Nach den Verwüstungen  Polizei verstärkt ihre Präsenz im Emder Stadtwald

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 06.03.2023 18:21 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Polizeibeamte begutachteten auch diese komplett zerlegte Brücke, die zu einem Tümpel führt. Foto: H. Müller
Polizeibeamte begutachteten auch diese komplett zerlegte Brücke, die zu einem Tümpel führt. Foto: H. Müller
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Die mutwilligen Zerstörungen von Bäumen und Anlagen im Emder Stadtwald lösen überall Fassungslosigkeit aus. Eine Gefahr für Besucher bestehe nicht, sagt die Polizei.

Emden - Die Nachrichten über mutwillige Verwüstungen im Emder Stadtwald am vergangenen Wochenende haben bei vielen Ostfriesen sowie vor allem bei regelmäßigen Besucherinnen und Besuchern dieser Forstanlage Fassungslosigkeit und Empörung ausgelöst. Viele fragen sich, was den oder die Täter dazu getrieben hat, mit einer Axt oder einem ähnlichen scharfen Gegenstand etliche Bäume zu schlagen, Bänke, Wegweiser und eine kleine Brücke zu zerstören.

Antworten darauf gibt es noch nicht. Denn laut Polizei fehlt von dem Täter oder den Tätern bislang jede Spur. Bis zum Montagnachmittag seien auch keine Hinweise von Zeugen eingegangen, sagte Hanno Giesen, Sprecher der Polizeiinspektion Leer/Emden, dieser Zeitung auf Anfrage.

Ein Ermittler der Kripo übernahm den Fall

Nachdem am Sonnabend zwei Streifenpolizistin ersten Hinweisen einer Spaziergängerin nachgegangen waren, vor Ort die angerichteten Schäden begutachtet und aufgenommen hatten, übernahm ein Ermittler der Kripo in Emden am Montag den Fall. „Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang“, so der Sprecher. Seinen Angaben zufolge will die Polizei in der nächster Zeit auch ihre Präsenz im Stadtwald zu unterschiedlichen Tag- und Nachtzeiten verstärken.

Unklar blieb zunächst, ob der oder die Täter am Wochenende nur einmal oder mehrmals den Stadtwald heimsuchten. Am Sonntag waren nämlich weitere Schäden festgestellt worden. Die Hundehalterin, die die Polizei am Sonnabend verständigt hatte, entdeckte einen Tag später unter anderem etliche weitere frisch geschlagene Bäume, die teilweise Wege versperrten.

Bei Besuchern macht sich Angst breit

Bei Emderinnen und Emdern macht sich unterdessen Angst breit, in den Stadtwald zu gehen in der Annahme, dass dort jemand mit einer Axt sein Unwesen treiben könnte. Hinweise auf eine Gefahr für Leib und Leben gebe es aber nicht, sagte der Polizeisprecher dieser Zeitung. Vielmehr deute alles darauf hin, dass es dem Täter beziehungsweise den Tätern nur um Sachbeschädigungen gehe: „Man kann deshalb beruhigt in den Stadtwald gehen.“

Die Täter haben entlang der Wege im Stadtwald etliche Bäume mit einer Axt oder einem Beil geschlagen. Foto: Privat
Die Täter haben entlang der Wege im Stadtwald etliche Bäume mit einer Axt oder einem Beil geschlagen. Foto: Privat

Die Stadt Emden als Eigentümerin des Stadtwaldes zeigte sich „erschüttert“ von den Vorfällen am Wochenende. „Wir verurteilen die brutale Zerstörungswut nachdrücklich“, schrieb Stadtsprecherin Theda Eilers dieser Zeitung auf Anfrage. Das gesamte Ausmaß der Zerstörung sei bislang noch nicht bekannt. „Wir gehen aber davon aus, dass die Schadenssumme mindestens im mittleren vierstelligen Bereich liegt“, so die Sprecherin. Die Stadt warte zunächst die Ermittlungen der Polizei ab, bevor mit den Aufräumarbeiten begonnen wird.

Hölzerne Tierfiguren lassen sich nicht einfach ersetzen

Es gebe aber auch einen immateriellen Schaden, so die Stadtsprecherin. Sie verwies beispielsweise auf die hölzernen Tierfiguren an den Wegweisern. Mehrere davon wurden am Wochenende ebenfalls zerstört. Den Figuren wurde jeweils der Kopf abgeschlagen. Sie sind in Baumstämmen eingelassen, die einerseits Spaziergängern, andererseits bei Notfällen auch Rettungskräften als Orientierungshilfen dienen sollen. Die ersten Pfähle dieser Art waren 2014 aufgestellt worden.

Betrübt und frustriert über den Verlust der Tierskulpturen ist man auch im Emder Ökowerk. Ein ehemaliger und künstlerisch talentierter Mitarbeiter des Umweltbildungszentrums hatte sie vor Jahren geschnitzt. Die Figuren ließen sich nicht ohne Weiteres ersetzen, heißt es.

Die ersten Bäume wurden 2001 gepflanzt

Das glaubt auch der zuständige Bezirksförster Erich Delfs aus Rhauderfehn. Der Mitarbeiter des Forstamtes Weser-Ems erfuhr erst am Montag bei einem Telefonat mit unserer Redaktion von den Zerstörungen im Stadtwald. Er konnte sich deshalb noch kein eigenes Bild vom Ausmaß der Schäden an den Bäumen machen. Delfs geht aber davon aus, dass die Täter vor allem Eichen geschlagen haben. Diese Baumart sei im südlicheren Teil des Stadtwaldes am Gewerbegebiet in Harsweg am häufigsten. Die Bäume müssten zwischen 15 und 20 Jahre alt sein. „Der Schaden ist in Euro nur schwer zu beziffern“, so Delfs.

Die ersten Flächen des Stadtwalds waren vor 22 Jahren mit Jungbäumen bepflanzt werden. Heute ist das gesamte Areal auf Flächen der Stadt Emden und Gemeinde Hinte etwa so groß wie 100 Fußballfelder. Aktuell gibt es in der Emder Politik auch Bestrebungen, dort einen Bestattungswald anzulegen. Die Stadt winkt aber ab. „Der Vandalismus bestärkt uns leider auch darin, dass unser Stadtwald nicht für einen Friedwald als letzte Ruhestätte geeignet ist“, so Stadtsprecherin Eilers.

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