Hamburg „Hart aber fair“-Experte: Wagenknecht-Partei wäre „politisch verheerende Entwicklung“
Der Politologe Herfried Münkler saß am Montagabend mit Sahra Wagenknecht in der hitzigen Ausgabe von „Hart aber fair“. Nun sagt er, warum ihn eine mögliche „Friedenspartei“ von Wagenknecht an den Beginn dunkler Zeiten in Deutschland erinnert.
Am Montagabend ging es in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ hoch her. Die Diskussion rund um das Thema „Frieden mit Putins Russland: Eine Illusion?“ drohte mehrfach aus dem Ruder zu laufen. Dabei sorgte Sahra Wagenknecht (Linke) mit verharmlosenden Aussagen zu den Vergewaltigungen in der Ukraine durch russische Soldaten für Empörung.
Ebenfalls in der Runde: Der 71-jährige Politologe Herfried Münkler; eine der wenigen leisen Stimmen des Abends. In einem Interview mit „Focus“ sagt er im Rückblick auf die Sendung, dass Wagenknecht lange ein geeignetes Thema für eine neue politische Partei gesucht habe: „Dafür hat sie nun das diffuse und emotional hochgradig besetzte Thema ‚Frieden‘ gefunden und für sich mobilisiert. Sie hat die Vorstellung, dass es auf diese Weise möglich ist, Teile der klassischen Linken und große Teile der politischen Rechten zusammenzuführen.“
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Taktisch sei das geschickt, doch sollte es dazu kommen, hält Münkler dies für eine „politisch verheerende Entwicklung“. Er erinnert daran, dass es ähnliche Gruppierungen auch in der Spätphase der Weimarer Republik gegeben habe. Diese endete mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler.
Der Erfolg einer möglichen Wagenknecht-Partei hängt für Herfried Münkler vor allem davon ab, wie lange der russische Angriffskrieg in der Ukraine noch andauert. Je länger der Konflikt die Menschen in Deutschland beschäftige und beeinträchtige, desto größer die Erfolgschancen, so der 71-Jährige. Im ersten Schritt würde diese neue Partei Linke und AfD schwächen, ohne es dabei über die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen, blickt der Politikwissenschaftler voraus.
Seit Monaten wird immer wieder darüber spekuliert, dass Sahra Wagenknecht die Linke verlassen und eine eigene Partei gründen könnte. Wegen ihrer Russland-freundlichen Haltung ist sie auch in ihrer Partei umstritten. „Hart aber fair“-Moderator Louis Klamroth fragte die Politikerin während der Sendung am Montag mehrfach, ob sie eine neue Partei gründen wolle. Darauf antwortet Wagenknecht jedes Mal, dass das „heute nicht das Thema“ sei.
Zuletzt hatte Wagenknecht gemeinsam mit Alice Schwarzer das „Manifest für Frieden“ veröffentlicht und auf einer Demo zum „Aufstand für Frieden“ aufgerufen.
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