Die Plattdeutsche Sprache retten  Im Bundestag wird Donnerstag auch auf Platt debattiert

| | 28.02.2023 19:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ostfriese Johann Saathoff (SPD) spricht im Bundestag öfter mal Plattdeutsch. Foto: Bänsch/dpa
Ostfriese Johann Saathoff (SPD) spricht im Bundestag öfter mal Plattdeutsch. Foto: Bänsch/dpa
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Der Ostfriese Johann Saathoff spricht gerne und oft Platt – auch im Bundestag. Am Donnerstag will der SPD-Bundestagsabgeordnete das erneut tun. Aber diesmal wird er nicht der Einzige sein.

Aurich/Berlin - Für die Leiterin des Plattdeutschbüros der Ostfriesischen Landschaft ist die Sache ganz klar: „Wichtig ist, dass die Plattdeutsche Sprache hörbar wird. Wenn auch Politiker platt sprechen, verschafft das der Sprache Ansehen und trägt zu ihrer Förderung bei“, sagt Grietje Kammler. Und deshalb freut sie sich auch auf Donnerstag, denn dann wird ab etwa 14 Uhr im Deutschen Bundestag auch Platt gesprochen.

Die Abgeordneten wollen dann über den Schutz von Minderheiten- und Regionalsprachen beraten. Anlass ist der 25. Jahrestag des Inkrafttretens der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen am 1. März. Die Sprachen der anerkannten Minderheiten Dänisch, Friesisch, Sorbisch und Romanes sowie die Regionalsprache Niederdeutsch (Platt) werden seit 1999 in Deutschland geschützt und gefördert, nachdem die entsprechende Konvention des Europarates 1998 geschlossen wurde.

Abgeordnete treffen sich zum Platt prooten

Dass bei der 45-minütigen Debatte nicht nur über diese Sprachen, sondern auch in diesen Sprachen gesprochen wird, ist ausdrücklich erwünscht. Die Initiative für die Bundestagsdebatte geht auf den Parlamentskreis Plattdeutsch zurück, den einige Abgeordnete gegründet haben. „Das war eine spontane Idee“, berichtet der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff (Hinte). Dazu sei es bei einer Dienstreise 2018 in Kiew mit seiner FDP-Kollegin Gyde Jensen aus dem Wahlkreis Nordfriesland gekommen. Beide wollen bei der Debatte platt sprechen. Seit der neuen Legislaturperiode treffen sich rund 15 Abgeordnete regelmäßig, um Plattdeutsch zu sprechen und die Sprache zu fördern, die von rund 2,5 Millionen Menschen in Norddeutschland gesprochen wird.

Plattdeutsch im Bundestag zu sprechen sei schon etwas Besonderes, sagt Saathoff. 2018 sorgte er im Bundestag für Aufsehen, als er auf Plattdeutsch einer AfD-Initiative zur Verankerung von Deutsch als Landessprache im Grundgesetz konterte. „Düütschland word neet armer dör anner Spraken, Düütschland word rieker“, sagte Saathoff damals – Deutschland werde nicht ärmer durch andere Sprachen, sondern reicher.

„Platt ist bundestagstauglich.“

In Bezug auf das Plattdeutsche hat Saathoff den Eindruck, „dass sich die Wahrnehmung in Berlin auch verändert hat“. „Ursprünglich ist das mal belächelt worden, jetzt merke ich, dass es viele Kolleginnen und Kollegen gerade aus Norddeutschland gibt, die so ein bisschen neidisch drauf gucken und sagen: ,Mensch, diese Sprache hätte ich auch gern gelernt‘.“ Auch Grietje Kammler ist überzeugt: „Platt ist bundestagstauglich.“

Doch das Niederdeutsche ist wie andere Minderheitensprachen in der Existenz bedroht. Nach Angaben des Niederdeutschsekretariats in Bremen fand in den 1950er und 1960er Jahren ein Sprachwechsel in vielen Familien statt: Hochdeutsch verdrängte zunehmend das Plattdeutsch, da es als Bildungshemmnis galt.

Wie gut der Erhalt der Minderheitensprachen und die Einhaltung der Sprachencharta klappen, darüber wachen Experten des Europarates in Straßburg. Sie prüfen Berichte, die die Vertragsstaaten regelmäßig vorlegen. Für Deutschland sahen die Experten zuletzt noch Luft nach oben - etwa bei der Zahl von ausgebildeten Lehrkräften, die in Minderheitensprachen unterrichten. „Es müssen sofortige Maßnahmen ergriffen werden, um eine ausreichende Anzahl von ausgebildeten Lehrern für den Unterricht in den Regional- oder Minderheitensprachen sicherzustellen“, forderte das Gremium im vergangenen Jahr.

Mit Material von DPA

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