Berlin Warum es dem Bundestag gut tut, „up Platt“ zu sprechen
Im Bundestag wurde diese Woche Platt gesprochen. Und man muss sagen, dass das der Stimmung im Parlament gut getan hat. Allerdings gefiel es nicht jedem.
Die Schwere der Zeitenwende-Debatte stand manchem Abgeordneten noch ins Gesicht geschrieben, als am Nachmittag der 25. Geburtstag der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen begangen wurde. Sofort hellte sich die Stimmung auf.
“Wat bün ik blied, dat wi vandaag rechtschapen mitnanner up Platt proten köönt”, machte der ostfriesische SPD-Abgeordnete Johann Saathoff den Anfang. Frei übersetzt: Er sei sehr glücklich, dass man heute mal richtig miteinander Platt sprechen kann. Die FDP-Abgeordnete Gyde Jensen machte darauf aufmerksam, dass es inzwischen sogar einen Parlamentskreis “Plattdeutsch” gibt, weil sie in Sorge ist, dass Kinder nicht mehr plattdeutsch lernen könnten. Deshalb sollte es für Tonie-Boxen und Co. endlich auch Hörspiele auf Plattdeutsch geben: “Wir möten dorhin kamen, dat Tonies – jem kennt villicht düsse nie’e düütsche Kassette mit Figuren to’n Dropstellen - besnackt warrn, dat Kinner Plattdüütsch hören können.”
Die Unionsabgeordnete Astrid Damerow beeindruckte das Plenum mit einem Vortrag auf feinstem Friesisch, dem erkennbar nur noch wenige im Plenum folgen konnten. Der stenographische Dienst war gefordert wie selten. Die Grünen-Abgeordnete Linda Heitmann kritisierte in schönstem Hamburger Platt, dass sie die einzige der 118 Grünen-Abgeordneten sei, “de hier an düssen Dag snacken wil.” Stefan Seidler, der einzige Abgeordnete vom Südschleswigschen Wählerverband, sagte, “dat wi hier hüüt över uns Spraak un unse Minnerheiten schnacken, is jüst in düsse Tied en richtig Signal”.
AfD-Mann Götz Frömming sah allerdings wenig Anlass zu guter Laune im Parlament und warnte in “inklusivem Hochdeutsch” davor, dass das Deutsche selbst bald in Deutschland zur Minderheitensprache werden könnte. Da war die kurzzeitige, fraktionsübergreifende gute Laune auch schon gleich wieder dahin.
Die Forderung einiger Redner, auch sonst öfter mal Platt zu reden im Bundestag, dürfte sich leider nicht durchsetzen. Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoguz (SPD) bedankte sich für den “sprachlichen Reichtum, den wir hier haben”. „Aber nicht in jeder Sitzungswoche, das dann nicht”, bat sie. Schade eigentlich. Wäre doch wirklich „heel mooi”.