Osnabrück Selenskyjs Heldentum krankt nur an einem einzigen Irrtum
Was die Ukraine seit einem Jahr erleiden muss, ist eines der größten Kriegsverbrechen des 21. Jahrhunderts. Der Widerstand der Ukrainer ist heldenhaft, aber hält er Putins Größenwahn stand?
Seit den frühen Morgenstunden des 24.02.2022 schickt Putin Unmengen an Soldaten, Panzern, Drohnen und Granaten in die Ukraine. Und ebenso lange kämpfen die Ukrainer Angriffswelle für Angriffswelle nieder, auch wenn die Übermacht Russlands riesig erscheint.
Der Krieg ist noch längst nicht entschieden. Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Armee haben Kiew verteidigt, besetzte Gebiete teilweise zurückerobert und die Stellung selbst im umkämpften Bachmut gehalten. So hat sich Putin seinen Feldzug sicher nicht vorgestellt. Hält die Hilfe des Westens an, werden die russischen Truppen an der über 1000 Kilometer langen Front weitere Niederlagen erleiden.
Kann der Westen die Unterstützung bei Aufklärung, Waffen und Munition beibehalten? Sicherlich. Die hiesige Wirtschaft ist der russischen weit überlegen. Die USA und die Europäer müssen nur die Rüstungsanstrengungen hochfahren. Für Deutschland bedeutet das einen harten Kurswechsel.
Kanzler Olaf Scholz hat für die kaputt gesparte Bundeswehr eine Zeitenwende angekündigt, aber bei weitem noch nicht umgesetzt. Es wird Protest geben, von Friedensgruppen und anderen. Doch am Ende wird es in der EU keine Mehrheit für eine Politik geben, die dazu führt, die Ukraine ihren Peinigern auszuliefern.
Putin will einen neuen Eisernen Vorhang durch Europa ziehen. Westeuropa steht in der Verantwortung, dass Kiew in diesem neuen Kalten Krieg auf der Seite der Freiheit bleibt.
Die Schlachtfelder in der Ostukraine kündigen eine Weltordnung an, die eher einer Weltunordnung gleichen wird. Auf der einen Seite stehen Demokratien, auf der anderen Autokratien. Hier der Westen mit seinen Alliierten wie Japan und Südkorea. Dort Russland und aufstrebende Regional- und Weltmächte wie China, Indien oder der Iran. Sie eint ein Ziel: Die Vormachtstellung der USA zu brechen.
Diesem Poker der Großmächte dürften noch viele Menschen zum Opfer fallen. Hunderttausende Tote und Verletzte sind in der Ukraine bereits zu beklagen. Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Selenskyjs Heldentum krankt nur an einem einzigen Irrtum. Die Rückeroberung der Krim als Ziel auszurufen, war ein Fehler. Aus dem Regionalkonflikt wurde bereits de facto eine Art Stellvertreterkrieg. Dieser darf unter keinen Umständen in einen Weltkrieg münden. Das Risiko ist immens, dass Moskau alles riskieren wird, um die Krim nicht zu verlieren. Manche scheinen zu vergessen, dass Russland nicht der Irak oder Serbien ist, sondern die größte Atommacht der Welt.