Klare Entscheidung  Politik sperrt Ferienwohnungen-Wildwuchs in Greetsiel

| | 24.02.2023 14:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch gibt es hier und da Grünflächen im Fischerdorf Greetsiel. Damit das so bleibt und Ferienwohnungsbau reguliert wird, hat die Politik eine Entscheidung getroffen. Foto: Hock/Archiv
Noch gibt es hier und da Grünflächen im Fischerdorf Greetsiel. Damit das so bleibt und Ferienwohnungsbau reguliert wird, hat die Politik eine Entscheidung getroffen. Foto: Hock/Archiv
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Einstimmig wurde beschlossen, so schnell wie möglich härter in den Ferienwohnungsbau einzugreifen. Ein geplantes 90-Zimmer-Hotel wirft ebenfalls noch viele Fragen auf.

Krummhörn - Im beschaulichen Krummhörner Fischerdorf Greetsiel reiht sich schon jetzt ein Ferienhaus an das andere. Weil sich immer mehr Einheimische kritisch dazu äußern, ist auch die Gemeindepolitik denkbar zurückhaltend, wenn nicht gar ablehnend geworden. Am Donnerstag kam der Infrastruktur-Ausschuss im Rathaus in Pewsum zusammen und stimmte geschlossen für gleich mehrere sogenannte Veränderungssperren. Betroffen sind hier die Bereiche Pilsumer Weg und Achterum, Pferdekoppel und Boomstroat in Greetsiel.

Was und warum

Darum geht es: die Balance zwischen Tourismus und Lebensqualität für Einheimische in Greetsiel

Vor allem interessant für: Menschen, die in Greetsiel leben oder das Dorf gerne besuchen sowie Leute, die in ihrer Kommune mit ähnlichen Themen zu tun haben

Deshalb berichten wir: Im Infrastruktur-Ausschuss des Krummhörner Gemeinderats betrafen gleich mehrere Tagesordnungspunkte die Regulation von Ferienwohnungsbauten in Greetsiel. Man wurde sich schnell einig. Das Thema wird in der Gemeinde schon seit Jahren immer wichtiger, deswegen berichten wir über den aktuellen Stand.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Veränderungssperren sorgen dafür, dass im gesperrten Gebiet keine Baugenehmigungen erteilt werden können, bis die Änderung des jeweiligen Bebauungsplanes vollzogen ist. Die Änderung der Bebauungspläne in den Bereichen wurde entsprechend ebenfalls einstimmig abgenickt. Durch diese soll der Bau von Ferienwohnungen besser reguliert und die Ferienwohnungen gleichzeitig auf rechtssichere Füße gestellt werden. Für den Pilsumer Weg und Achterum muss ein bestehender Bebauungsplan geändert werden, bei den Gebieten Pferdekoppel sowie Boomstroat wird zum ersten Mal ein solcher Plan erstellt. Das kann länger dauern - und die Investoren schlafen nicht.

Politik: Sperren sollen schnellstmöglich greifen

Ab wann die Änderungssperren, die die möglichen Bauwalzen aufhalten sollen, wie scherzhaft im Ausschuss gesagt wurde, denn dann in Kraft treten, war nicht nur Focko Smit (SPD) ein wichtiges Anliegen. Sie greifen, sobald im Gemeinderat, der am 2. März zusammen kommt, ebenfalls für die Sperren gestimmt wurde und sie im Amtsblatt des Landkreises Aurich veröffentlicht wurden, erklärte Ina Droll-Dannemann, Leiterin des Fachbereichs Bauwesen und Infrastruktur bei der Gemeinde. Das Amtsblatt erscheint zweimal die Woche.

Die Freie Bürgerliste (FBL) im Gemeinderat hatte mit ihrem Antrag im Dezember, dass die Baupläne verändert beziehungsweise erstellt werden sollen, die aktuelle Diskussion losgetreten. Durch die Pläne soll unter anderem geregelt werden, dass mindestens 30 Prozent der Grundstücksfläche als Kulturland, also Rasen, Rabatte, oder Äcker verwendet wird. Zur Einfriedung sollen Holzzäune, Hecken oder anderes organisches Material genutzt werden. Wie viel Fläche des Grundstücks bebaut werden darf und wie hoch die Geschosse sein dürfen, ist ebenfalls festgelegt. In den Bereichen Boomstroat und Pferdekoppel darf außerdem die Firsthöhe eines Hauses 8,50 Meter nicht überschreiten.

„Oase“ erweitern: ja - Ferienwohnungen: nein

Ob eine Freifläche am Seezungenweg, auf der zuvor mal ein Spielplatz gewesen war, in Zukunft bebaut werden darf, steht indes noch auf der Kippe. Die Fläche war in den Fokus gerückt, weil das nahegelegene Schwimmbad „Oase“ erweitert werden und dadurch ein Bebauungsplan geändert werden muss. Nach einer Gesetzesänderung 2017 müsse aber bei neuen Bebauungsplänen laut aktueller Nutzungsordnung der Beisatz „das Ferienwohnen in allgemeinen Wohngebieten ist (ausnahmsweise) zulässig“ eingefügt werden, so Droll-Dannemann. Man könne auch bewusst einfügen, dass Ferienwohnungen unzulässig seien, das aber würde in dem Bereich viele treffen.

Das Schwimmbad Oase wird derzeit noch umgebaut. Im Bereich der Sauna wird sie erweitert, was eine Diskussion zu Bauplan-Änderungen und Ferienwohnungen losgetreten hat. Foto: Hillebrand/Archiv
Das Schwimmbad Oase wird derzeit noch umgebaut. Im Bereich der Sauna wird sie erweitert, was eine Diskussion zu Bauplan-Änderungen und Ferienwohnungen losgetreten hat. Foto: Hillebrand/Archiv

„Anderswo verhindern wir die Bebauung, hier wird eine Freifläche freigegeben“, sagte Astrid Brants (SPD). Frank Schoof (FBL) schlug vor, dass die Fläche als Treffpunkt aufgewertet werden könnte. „Wir müssen nicht jede Grünfläche in Greetsiel zubauen“, meinte er. Bürgermeisterin Hilke Loodens (parteilos) Vorschlag, zunächst nur über die Erweiterung der Oase und die Schaffung einer öffentlichen Toilette auf dem Parkplatz des Schwimmbads abzustimmen und die Bebaubarkeit der Freifläche später detailliert zu besprechen, wurde geschlossen zugestimmt.

Knackpunkt: geplantes Jufa-Hotel

Ebenfalls geschoben wurde die Entscheidung zum geplanten Jugend- und Familien-Hotel (Jufa). Der geplante Standort befindet sich zwischen Deichlinie und der Straße Zur Hauener Hooge. 90 Zimmer sollen dort geschaffen werden sowie gastronomische und Freizeit-Angebote für Gäste wie Externe. Schon bei einer Info-Veranstaltung diese Woche hatte es hitzige Diskussionen gegeben. Auch im Ausschuss gab es noch viele Bedenken. Die Größe, die Beteiligung der Gemeinde mit zwei Millionen Euro, die Schaffung vieler Parkplätze, die Zuwegung und die Zuständigkeit für den veralgten Badesee warfen noch Fragen auf.

Teilweise auf der grünen Wiese soll ein 90-Zimmer-Hotel in Greetsiel entstehen. Das aber wird kritisch gesehen. Foto: Wagenaar
Teilweise auf der grünen Wiese soll ein 90-Zimmer-Hotel in Greetsiel entstehen. Das aber wird kritisch gesehen. Foto: Wagenaar

„Es muss noch viel auf den Tisch, bis eine Entscheidung getroffenen werden kann“, so Frank Schoof. Beschlossen wurde dazu am Donnerstagabend also nichts. Hilke Looden kündigte an, dass es einen separaten Beratungstermin zum Thema geben werde. Wann, konnte sie aber noch nicht sagen. „Wir werden Jufa weiter verfolgen“, sagte sie.

Die Gemeinde Krummhörn hat nur knapp 12.100 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 2020). Nach Schätzungen der Touristiker stehen für Gäste rund 6500 Betten parat - die meisten davon in Greetsiel. Dort leben nur rund 1500 Einheimische, es gibt aber etwa 900 Hotelbetten. In der Saison, die mittlerweile fast ganzjährig ist, ist das Fischerdorf entsprechend voll. Die Gemeinde nimmt sowohl Tourismusbeiträge als auch Tagesgastbeiträge ein. Das ist eins der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine.

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