Streik für mehr Einkommen In Ostfriesland werden manche Kitas am Mittwoch geschlossen sein
Auch ostfriesische Kindergarten-Erzieherinnen und Sozialarbeiter werden am Mittwoch streiken. Mit was rechnet die Gewerkschaft – und mit welchen Ausfällen rechnen Stadt- und Gemeindeverwaltungen?
Ostfriesland/Oldenburg - Kindertagesstätten und soziale Einrichtungen sollen am Mittwoch bestreikt werden – auch in Ostfriesland. Das hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) per Pressemitteilung angekündigt.
Als wahrscheinliche Streik-Schwerpunkte in Ostfriesland nannte Gewerkschaftssekretär Jürgen Jakobs den Raum Leer mit Westoverledingen, Jümme und Moormerland sowie der „Bereich Norden“. Das genaue Ausmaß des Arbeitskampfs könne aber auch die Gewerkschaft erst am Streiktag feststellen.
Gewerkschaft fordert mindestens 500 Euro mehr im Monat
Um das Einkommen von Erzieherinnen und Erziehern sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern geht es bei den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaft fordert für „mehr als 2,5 Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat“. Darauf hat die Arbeitgeberseite laut Ver.di mit einer „klaren Absage“ reagiert – „trotz steigender Preise, hoher Inflation und großer Personallücken, gerade auch in der Sozialen Arbeit“.
Ver.di-Bundesvorsitzender Christian Behle: „Das Angebot der Arbeitgeber ist völlig indiskutabel und ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten.“ Bundesweit würden in Kitas 270.000 Fachkräfte fehlen. „Es ist bereits jetzt schon so, dass immer mehr Einrichtungen ihre Öffnungszeiten verkürzen müssen, weil das Personal fehlt“, so Katja Wingelewski, Gewerkschaftssekretärin im Landesbezirk Niedersachsen. „Um genug Fachkräfte zu haben, müssen die Arbeitsbedingungen stimmen. Dazu gehört auch die Bezahlung.“
Wie wirkt sich der Streik voraussichtlich in Ostfriesland aus?
Laut Gewerkschaftssekretär Jakobs, der unter anderem für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden zuständig ist, hören rund 25 Prozent der Berufsanfänger in Kitas nach dem ersten Jahr auf. Daneben könnten unter anderem Jugendhäuser und die Schulsozialarbeit von dem Streik betroffen sein. Die Streikenden werden am Mittwoch zu einer Kundgebung auf dem Oldenburger Rathausmarkt erwartet.
Die Leeraner Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Kita am Niedersachsenring „und möglicherweise das JuZ Leer und der Jugendtreff Moormerlandsiedlung“ von dem Streik betroffen sein werden. Sie rechnet damit, „dass die Kita an dem Tag geschlossen bleibt“. Dasselbe gelte für die Jugendeinrichtungen, falls dort gestreikt werde.
In manchen Kommunen gibt es eine Notbetreuung für Kinder
„Was Kitas und soziale Einrichtungen betrifft, ist für einen kurzen Streik kein Notfallplan vorgesehen“, erläutert die Leeraner Verwaltung auf Nachfrage. „Würde der Streik länger dauern, würden wir aber bei Bedarf einen solchen Notfallplan organisieren.“
„In der Gemeinde Moormerland werden die gemeindeeigenen Kindergärten in Neermoor, Veenhusen (Veenmäuse) und Jheringsfehn betroffen sein“, schreibt der Erste Gemeinderat Jörg Lorenz. Die Einrichtungen in Neermoor und Veenhusen werden geschlossen bleiben. „In Jheringsfehn erfolgt eine Notbetreuung am Vormittag.“
Streikenden ist es wichtig, dass es eine Notbetreuung gibt
Für die Stadt Norden antwortete Fachdienstleiter Nico de Vries: „Die städtischen Kitas werden betroffen sein.“ Aber: „Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist daran gelegen, dass Eltern, die auf eine Notbetreuung angewiesen sind, diese auch in Anspruch nehmen können.“
Die Norder Stadtverwaltung rechnet mit einer „hohen Streikbeteiligung“. De Vries: „Teilweise kann es dazu führen, dass eine einzelne Kita geschlossen wird und die Kinder in einer der anderen städtischen Kitas notbetreut werden.“
Kita-Schließungen fallen auf Internationalen Frauentag – aus Gründen
Dass der Streik auf den Internationalen Frauentag fällt, ist kein Zufall: „Die Soziale Arbeit ist mit 83 Prozent eine Branche, in der überwiegend Frauen arbeiten“, so Ver.di – „beispielweise in Kindertageseinrichtungen, Jugendämtern und Beratungsstellen.“
Zu den Lohn-Forderungen haben sich ostfriesische Verwaltungen unterschiedlich positioniert (wir berichten noch). Die Stadtverwaltung Leer schrieb beispielsweise: „Angesichts der finanziell äußerst angespannten Lage in unseren Kommunen und bei unseren kommunalen Arbeitgebern ist das neben den vielen anderen Mehrbelastungen, denen die Kommunen zurzeit ausgesetzt sind, schlicht nicht leistbar.“
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