Einzelhandel in Emden Traditionsreiches Betten- und Wäschehaus stellt sich neu auf
Das Fachgeschäft investiert 250.000 Euro in einen Umbau und spezialisiert sich weiter, um seine Zukunft zu sichern. In der Geschäftsführung steht ein Wechsel an.
Emden - Das traditionsreiche Betten- und Wäschehaus Barghoorn in Emden stellt sich für die Zukunft neu auf. Das 188 Jahre alte Familienunternehmen plant einen Umbau seines weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Fachgeschäftes an der Boltentorstraße, die Konzentration auf bestimmte Sortimentsbereiche und einen Wechsel in der Geschäftsführung. Damit will es seinen Fortbestand für die nächsten Jahrzehnte sichern.
Was und warum
Darum geht es: die Zukunft des traditionsreichen Emder Betten- und Wäschehauses Barghoorn
Vor allem interessant für: alle Ostfriesen, die gerne in Fachgeschäften der Region einkaufen und sich für die Entwicklung des Einzelhandels in der Region interessieren
Deshalb berichten wir: Das Emder Fachgeschäft startete in dieser Woche einen Räumungsverkauf. Die Inhaber stellten am Mittwoch ihre Pläne vor. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die 65 und 64 Jahre alten Inhaber Peter und Dirk Barghoorn, die die Firma in fünfter Familiengeneration führen, wollen sich nach eigenen Angaben zum Ende dieses Jahres aus Altersgründen „in die zweite oder dritte Reihe zurückziehen“, aber Gesellschafter des als Gebr. Barghoorn GmbH geführten Unternehmens bleiben. Die beiden Cousins hatten um das Jahr 1990 herum die Nachfolge ihrer Väter angetreten.
Drei Mitarbeiterinnen führen künftig die Geschäfte
Die Geschäftsführung sollen künftig drei langjährige Mitarbeiterinnen übernehmen. „Sie sind unseren Kunden aus dem Verkauf bekannt“, sagt Dirk Barghoorn. Die Namen möchten er und sein Vetter erst nennen, wenn alles in trockenen Tüchern ist.
Die beiden Chefs sind aber glücklich, eine zukunftsweisende Lösung gefunden zu haben. Sie arbeiten schon seit etwa fünf Jahren daran. Weil sich keine Nachfolger in den eigenen Familien fanden - die eigenen Kinder sind beruflich andere Wege gegangen -, hatten sie sich zunächst auch nach Interessenten aus der Branche umgesehen. „Da kam aber Corona dazwischen“, so Dirk Barghoorn.
Geschäftsaufgabe war keine Option
Die Aufgabe des Geschäftes sei zwar ins Kalkül gezogen worden, habe aber nie im Vordergrund gestanden. „Wir wollten nicht die sein, die das Geschäft schließen und als letzte den Schlüssel umdrehen“, sagen die beiden Inhaber mit Hinweis auf die lange Tradition der Firma. Vielmehr habe es „immer den Willen und die Hoffnung gegeben, dass es weitergeht“. Das sei die Prämisse gewesen. Damit wolle man auch einen Beitrag zur Attraktivität der Innenstadt leisten.
Mit dem Umbau und einer weiterer Spezialisierung des Sortiments wollen die beiden Inhaber auf die veränderten Bedingungen des Marktes und den wachsenden Online-Handel reagieren. Sie setzen vor allem auf Segmente, die Beratung und Service erfordern.
Firma investiert 250.000 Euro in den Umbau
Schwerpunkt bleibt der Bettenbereich mit einer Rundumversorgung von der Zudecke über Lattenroste bis hin zu kompletten Bettsystemen und Möbeln für das gesunde Sitzen. Dazu gehört auch eine eigene Manufaktur zum Befüllen und Reinigen von Betten. Hinzu kommen Damenwäsche, Mieder und Frottierwäsche. Aus dem Sortiment genommen werden hingen Tag- und Nachtwäsche für Herren, Strümpfe und Tischwäsche.
Die beiden bisherigen Geschäftsführer investieren nach eigenen Angaben etwa 250.000 Euro in den Umbau des Ladens, der eine komplett neue und moderne Einrichtung erhält. Die Verkaufsfläche verringert sich auf etwa 560 Quadratmeter im Erdgeschoss. Die obere Etage, in der sich bisher das Bettenstudio auf 300 Quadratmeter befindet, wird künftig nicht mehr für den Verkauf genutzt.
Der Räumungsverkauf hat in dieser Woche begonnen und geht bis Ende März. Danach folgt der Umbau, der voraussichtlich fünf Wochen dauern wird. Der Verkauf geht in dieser Zeit aber durchgängig weiter, allerdings müssen sich Kundinnen und Kunden auf Einschränkungen einstellen.