Osnabrück Inkommodieren: Wenn man anderen nicht zur Last fallen will
Inkommodieren: Dieses Wort sagt niemand mehr. Dabei lohnt es sich, über diesen Ausdruck neu nachzudenken. Es geht um Höflichkeit und die Kunst, anderen nicht im Weg zu stehen.
Pardon, aber ich möchte Sie nicht inkommodieren: Wer heute einen solchen Satz sagt, erntet bestenfalls einen ungläubigen Blick, eher wohl lautes Gelächter. Schon das Pardon wird als Ausdruck der Höflichkeit nicht verstanden. Und das Wort inkommodieren klingt nach Mahagoni-Tisch und Gebäck zum Tee. Dabei wäre gegen feine Möbel und Tee mit Gebäck so gar nichts zu sagen. Und noch viel weniger gegen die höfliche Nachfrage, ob man jemand inkommodiert, ihm oder ihr also Unbequemlichkeiten bereitet hat. Der veraltet wirkende Ausdruck verdient mehr als nur nostalgischen Rückblick – wie übrigens alle Wörter, die das Verhältnis zu anderen reflektieren und geraderücken helfen.
Andere zu inkommodieren gehört sich einfach nicht. Wer das tut, fällt anderen zur Last, macht ihnen auf die eine oder andere Weise das Leben schwer. Umgekehrt kann es durchaus positiv gemeint sein, sich selbst zu inkommodieren. Dann macht man es sich selbst schwerer, als es sein müsste – etwa, indem man sich um andere bemüht, sich in einer Sache engagiert, gern auch über das normale Maß hinaus. So kann das Wort zwei Bedeutungen haben. Immer aber geht es um den genauen Blick auf sich und andere und auf die Verhältnisse des gemeinsamen Lebens. Auf keinen Fall inkommodieren: Diese Maxime führt zu jener Selbstrücknahme, die das soziale Leben erleichtert, weil es anderen Menschen jenen Platz einräumt, den sie selbst brauchen.
Inkommodieren: Das Wort wurde im 17. Jahrhundert nach dem französischen Verb incommoder gebildet. Welch Wunder. Die französische Sprache ist voll von Wörtern, die etwas mit der genauen Beobachtung sozialen Lebens zu tun haben. Dieser Zug verdankt sich jener höfischen Kultur, die dem französisch geprägten Alltagsleben bis heute tief eingeprägt ist. In dem Verb inkommodieren steckt natürlich auch das Adjektiv kommod, das etwas als bequem und angenehm bezeichnet. Und wer möchte schon das Gegenteil? Dass in Günter Grass´ Roman „Ein weites Feld“ die DDR als „kommode Diktatur“ bezeichnet wird, ist da schon ein ganz anderes Thema. Damit sei jetzt aber kein Leser über Gebühr inkommodiert.