Sie schlug als Standort das Popenser Gehölz vor.

„Wir glauben an unser Konzept“

Im Juli 2020 fasste der Auricher Rat einen Grundsatzbeschluss zur Einrichtung eines Bestattungswaldes und startete ein Auswahlverfahren. Im September 2021 schien die Sache dann geklärt zu sein. Die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH sollte den Zuschlag bekommen. Geschäftsführer Janssen hatte in Aussicht gestellt, dass ab Mitte 2022 in Popens die ersten Urnen bestattet werden könnten. In letzter Minute stoppte Rothe, die kurz zuvor bei der Stadt als Fachbereichsleiterin für Recht, Ordnung und Bürgerdienste angefangen hatte, das Verfahren. Das Projekt müsse öffentlich ausgeschrieben werden, erklärte die Juristin. Sonst könnten unterlegene Bewerber oder andere Interessenten, die nichts davon wussten, auf Schadenersatz klagen. „Wir sind zu Transparenz und Fairness verpflichtet.“

Die Entscheidung für den Standort Popens bedeutet nicht, dass der Grundstückseigentümer automatisch der Betreiber ist. Das sind zwei Paar Schuhe. Daher pachtet die Stadt das Grundstück und schreibt den Betrieb des Bestattungswaldes aus. Die Gedächtniswald Logabirum GmbH habe nach wie vor Interesse, hatte Generalbevollmächtigter Enno Herlyn im Januar gesagt: „Ganz klares Ja. Wir glauben an unser Konzept.“ Auch die Firma Friedwald hatte im vergangenen Jahr erklärt, dass sie weiterhin interessiert sei. Fachbereichsleiterin Rothe freut sich, dass auch die Politik nach wie vor hinter dem Projekt steht. Die künftige Erste Stadträtin sagt: „Was lange währt, wird endlich gut.“

Ähnliche Artikel