Hamburg Warum wir im Winter mehr Schlaf brauchen als im Sommer
Im Winter bräuchten Menschen biologisch mehr Schlaf – die meisten passen ihre Gewohnheiten aber nicht an. Das kann gesundheitliche Folgen haben.
Menschen funktionieren im Winter anders als im Sommer. Sich in der grauen und kalten Jahreszeit schlapp und erschöpft zu fühlen, hat also weniger mit persönlichen Befindlichkeiten zu tun. Zwar machen Menschen – im Gegensatz zu vielen Tieren – keinen Winterschlaf, mehr Schlaf im Winter würde ihnen dennoch guttun.
Für eine kürzlich veröffentlichte Studie der Berliner Charité haben Forscher Dieter Kunz und sein Team analysiert, wie sich das Schlafverhalten der Probanden über das Jahr entwickelt und „deutliche Unterschiede in der Schlafarchitektur“ festgestellt, wie er gegenüber dem „Spiegel“ sagt.
In den Monaten November bis Februar hätten die Probanden im Schnitt 50 Minuten länger geschlafen. Der Tiefschlaf sei von September bis November 30 Minuten kürzer. Und der REM-Schlaf – die Phase, die der Tagesverarbeitung dient – hält im Winter um eine halbe Stunde länger an.
Biologisch gesehen bräuchten die Menschen in den Wintermonaten also mehr Schlaf als im Sommer. Die meisten blieben allerdings „unverändert leistungsfähig“ – und fühlten sich laut Studie deshalb oft erschöpft. Zu wenig Schlaf führe laut Kunz dazu, dass „wir nicht mehr so gut funktionieren“. Die Konsequenzen: Es kommt zu Konzentrationsschwierigkeiten, das Immunsystem ist geschwächt und das Gefühl von Schlappheit nimmt zu.
Gegenüber dem ORF fordert der Forscher: „Im Allgemeinen sollten die Gesellschaften ihre Schlafgewohnheiten, einschließlich der Dauer und des Zeitpunkts, an die Jahreszeit anpassen oder die Schul- und Arbeitszeiten auf den saisonalen Schlafbedarf abstimmen.“ Kunz findet, die Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, im Winter länger zu schlafen als im Sommer.
Wie viel Schlaf unbedingt notwendig ist, um sich fit zu fühlen, unterscheidet sich allerdings von Mensch zu Mensch. „Mit etwa 20 Jahren ist das Gehirn ausgereift und es ist festgelegt, wie viel Schlaf jemand braucht. Das ändert sich nicht mehr“, sagt Kunz dem „Spiegel“.
Es gebe Menschen, die mit vier Stunden Schlaf auskämen und auch mit 80 noch kerngesund seien. Andere müssten zehn Stunden schlafen, um tagsüber gut zu funktionieren. Warum es diese Unterschiede gibt, konnte noch nicht herausgefunden werden.